Wandelnde Tote unter dem Münsterplatz

Dort, wo heute die Waren des Münstermarktes angeboten werden, war einst ein Friedhof, auf dem es angeblich gespukt haben soll. Im Jahre 1122 gab es offizielle Ermittlungen der Kirche, um festzustellen, ob sie die Toten aus ihren Gräbern erhoben haben.

Freiburger Mythen (9) – Wandelnde Tote unter dem Münsterplatz

Die Herrschaft der Eisheiligen

Der Münsterplatz in Freiburg, im Jahre des Herrn 1510.

Es war eine bitterkalte Nacht im Mai. Der Boden um das Münster glitzerte und glänzte fast so sehr wie der sternenklare Himmel über ihm, denn eine dicke Eisschicht hatte sich über die Erde gelegt. In jener Nacht zwischen dem Tag des Heiligen Bonifatius und dem der Jungfrau Sophia war der Mond eine schmale Sichel aus milchigem Silber. So musste die Klinge des Sensenmannes schimmern, glaubte Magda während sie durch die Nacht huschte. Die alte Frau erinnerte sich nicht, jemals eine so kalte Nacht erlebt zu haben. Und dennoch fröstelte sie bei dem Anblick der Mondsichel noch etwas mehr als zuvor. Magda raffte ihren Rock, um so schnell wie möglich nach Hause zu ihrem Mann eilen zu können. Doch dann durchbrach ein furchtbares Knacken die Totenstille der Nacht.

Wie festgefroren war Magda stehen geblieben und murmelte leise: „Heilige Sophia stehe mir bei.“ Zitternd senkte sie ihren Blick auf den erdigen Boden des Münsterplatzes vor sich. Etwas Weißes schimmerte ihr von unter ihren Stiefel entgegen. Länglich und dürr war es. Und als die alte Frau begriff, dass es ein knöcherner Finger war, der sie in sein modriges Grab herabziehen wollte, wankte sie zurück. Irgendetwas gab unter ihr nach und brachte sie ins Straucheln. Gleich darauf fand sich Magda auf dem eisigen Boden wieder. Und als sie bemerkte, wie sie die hohlen Augen eines schmutzigen Schädels ansahen, erlosch auch der Mond und es wurde schwarz um Magda herum.

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