4. März 2018

Wie es ist, seinen Partner zu teilen.

Im dritten und letzten Teil unserer Interviewreihe zur Polyamorie bekommen wir Antworten auf zwei sehr spannende Fragen: Wie ist es, seinen Partner zu teilen und was möchtest du den Menschen zum Thema Polyamorie mit auf den Weg geben?

Im ersten Teil unserer Interviewreihe haben wir die Geschichten der Interviewten kennengelernt, und im Anschluss gab es unter anderem Antworten auf die Frage, wann es bei den Interviewten „Klick“ gemacht hat.

Wie ist es für dich, deinen Partner zu teilen?

Sarah:
Ich lebe mit meinem Mann, das ist meine zweite Ehe, und meinen zwei Kindern zusammen und habe auch eine Begegnung – so nenne ich es – mit einem Mann, der alleine leben möchte und mit dem ich mich ab und an treffe. Es kommt auf den Menschen an, um den es geht. Wenn mein Mann sich mit einer anderen Frau trifft, wackelt der Boden ein bisschen, auf dem ich stehe. Ich bin aber nicht eifersüchtig in dem Sinne, es schafft in mir nur eine gewisse Unsicherheit. Bei dem anderen Mann wäre ich sehr eifersüchtig, glaube ich. Es kommt immer darauf an, welche Art Beziehung man zu dem Menschen führt.
Wichtig ist, dass man, wenn Eifersucht aufkommt, versucht zu spüren, wo sie herkommt. Meistens will man ihr nicht auf den Grund gehen, weil es unangenehm ist. Eifersucht kann aus ganz unterschiedlichen Gründen entstehen. Es ist hilfreich zu wissen, warum. Man sollte, statt nur zu sagen, dass man eifersüchtig ist, dieser lieber auf den Grund gehen und sich fragen, was das überhaupt genau für ein Gefühl ist. Wichtig ist dabei, immer mit seinem Partner darüber zu reden. Man merkt danach meistens, dass die Ängste unberechtigt waren.
Eifersucht ist irrational. Oft hat man Verlustängste und es ist schwierig aufgrund dieser Ängste rational zu handeln. Ein Gespräch mit deinem Partner kann dir diese Angst nehmen.
Aber die Monogamie ist da meiner Meinung nach eine größere Gefahr, weil man gleich weiß, wenn man jemanden toll findet, dass man sich trennen muss, um mit demjenigen etwas anfangen zu können. In meiner ersten Ehe war das gar keine Frage: Ich verliebte mich in einen weiteren Mann, also musste ich ausziehen.

Markus:
Ich bin nicht eifersüchtig. Ich war es nie und will es nie sein. Bei mir ist es wahrscheinlich deshalb so, weil ich selbst weiß, wie gut es mir tut, meine Liebe auf verschiedenste Weise ausleben zu können. Deswegen wünsche ich jeder Person, die mir nahe steht, diese Erfahrung zu machen. Ich freue mich immer, wenn eine nahestehende Person sich in eine andere verliebt und finde es spannend, andere Poly-Beziehungen zu beobachten. Es ist wichtig, sich mit seinen Partnern abzusprechen, wie viel Zeit man braucht und auch den Mut haben mal zu sagen “Ich brauch dich jetzt!” Es ist gesünder manchmal den Willen und den Egoismus zu haben, auch wenn man weiß, dass der Partner gerade etwas mit jemandem anderen macht.
Was auch wichtig ist beim Thema Eifersucht: Es ist hilfreich, den Meta kennenzulernen, also den Partner des Partners. Eifersucht kann aus vielen irrationalen Vorstellungen resultieren. Man malt sich vielleicht ein perfektes Bild von dem Menschen, der einem den Partner wegnimmt. Im Endeffekt ist es aber nur ein Mensch und jeder hat Schwächen und Stärken. Wenn man den Menschen kennengelernt hat, weiß man meistens auch, warum sein Partner sich in ihn verliebt hat. Der eigene Partner hat meistens einen bestimmten Typ von Mensch, mit dem er zurecht kommt. Er kommt mit dir zurecht, also kommst du bestimmt auch mit der anderen Person zurecht.
Wichtig ist es auch sich bewusst zu machen, dass man gerade eifersüchtig ist. Und dann sollte man sich fragen, ob man überhaupt eifersüchtig sein will. Viele behaupten, dass wenn der Partner nicht eifersüchtig ist, er dann einen nicht ausreichend liebt. Das ist eine Aussage, die ich für grandiosen Schwachsinn halte und außerdem toxisch für jede Beziehung. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.
Man sollte sich fragen, ob die Ängste irgendwie begründet sind. Was man denkt geht auch den Partner etwas an. Man kann warten und hoffen, dass die Angst vorbeigeht, oder man kann aktiv etwas dagegen tun. Im Nachhinein weiß man, dass man immer eine negative Reaktion auf Dinge hatte, für die es gar keinen Grund gab. Diese Erkenntnis sollte man sich dann für die nächste Situation merken.
Zu der Angst, verlassen zu werden: Jede Beziehung ist absolut einzigartig. Die Wahrscheinlichkeit, dass dein Partner dich verlässt, weil die andere Person besser ist, als du, ist sehr sehr gering. Wenn, dann findet man einen Menschen, der anders ist. Man wird nicht wegen eines anderen Menschen verlassen, sondern nur aufgrund der eigenen Beziehungsproblemen.

Natalie:
Ich kann von mir behaupten, dass ich in manchen Situationen eifersüchtig bin, manchmal sogar krankhaft. Das hat aber gar nichts mit dem jeweiligen Partner zu tun. Vielmehr kommt bei mir der Gedanke auf, dass ich das alles doch nicht verdient hätte und dass da früher oder später einfach irgendetwas negatives passieren muss. Ich kann die Eifersucht spüren, ich weiß, dass sie da ist, aber ich versuche nicht danach zu handeln, denn sie geht meist schnell vorbei. Ich teile meine Partner zurzeit nur auf One-Night-Ebene und das ist für mich wirklich gar kein Problem. Auf körperlicher Ebene bin ich sehr gelassen und sage: “Hab Spaß! Schick mir ein Video!” – kleiner Scherz. Wenn es emotional wird, weiß ich schon, dass ich an meinen Gedanken arbeiten muss. Ich habe manchmal Angst, dass mein Partner eine supertolle monogame Frau treffen wird und der Wunsch nach Monogamie doch zu verführerisch sein wird und er mich lieber verlassen würde. Falls es zu einer weiteren Beziehung von meinen Partnern käme, wäre es auch sehr wichtig, dass ich meinen Meta, also die neue Person, mag. Ich würde sie sofort kennenlernen wollen, am besten so früh wie möglich. Wenn sich meine Partner in jemand anderen verlieben, dann sind die Personen auch bestimmt sehr cool.

Chris:
Ich habe damit gar kein Problem, dass meine Partnerin noch jemand anderen hat. Ich bin da schon immer sehr stressfrei gewesen. Teilen klingt nach Besitz und Liebe hat meiner Meinung nach nichts mit Besitz zu tun. Teilen und Eifersucht gehen da schon durchaus Hand in Hand, denn ich dachte früher, als ich monogam gelebt habe, auch immer, dass es MEINE Freundin ist. Die gehört mir und niemand darf sie anfassen und damals war ich dann sehr eifersüchtig, was mir nicht gut getan hat. Je mehr ich verstanden habe, dass diese Person mir nicht gehört, sondern mir ihre Zeit schenkt und mit mir freiwillig ihre Zeit verbringen will, desto weniger war ich eifersüchtig. Was mich leider nicht davor geschützt hat, betrogen worden zu sein. Die Eifersucht war nicht mehr so krass, denn für mich war klar: Wenn meine Freundin mit einer anderen Person Sex haben möchte, dann kann ich eifersüchtig sein oder nicht – Sie will es trotzdem. Die Eifersucht geht nicht weg, nur weil ich mich die ganze Zeit scheiße fühle. Wenn ich eifersüchtig bin, obwohl sie nur mit mir Sex haben will, habe ich auch ein schlechtes Gefühl. Und wozu? Fremdgehen ist in einer polyamoren Beziehung sehr schwer, weil man immer offen kommuniziert. Wenn man darüber redet, ist es kein Fremdgehen, sondern eine Vereinbarung, mit der alle einverstanden sind. Wenn man nicht darüber redet, hat man den Sinn hinter einer ehrlichen Beziehung nicht verstanden. Aufgrund des offenen Gesprächs ist keine Eifersucht da und gerade weil keine Eifersucht da ist, find ich es auch schön, wenn meine Partnerin ihr Glück auch außerhalb unserer Beziehung findet. Eine Beziehung ist, egal wie sie gestaltet ist, immer etwas, dass das Leben besser machen soll. Ich bin im besten Fall zwar nicht davon abhängig, aber es ist etwas, was mein Leben schöner macht. Was will ich mehr: Personen, die ich liebe, haben ein tolles freies Leben, genauso wie ich? Perfekt.
Wenn ich merke, dass ich eifersüchtig werde, weil meine Freundin jemand anderen trifft, dann habe ich Angst, dass ich etwas verliere, was gar nicht mir gehört. Das Thema Eifersucht hat ganz stark mit unserer aktuellen Gesellschaft zu tun, in der Besitz fast über Allem steht. Man hat Angst, dass man weniger Wert ist, weil man nicht mehr der Einzige in der Beziehung ist. Wenn man mit sich selbst im Reinen ist und an dem Punkt angekommen ist, alleine leben zu können und sich selbst zu lieben, dann hat man auch keine Probleme mit Eifersucht.

Kathrin:
Ich kann mit Eifersucht mittlerweile besser umgehen als früher, aber ich bin immer noch sehr abhängig davon, ob ich die Person mag, die etwas mit meinem Partner macht. Ich möchte eine polyamore Beziehung als erweiterte Familie sehen und mir eine lebhafte Zukunft vorstellen können. Es würde mich stören, wenn ich die Partner meines Partners nicht mögen würde.
Ich glaube, dass Liebe unendlich ist, aber Zeit ist leider nicht unendlich. Wenn man in der Situation ist, dass man seinen Meta-Partner gerade kein gutes Verhältnis hat, kann es in diesem Punkt zu mehr Komplikationen kommen. Du und dein Meta haben einen wichtigen Termin oder beiden geht es mal schlecht und dein Partner ist dann nicht bei dir, sondern bei dem anderen. Oder du willst jetzt gerade mit deinem Partner in den Urlaub und der Meta auch, oder ihr beide habt gleichzeitig eine Abschlussfeier – Das können wirklich harte Momente sein, wenn du das Gefühl hast, dass dein Partner sich jetzt eben gerade nicht für dich entscheidet. Nicht gegen dich aber auch nicht für dich. Und in diesem Fall nicht für dich, aufgrund einer Person, zu der du gerade negativ stehst. Für mich war es ein hartes Stück Arbeit mit dieser Zeitteilung umgehen zu können, als es mit meinem Meta nicht klappte. Ich habe gelernt damit keine schlechte Energie zu verbreiten oder das gar mit Illoyalität zu vertauschen.

Jason:
Ich habe kein Problem damit, dass meine Partnerin mehrere Beziehungen führt, denn das sehe ich als natürlich an.
Eifersucht ist ein natürliches Gefühl, das nicht ohne Grund entsteht. Meistens sind es innere Gründe, mit denen man sich auseinandersetzen muss. Die Polyamorie ist ein Weg, der einen durch die Eifersucht und darüber hinaus führt. Es ist überraschend, wie tief diese Ängste stecken können. Die Beschäftigung mit der Eifersucht kann ein Weg sein, die inneren Gründe dieser Ängste zu heilen, was wirklich sehr gut ist.
Ich bin der Ansicht, dass Polyamorie nicht für jeden ist, denn bei manchen ist es allein wegen ihrer Wesensart besser, dass sie nur mit einem festen Partner leben. Ich hatte auch meine persönliche Auseinandersetzung mit der Eifersucht, aber ich bin ihr auf den Grund gegangen und spüre sie heute nicht mehr. Natürlich werde ich immer wieder mit Situationen konfrontiert, bei denen ich gerne hätte, dass meine Partnerin jetzt bei mir ist und nicht bei jemand anderem. Ich denke aber dann daran, was für eine schöne Zeit sie bestimmt haben werden und dann freue ich mich für sie und das ist auch das, was Liebe für mich ausmacht.

Jenny:
Ich finde es zu besitzergreifend und vorwurfsvoll zu sagen, dass man seinen Partner teilt. Ich teile meinen Partner nicht, denn ich teile meine Freunde ja auch nicht. Wieso soll es auf der Ebene von Liebe und Beziehung etwas anderes sein, als zwischen Freunden? Beim Thema Eifersucht, weiß ich noch nicht genau, inwieweit ich eifersüchtig bin oder nicht. Wenn mein Partner jemanden vor meinen Augen küssen würde, kann ich aktuell nicht sagen, wie ich reagieren würde, weil ich die Situation so noch nicht erlebt habe. Ich sage aber nicht sofort, dass ich eifersüchtig bin, nur weil ich eine Situation oder ein Gefühl noch nicht kenne. Man kann Eifersucht für sich nutzen und sich fragen, warum man jetzt gerade so fühlt.
Das Gefühl der Eifersucht ist für mich wie eine Weggabelung an: Entweder ich laufe in den Abgrund und fühle mich scheiße und eifersüchtig oder ich laufe in Richtung Glück und Wohlbefinden und setze mich mit mir selbst auseinander. Ich versuche mit mir im Reinen zu sein und rede über meine Probleme. Eifersucht ist ein unangenehmes Gefühl und bedeutet meistens, dass irgendein Bedürfnis von mir nicht erfüllt wurde. Es heißt aber nicht, dass die andere Person daran Schuld ist. Es liegt an mir selbst und ich muss mich mit mir selbst beschäftigen, auf meine Bedürfnisse achten und schauen, wie ich die Probleme mit diesem negativen Gefühl lösen kann.

Yasmine:
Ich wurde schon oft gefragt, wie ich das hinbekomme, meinen Partner zu teilen. Wenn ich ehrlich bin, konnte ich mit der Frage oft nichts anfangen und hatte keine Antwort darauf. Inzwischen würde ich sagen, dass es für mich kein Problem ist, denn er gehört mir nicht und er kann machen, was er möchte. Für mich ist es wichtig, dass man in einer Beziehung Absprachen und Ehrlichkeit an erster Stelle stehen hat, denn dann weiß man Bescheid und kann alles verarbeiten und abhaken. Ich bin eher eifersüchtig auf Zeit als auf Menschen. Wenn er zum Beispiel sehr viel Zeit und Arbeit in Dinge investiert, die ich nicht nachvollziehen kann, dann fühle ich mich eher hintergangen. Wenn ich doch mal auf eine Person eifersüchtig werde, dann hat das hauptsächlich mit schlechten Erfahrungen zu tun und ist ein Problem von mir. Meistens gibt es gar keinen Grund für diese Eifersucht. Ich suche nach dem Auslöser und sage meinem Partner auch, was ich fühle. Ich sage ihm, dass ich eifersüchtig bin, aber ich mich für ihn freue und ich mit der Situation zurecht komme. Es geht vor allem um Vertrauen in die Beziehung selbst und in meinen Partner, also warum sollte ich eifersüchtig sein? Ich habe nichts zu verlieren, wenn alles passt.

Foto-Credit: Mr.Chris

Was möchtest du den Menschen gerne auf den Weg geben?

Natalie:
Wenn man sich entscheidet, polyamor zu leben, entscheidet man sich auch für viele anstrengende Dinge, die das Leben schwerer machen.
Der erste anstrengende Part ist, dass die polyamore Beziehung meist erst von niemandem ernst genommen wird, es sei denn, man führt diese Beziehung schon sehr lange. Eine Beziehung mit doppelt so vielen Menschen ist in der Gesellschaft oft nur noch halb so viel wert. Ich muss mir oft von Leuten die mit mir sprechen anhören, dass sie einen Anspruch auf eine Beziehung oder gar auf etwas Körperliches mit mir hätten, weil ich als polyamorer Mensch ja sowieso jeden nehme. Eigentlich gibt es bei einer Beziehung mit mehr als einem Menschen einen Superlativ von vergeben sein. „Am vergebensten!“ Dass es nicht respektiert wird, dass man eine vollwertige Beziehung zu mehreren Menschen hat, finde ich sehr schade. Es ist schrecklich, dass jeder zu mir meint, egal aus welcher Situation er kommt, er hätte einen Anspruch auf mich.
Ein weiterer Grund, warum die polyamore Lebensweise anstrengend ist, sind die behördlichen Dinge im Leben. Es ist nicht einfach, einen Kredit für ein Haus zu bekommen oder alle Rechte für die eigenen Kinder zugestanden zu bekommen.
ABER: Die Vorteile der polyamoren Lebensweise überwiegen. Ich komme jeden Tag nach Hause, in ein Nest, das voll ist von Wärme und da sind zwei Menschen, die sich aufrichtig für mich interessieren und die meine ganzen psychischen Eigenheiten aushalten und dies sozusagen doppelt. Ich bekomme so viel Aufmerksamkeit, dass ich das Gefühl habe, ich hole meine Rückstände aus der Kindheit auf.
In einer Beziehung zu dritt hat man sechs Hände, die arbeiten und drei Köpfe die denken können. Zwei können immer den Dritten unterstützen. In so einer Beziehung, die ich aktuell führe, kann mir das Leben nichts mehr in den Weg legen, was ich nicht mehr schaffen könnte. Es gibt einem neue Lebensenergie, jeden Tag aufzustehen und wieder gegen den Strom zu schwimmen, auch sich für seine Lebensweise zu rechtfertigen. Ich habe große Lust daran, den Leuten meine Lebensweise und die Polyamorie  zu erklären. Ich liebe diesen Ausdruck in den Gesichtern: “Da ist ja noch viel mehr hinter dem Horizont, als ich dachte”. Und deswegen lohnt es sich, alle negativen Seiten auf sich zu nehmen. Man bekommt dafür ein intensives und wohliges Gefühl im Leben. Es ist unbeschreiblich.
Partnerschaften sind eine der wenigen Bereiche im Leben, die man selbst bestimmen kann. Es ist wichtig Dinge auszuprobieren. Man kann der Schöpfer seiner Beziehungen sein. Die Liebe gehört einem selbst, deshalb sollte man sich keine Freiheiten nehmen lassen.

Markus:
Eine Beziehung zu einer Person ist anstrengend und jede Beziehung erfordert Arbeit. Mehrere Beziehungen brauchen daher noch mehr Arbeit. Und wenn man auf die Idee kommt, auf zwei, drei oder vier Beziehungen hinausgehen zu wollen, kann man sich auch unendlich viel Arbeit auflasten. Es ist aber eine Sache, die sich lohnt. Alles ausleben zu können, wie man will und zu wissen, dass es keine Grenzen gibt, die man sich setzen muss, ist wunderschön. Ich muss mich nicht an gesellschaftliche Normen halten. Ich sollte Gesetze einhalten, aber den Rest kann ich selbst bestimmen und ich muss nur machen, was mir selbst wichtig ist. Das ist ein Gedanke, den ich jedem wünsche – Egal ob er polyamor lebt oder nicht. Denkt darüber nach, welche Grenzen ihr euch in eurem Leben selbst aufstellen wollt. Die Grenze, nur eine Person zu lieben, ist bei Polyamorie nicht gegeben. Man setzt sich seine Grenzen nur selbst durch eigene Regel. Seid offen für neue Ideen. Ihr könnt am Ende der Idee immer noch sagen, dass es eine bescheuerte Idee war.
Man sollte mit Menschen auch über das Thema Liebe und Beziehungen reden. Auch wenn euch Polyamorie nur ein bisschen interessiert – kommt zum Stammtisch. Der Sinn des Stammtisches ist der Austausch zwischen Menschen über das Thema Liebe und Polyamorie. Natürlich kann man auch in der Facebook-Gruppe Fragen stellen.
Man wird bei polyamoren Beziehungen auch immer wieder auf die Fresse fliegen, aber das ist in Ordnung und normal, denn das passiert in jedem Lebensbereich und auch bei monogamen Beziehungen. Man sollte daraus lernen und sich weiterentwickeln.

Sarah:
Hinterfrage alles. Frage dich selbst, was dich glücklich macht und lebe es. Es ist wichtig, immer zu sich selbst zurückzufinden und sich um sich selbst zu kümmern. Man sollte die Verantwortung für sein Wohlbefinden immer bei sich selbst suchen. Daher sollte man auch immer seinem Partner die Chance geben, alles selbst zu entscheiden.

Chris:
Polyamorie bedeutet nicht gleich Gruppensex! Tut mir leid, dass ich das jetzt so sage, aber viele denken, nur weil man poly ist, kann man sich durch die Weltgeschichte vögeln. Poly kann bedeuten, dass ich mit mehreren Menschen schlafe, von mir aus auch zeitgleich, aber das ist nicht der Sinn der Polyamorie. Es geht um die Liebe zu mehreren Menschen und nicht darum, dass man immer mit jedem so viel Sex haben kann wie man will.

Kathrin:
Ich würde raten Polyamorie auszuprobieren. Mit Offenheit und Reflexion. Und Demut und Spaß.

Jason:
Der Weg des Lebens ist nie geradlinig und es gibt sehr viele Wege. Jeder Weg für sich ist in Ordnung und bietet  Möglichkeiten. Jeder sollte den Weg wählen, der für ihn gut ist und jeder sollte so leben können, wie es für ihn förderlich und angenehm ist.

Jenny:
Gehe ehrlicher und offener mit deinen nahestehenden Personen um und mach dir nicht nur Gedanken um andere, sondern um dich selbst. Stell dir immer diese Fragen: Wie geht es mir? Wie fühle ich mich mit der Situation? Was kann ich machen, damit ich mich gut fühle? Beschäftige dich mit dir selbst.

Yasmine:
Schäme dich nicht für das, was du empfindest, denn du bist nie alleine mit deinen Gedanken. Selbst wenn die Menschen in deinem Umfeld anders denken und du dich vielleicht mit dem Thema alleine fühlst. Du bist nicht allein. Schaue auch im Internet oder beim Stammtisch hier in Freiburg vorbei. Gehe raus und lerne Leute kennen.

Wie ist es also seinen Partner zu teilen? Die Interviewten sehen es nicht als „Teilen“ an, da teilen etwas mit Besitz zu tun hat – was wiederum nicht mit Liebe zusammenhängt. 

Es ist soweit: Wir sind am Ende unserer Interviewreihe angelangt. Wir empfehlen euch wärmstens die ersten beiden Teile!

Wir bedanken uns nochmal für diese enorme Offenheit und würden gerne noch einmal auf den Stammtisch Freiburg auf Facebook aufmerksam machen. Einmal im Monat treffen sich hier Menschen, die sich über Polyamorie und andere wichtige Inhalte der Liebe austauschen wollen. Schaut doch mal vorbei, wenn ihr Interesse habt, denn jedes Gespräch ist wertvoll und erweitert den Horizont.