28. Juni 2019

Tauchen nach Müll im Flückiger See: Ein Interview mit Alexander Jaffke

Von wegen nur was für Profis! Alexander Jaffke taucht im Flückiger See im Freiburger Seepark und das zugunsten der Umwelt!

Seit knapp einem Jahr taucht Alexander Jaffke eigenständig durch den Flückiger See im Seepark, um dort Müll, Flaschen und alles, was sich in dem Gewässer noch so verbirgt, zu sammeln. Das Ganze macht er ohne jegliche Taucherausrüstung – als Freediver also, und das nur mit der eigenen Atemluft. Doch wer denkt, das können nur eingeschweißte Profis, liegt falsch: Alex hat sich das Freediving selbst beigebracht.

„Für viele Leute ist dieser See oder allgemein die Umwelt, einfach ein schwarzes Loch: Was du reinwirfst, ist weg. Ich möchte mit dieser Aktion das Gegenteil zeigen, denn: Es ist nicht weg! Es ist immer noch da und ich werde es finden.“ – Alex Jaffke

Der Flückiger See ist bis zu 30 Metern tief, jedoch ist Alex das Sicherheitsrisiko zu hoch, um bis in diese Tiefe zu tauchen, da er das Projekt momentan noch alleine betreibt. Die Luft kann er im ruhigen Zustand unter Idealbedingungen, ungefähr 3:45 Minuten anhalten. Mit seiner Aktion möchte er die Bevölkerung darauf aufmerksam machen, dass auch wenn der Müll aus dem Bewusstsein verschwindet, nichts wirklich weg ist.

„Das, was ich hier mache, ist für mich einfach unglaublich toll! Immer wenn das Netz voll ist, gehe ich an Land, hole es raus und habe am Ende dann so 30 Kilo Müll rausgesammelt und denke: ‚Hey, das ist alles Müll, der die Umwelt jetzt nicht mehr nervt.'“- Alex Jaffke

Da er früher selbst lieber tauchte, als einfach nur zu schwimmen, fiel Alex direkt der Müll vor seiner Taucherbrille auf. Daraufhin beschloss er, etwas dagegen zu unternehmen. Das Freediving, sagt Alex, habe ihn schon immer fasziniert, vor allem, weil es jeder lernen kann! Für ihn geht es darum, diese Fähigkeit zu haben und diese auch effektiv zu nutzen.

 

Alex beim Fund eines vermissten Handys.

Alex beim Fund eines vermissten Handys. (Foto-Credit Instagram: Wasserputze)

 

Im Winter 2018 kaufte er sich die passende Ausrüstung für das Freediving. Ab drei bis vier Metern wird es dann doch ziemlich kalt, weswegen Alex einen Neoprenanzug trägt. Selbstgebaute Werkzeuge, wie ein Seilschneider oder ein Kescher für schwere Gegenstände, helfen ihm, größere Massen von Müll zu erreichen und in Notfallsituationen besser reagieren zu können. Des Weiteren ist es gar nicht so einfach, schwere Gegenstände aus dem Wasser zu ziehen. Vor allem kann das auch ziemlich gefährlich werden, da Alexander ohne Luft bzw. ohne Luftreserve taucht.

„Daraus könntest du eigentlich ein geiles Hobby machen – dann würdest du tauchen und könntest gleichzeitig auch etwas Sinnvolles machen.“ – Alex Jaffke

In dem See herrschen zusätzlich enorm schlechte Sichtverhältnisse. Bei guter Sicht kann Alex bis zu sechs Meter sehen. Da die Sicht im Flückiger See jedoch durch Wärme, Sonne, und die dadurch entstehende Algenbildung immer schlechter wird, kann er heute nur noch bis circa einem Meter sehen. Die schlechten Sichtverhältnisse bergen zudem ein höheres Sicherheitsrisiko für Alex. Aus diesem Grund hat der Taucher sogar eine eigene Karte vom See entworfen, um sich besser orientieren zu können.

„Ich möchte Aufmerksamkeit auf diese Aktion lenken, weil ich gemerkt habe, dass das wirklich jeder machen kann! Man braucht kein spezieller Dude sein, um das zu machen was ich mache, man braucht nur Interesse dafür.“- Alex Jaffke

 

 

Ein „paar“ Funde eines Tauchgangs. (Foto-Credit Instagram: Wasserputze)

 

Ein üblicher Tag von Alex sieht so aus, dass er meist nach der Arbeit mit seinem Neoprenanzug zum Flückiger See radelt. Diesen Sommer möchte er versuchen, früh morgens, vor Sonnenaufgang tauchen zu gehen, „in der Hoffnung, dass das Wasser zu dieser Zeit klarer ist“. Ein Tauchgang dauert meist eine halbe bis zu einer Stunde – und das ein bis dreimal die Woche. Dieses Jahr hat Alex schon eine komplette Hälfte des Sees, ungefähr von der Brücke bis zur Seebühne, abgetaucht.

„Viele sehen in mir irgendwie sowas wie einen Umwelthelden, aber das ist Quatsch, denn das könnte jeder mindestens genauso gut wie ich.“ – Alex Jaffke

Natürlich kommt es auch an den bereits abgetauchten Stellen immer wieder zu Müll, weswegen er sich den Flückiger See in verschiedene Segmente eingeteilt und sich jeweils ein passendes Abtauch-Muster überlegt hat, um nicht die Orientierung zu verlieren. Auf diese Art und Weise taucht er zwischen 20 und 50 Metern ab. Wie viel Alex während eines Tauchgangs findet, hängt zum einen von der Müllmenge und zum anderen extrem von der Sicht unter Wasser ab. Deswegen probiert er mehrfach über die gleichen Stellen zu tauchen, um auch wirklich alles abzutauchen. Vor allem im hinteren Bereich des Sees an der Brücke und an der Seebühne sammelt sich der meiste Müll.

„Jedes mal wenn ich tauchen gehe, weiß ich: Das ist das Wohnzimmer von den Fischen, da habe ich nichts drin verloren. Der Fisch kommt auch nicht zu dir ins Wohnzimmer und nimmt seine Alge mit und lässt sie dann bei dir liegen.“ – Alex Jaffke

 

Ein Bier vielleicht ? (Foto-Credit Instagram: Wasserputze)

 

Hauptsächlich findet Alex Gläser, Flaschen und Elektroschrott im See. Der Plastikmüll wird meist zum Ufer getrieben, da er leichter ist als die anderen Gegenstände. Ab und zu trifft er aber auch auf außergewöhnliche Gegenstände, wie einen Einkaufswagen, Telefone mit Netzteil und WLAN-Router, Autoreifen, Boxershorts, Stühle und sogar ein Klassenbuch aus einer Freiburger Schule.

„Die meisten Sachen kannst du dir irgendwie erklären, aber manchmal denkt man einfach so: ‚Hä?'“ – Alex Jaffke

Dieses Jahr hätte Alex schon ungefähr drei Badewannen mit seinem gesammelten Müll sammeln können. Auch wenn manches etwa so aussieht, als ob es umweltverträglich ist, hat es seiner Meinung nach nichts in der Umwelt verloren.

 

Ein außergewöhnlicher Fund im Flückigersee. (Foto-Credit Instagram: Wasserputze)

 

Aufgrund des Sicherheitsrisikos ist Alex schon auf der Suche nach einem Mittaucher. Zu zweit würde man zusätzlich tiefer tauchen können und somit mehr Müll gemeinsam finden.

„Wenn hier irgendjemand Bock auf Freediving hat – egal ob Anfänger oder Profi – kann sich einfach bei mir melden. Ich bin meistens recht umgänglich und beiße eher selten.“ *lacht* – Alex Jaffke

Für Alex ist es wichtig, dass Leute nicht vergessen, dass weggeworfenen Sachen trotzdem immer weiter existieren, auch wenn sie sie nicht mehr sehen. Er erhofft sich von der Zukunft, dass die Menschen aufmerksamer werden und dadurch mehr Bewusstsein für die Umwelt entwickeln und darüber nachdenken, in wessen „Wohnzimmer“ sie gerade sind

 

Wir sind begeistert von dieser tollen Aktion und bedanken uns bei Alex für das angenehme und witzige Interview!

 

Falls ihr Lust habt, Alex bei seiner tollen Aktion zu unterstützen, meldet euch am besten per Mail an jaffke@live.de oder über seinen Instagram-Account: wasserputze.

Weitere außergewöhnliche Funde und Bilder findet ihr auf seinem Instagram-Account. Schaut doch mal vorbei!

 

Foto-Credit Titelbild: Alexander Jaffke