4. Dezember 2015

Restaurant-Test Freiburg: Süden im Vauban

Der zweite Artikel unserer neuen Serie "Restaurant-Tipps in Freiburg und Umgebung": Das Restaurant Süden in der Vauban. Anonym testen wir jede Woche ein Freiburger Restaurant und beurteilen ganz unabhängig Essen, Preis/Leistung, Atmosphäre und Bedienung jeweils mit 0 bis 5 Sternen. Nur die von uns am höchsten bewerteten Restaurants schaffen es in die Liste der BESTEN Restaurants der Stadt.

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Gut besucht

Der grüne Stadtteil Vauban ist einer der Orte in Freiburg, die man vielleicht seltener besucht, wenn man dort nicht wohnt. Doch im Herzen des flächenmäßig kleinsten Bezirks der Stadt gibt es ein Restaurant, das zu einem Ausflug ins Vauban einlädt: Das Restaurant Süden am Alfred-Döblin-Platz.
Am Nachmittag rief ich an, um einen Tisch für Zwei zu reservieren und sagte dem Kellner am anderen Ende der Leitung, ich wisse gar nicht, ob das notwendig wäre für so wenig Personen. Er lachte und meinte, bei ihnen sei es schon wichtig zu reservieren. Das bestätigte sich auch beim Eintreten ins Restaurant: Die vielen Tische in den zwei großen Räumen sind auch an einem Tag unter der Woche fast alle besetzt. Wir bekommen einen Tisch im Saal, in dem die Bar platziert ist. Der erste Eindruck ist sehr positiv: Die Bedienung freundlich und flink, die Atmosphäre angenehm. Es ist schwierig, die Inneneinrichtung des Lokals in einem Wort zu beschreiben. Auf dunklem Holzboden stehen dunkle Tische und Stühle in einem gelb gestrichenen Raum mit hohen Decken. Die schlichte Möblierung ermutigte wohl zu Spielereien in der Dekoration. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass hier viel zusammengeworfen wurde. In unserem Raum steht ein schöner, alter Flügel, der laut Kellner nur bei besonderen Anlässen wie Weihnachtsfeiern oder Geburtstagen bespielt wird. Darauf ist eine Skulptur eines afroamerikanischen Saxofonspielers platziert, die ganz und gar nicht zu dem Portrait eines uniformierten Mannes etwa aus dem 19. Jahrhundert an der Wand gegenüber passt. Im Raum nebenan hängen Kronleuchter, die mit Besteck behangen wurden und die Wände sind mit vielen Bildern geschmückt. Aber dieses Zusammengewürfelte macht vielleicht den Charme des Restaurants aus. Besonders im Sommer muss das Lokal mit seinem nach Süden ausgerichteten Außenbereich ein schöner Treffpunkt sein. Ein Minuspunkt für den Innenbereich ist vielleicht die Akustik: Das Essen ist begleitet von einem lautstarken Gemurmel der anderen Gäste, das nicht mit Musik untermalt wird.

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Zwischen Tradition und Experimentierfreudigkeit

Jetzt aber soll der Fokus dem Essen gelten. Die Speisekarte umfasst eine große Auswahl badischer Köstlichkeiten gepaart mit ausgefallenen Variationen und lehnt sich zeitweise an der Französischen Cuisine an. Neben dem regulären Menü ist eine Tageskarte mit zwei Vorspeisen und zwei Hauptgängen, eines davon ist vegetarisch: Semmelknödel auf Champignoncreme Sauce mit Himbeer-Chutney. Ansonsten ist für jeden Geschmack etwas dabei: Suppen, Salate, zahlreiche vegetarische Gerichte und Speisen mit Fleisch. Wir wählen als ersten Gang die interessant klingende vegane Kreolische Erdnusssuppe mit Kokos, Limette und Koriander und das Gebackene Ziegenkäsetürmchen mit Apfel, Aubergine und Rosmarinhonig. Alle Suppen gibt es in der großen und kleinen Variante zu bestellen und werden wie auch die Vorspeise mit hausgebackenem Brot gereicht. Als Hauptspeise bestellen wir das vegetarische Gericht von der Tageskarte und die Perlhuhnbrust im Speckmantel an Portweinsauce mit winterlichem Gemüse und Kartoffelgratin. Zu trinken empfiehlt der Kellner Waldhaus Pils ohne Filter, das sehr gut schmeckt und hervorragend zum winterlichen Essen passt.

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Nach der Bestellung genehmigen wir uns eine kurze Zigaretten-Pause und sind sehr überrascht als der zuvorkommende Kellner plötzlich den Kopf aus der Tür steckt, um uns zu sagen, dass unsere Vorspeisen schon da sind. Trotz der schnellen Zubereitung ist das Essen äußerst liebevoll angerichtet. Das Käsetürmchen ist mit einem Rosmarinzweig durchstochen und der Teller mit Granatapfelkernen dekoriert. Die Suppe ist mit Balsamico Creme verziert. Geschmacklich ist sie etwas ganz Besonderes: Der nussige Geschmack gepaart mit einer fruchtigen Note ist leicht scharf gewürzt. Dass hier auf Sahne aufgrund der veganen Zubereitung verzichtet wird, stört überhaupt nicht. Das Käsetürmchen brilliert ebenfalls mit einem perfekten Zusammenspiel von süß und deftig. Der halb auseinanderfallende Käse harmoniert ideal mit dem Gemüse und Obst. Das selbstgebackene dunkle Brot ist etwas trocken. Womöglich lag es schon länger aufgeschnitten im Körbchen.

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Reichhaltige Portionen

Der Hauptgang kommt sofort im Anschluss. Für meinen Geschmack hätte man uns nach dem ersten Gang etwas mehr Zeit lassen können. Ebenfalls liebevoll und ordentlich angerichtet kommen die Gerichte auf großen Tellern. Die kleinen Semmelknödel bilden in Kombination mit Pilzsauce ein ideales Winteressen. Das Chutney, das raffiniert auf einem Chicoree-Blatt serviert wird, bringt eine fruchtig frische Note in das schwere Winteressen. Nach der Vorspeise ist es kaum möglich die ganze Portion zu schaffen. Die Perlhuhnbrust ist zart und liegt in einer vorzüglich gewürzten Sauce. Das Wintergemüse ist für unseren Geschmack etwas zu lange gegart, hat geschmacklich jedoch keinen Fehler. Der Kartoffelgratin ist nicht besonders spektakulär – mit einem zusätzlichen Gewürz hätte man der Beilage ein I-Tüpfelchen aufsetzen können. Unsere Portionen sind beide großzügig und machen auch ohne Vorspeise locker satt.

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Zufrieden trinken wir unser Bier leer und beobachten das Publikum. Vielleicht ist es Zufall, aber es sind außer uns eigentlich keine jungen Leute im Restaurant zu sehen. Ob das an den Preisen liegt? Ein klassischer Flammkuchen nach Elsässer Art kostet 7,40 Euro, was relativ teuer im Vergleich zu anderen Lokalen ist. Unsere Gerichte kosten zwischen 12 und 14 Euro, was meines Erachtens für das Ergebnis gerechtfertigt ist.


Unsere Bedienung ist bis dahin fehlerfrei gewesen. Der Kellner ist flink, freundlich, zuvorkommend und äußerst sympathisch. Wenn man einen Kritikpunkt formulieren müsste: Nachdem unsere Teller abgeräumt wurden und unsere Getränke leer sind, müssen wir lange warten, bis wir zahlen können. Da wir relativ spät aßen (die Reservierung war auf 20.30 Uhr) ist das Personal mittlerweile mit Aufräumen beschäftigt und kommt erst nach bemühtem Winken. Aber das einzige was uns daran wirklich störte war, dass man in der Zeit locker noch so ein leckeres kleines Waldhaus hätte trinken können. 

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Die Bewertung:

In der Kategorie Preis/Leistung gebe ich dem Süden 4 von 5 Punkten. Das Restaurant bietet eine tolle Auswahl an speziellen Speisen sehr guter Qualität. Einfachere Gerichte wie der Flammkuchen sind jedoch etwas zu teuer.

Für seine Atmosphäre bekommt das Lokal ebenfalls 4 von 5 Punkten. Die Räumlichkeiten mit ihrer Deko sind vielleicht nicht stringent durchkomponiert, haben aber ihren ganz eigenen Charme. Das Publikum und die Stimmung des Personals ist heiter, aber die Geräuschkulisse aufgrund der Akustik etwas störend.

Die Bedienung bewerte ich mit 4 von 5 Punkten. Unser Kellner und die Bedienung, die uns in Empfang nahm, waren sehr angenehm. Zur vollen Punktzahl fehlte jedoch in unserem Fall die volle Aufmerksamkeit bis zum Ende des Restaurantbesuchs.

Das Essen bekommt bei unserer Auswahl 5 von 5 Punkten. Die oben genannten Kritik-Punkte haben unseren Gesamteindruck nicht negativ beeinflusst. Die Auswahl beinhaltet traditionelle Gerichte sowie ausgefallene Kombinationen.

 

Insgesamt kann man für alle außerhalb der Vauban lebenden Freiburger nur zu einem Ausflug in den grünen Stadtteil raten. Gerade in den Wintermonaten, ist eine Reise in den Süden Balsam für die Seele – und in diesem Fall vor allem für den Bauch!

BewertungSüden

Süden – Restaurant und mehr

Alfred-Döblin-Platz 1

79100 Freiburg im Breisgau