26. November 2017

Liebe doch so viel(e) wie du willst!

Wusstet ihr, dass es Menschen mit mehr als einem Partner gibt? Es gibt sogar ein Wort dafür: Polyamorie. Ihr wisst nicht, was Polyamorie bedeutet? Ihr fragt euch, wie manche ihren Partner teilen können und wieso sie das überhaupt tun?
Wir haben uns mit acht Freiburgern unterhalten, die sich als polyamor bezeichnen. In unserem Polyamorie-Dreiteiler geben wir euch die Möglichkeit, in die Köpfe der Menschen zu schauen, sie zu verstehen und auf eure Fragen eine Antwort zu finden.

Polyamorie hat viele Definitionen – es ist ein Kunstwort aus dem griechischen Wort polý, was „viel, mehrere“ bedeutet und aus dem lateinisch Wort amor („Liebe“). In der Polyamorie geht es um offene und ehrliche Kommunikation und um die Möglichkeit, so viele Beziehungen zu haben, wie man möchte. Alles findet unter dem Einverständnis der Beteiligten statt. Polyamorie grenzt sich deutlich von der freien Liebe und der offenen Beziehung ab, da es um ernsthafte romantische Liebesbeziehungen geht und nicht nur um körperliche.

Das ist ja alles schön und gut – aber wie lebt man das? Wie kommt man dazu? Und gibt es wirklich jemanden, der ein solches Leben führt?

Ja! Und um euch eine Vielfalt an Antworten und Einsichten zu gewähren, haben wir acht Personen aus Freiburg interviewt. Wir haben über Facebook mit der Gruppe „Polyamorie Freiburg“ Kontakt aufgenommen und in die Runde gefragt, ob sich jemand bereiterklärt, ein Interview durchzuführen. Viele zeigten sich von der Idee, bei unserem Projekt zu Polyamorie mitzuwirken, als sehr angetan, deshalb haben wir auch Teilnehmer der etwas jüngeren und älteren Altersklasse und aus unterschiedlichen Berufsgruppen dabei. Im ersten Teil der Serie fragen wir die Interviewten, wie sie momentan leben und wie sie für sich Polyamorie definieren. In den nächsten Teilen werden wir unter anderem die Fragen stellen, wie ihre Mitmenschen auf Polyamorie reagieren und wie sie es schaffen, ihren Partner zu teilen.

Das Titelbild der Facebook Gruppe „Polyamorie Freiburg“ – Foto-Credit: Polyamorie Freiburg

Das Interview:

Was ist deine Situation? Wie lebst du momentan?

Sarah, 50, Gärtnerin:

Ich bin in meiner zweiten Ehe, habe zwei Kinder, die zehn und zwölf Jahre alt sind und lebe mit ihnen in einer Familie zusammen. Und ich habe auch eine Begegnung – so nenne ich es – mit einem Mann, der alleine leben möchte und mit dem ich mich ab und an treffe. Ihn zu kennen ist ein großer Glücksfall für mich, so wie alles in meinem Leben momentan.
Ich habe auch einen wundervollen Ehemann, mit dem ich zusammen lebe und mit dem ich beschlossen habe, dass wir eine polyamore Beziehung führen. Die letzten zwei Jahre gab es enorme emotionale Arbeit in unserer Beziehung, denn wir haben viel nachgedacht und jeder hat sich mit seinem Schmerz und seinem Glück beschäftigt. Momentan habe ich aber das Gefühl, dass alles seinen Platz gefunden hat. Wir reden gut miteinander, tauschen uns aus und haben Interessen, die zusammen passen.
Meine Erfahrung ist, dass es förderlich ist, sein Leben nicht in Kästen zu stecken, denn das kann starr und leblos machen. Außerhalb der Kästen zu leben hat zwar den Aspekt, dass sich manches bald wieder verändern kann, was mitunter unbequem ist. Auf der anderen Seite hält es das Leben wach, lebendig und erfüllt.
Bevor ich mit meiner Begegnung die ersten Dates hatte, habe ich meinen Mann immer explizit gefragt, ob es in Ordnung ist. Die beiden Männer haben sich dann auch kennengelernt und nach einem Jahr habe ich gemerkt, dass ich es nicht vor meinen Kindern geheim halten wollte. Ich will mit ihnen alles teilen und habe mich damit beschäftigt herauszufinden, wie ich es ihnen sagen kann, dass ich polyamor lebe. Ich habe mich mit anderen polyamoren Menschen bei einem Stammtisch unterhalten und dadurch Ideen gesammelt. Als ich mit meinen Kindern alleine zu Hause war, habe ihnen gesagt, dass ich einen anderen Mann kenne, der mir wichtig ist. Er ist mir so wichtig, dass ich dort ab und zu auch übernachte. Vor allem mein 12-jähriger Sohn fragte sofort, ob ich den Papa nicht mehr lieb habe. Ich wollte meine Kinder damit auf keinen Fall verunsichern. Ich habe ihnen sofort und mehrmals gesagt, dass das überhaupt nichts mit Papa zu tun hat.
Mittlerweile  ist es ganz normal für sie, dass Mama oder Papa ab und zu nachts woanders sind. Wir sind alle glücklich und haben ein lebendiges und erfülltes Leben. Meine Kinder sollen wissen, dass sie mich alles fragen können und nie das Gefühl haben, etwas nicht ansprechen zu dürfen.

Markus, 26, Student:
Ich habe aktuell eine “Beziehung”, die sehr intensiv ist und den Großteil meiner Aufmerksamkeit bekommt. Diese Beziehung habe ich jetzt schon circa eineinhalb Jahre und ist die Beziehung, die dafür gesorgt hat, dass ich den Freiheitsgedanken von der Theorie in die Praxis umgesetzt habe. Wir sind beide Personen, die sich von ihrem Partner nicht einschränken lassen wollen, aber ihren Partner über alles informieren. Weiterhin gibt es mehrere Personen, zu denen ich unterschiedlich intensive Beziehungen habe. Die Beziehungen sind alle in einem Entwicklungsstadium, bei dem ich noch nicht genau abschätzen kann, wo es hinführt. Aber ich bin mir sicher, dass sich diese Beziehungen alle weiterentwickeln und verändern werden, allein durch unsere kommenden Lebensumstände. Ich bin sehr zufrieden und es ist wirklich sehr schön, so wie es ist. Auf der anderen Seite finde ich es immer allgemein schön, neue Menschen kennen zu lernen. Dabei geht es mir nicht primär um Beziehungen oder sexuelles, sondern um die Personen selbst, da sie alle einzigartig und spannend sind. Das hat ein bisschen den Nachteil, dass man tolle Leute kennen lernt, in die man sich verlieben kann. Weswegen ich auch in letzter Zeit den Gedanken habe, mit wie vielen Personen ich eigentlich in einer intensiven Beziehung sein kann. Wie viel Kapazitäten haben meine Zeit, meine Emotionen und mein Kopf? Ich habe noch keine Antwort darauf und vielleicht finde ich eine Grenze, oder es gibt gar keine. Mein Thema für die Zukunft wird auch sein: Wie kombiniere ich meine Wohn- und Lebenssituation? Wird es eine Wohngemeinschaft geben, mit verschiedensten Leuten, die zusammen sind? Ich habe leider NOCH keine Idee, wie man das alles sinnvoll umsetzen kann.

Natalie, 21, Designerin und Schriftstellerin:
Ich lebe mit zwei Männern zusammen, zu welchen ich jeweils eine romantische Beziehung habe. Die beiden fühlen sich aber nicht romantisch zueinander hingezogen. Ich lebe im Prinzip in einem eheähnlichen Dreieck, bei dem jeder zu jedem eine Partnerschaft hat, nur ist es zwischen den Männern nicht erotisch. Für Frauen wie mich gibt es in der Polyamorie-Community einen meiner Meinung nach eher peinlichen Begriff: “Prinzessin”.
Wir sind vor einiger Zeit zusammengezogen, leben gemeinsam und es funktioniert wirklich super. Wir sind relativ offen für weitere Beziehungen, aber nicht auf der Suche nach einer neuen Partnerschaft. Wir sind vorsichtig und haben auch nicht unendlich viel Zeit und Energie um uns auf etwas Neues einzulassen. Einer meiner Partner hat letztens gesagt, dass er alles hat was er will und daran nichts ändern möchte. Auch wenn es noch weit in der Zukunft ist, denken wir auch schon an Themen wie Nachwuchs. Unsere momentane Herausforderung sind die Familien und Eltern von uns, denn wir haben insgesamt ungefähr zehn Eltern und Stiefeltern, und da sind die Meinungen natürlich sehr gemischt.

In Freiburg gibt es einen Stammtisch, bei dem auch Neulinge sehr willkommen sind! Ganz unten gibt es den Link zu der Facebook-Gruppe!

Christian, 30, Systemadministrator:
Ich lebe momentan nur gedanklich polyamor, da ich zurzeit “nur” eine Freundin habe. Aber nicht, weil ich dazu gezwungen bin, sondern weil es mit meiner Ex-Partnerin nicht mehr gepasst hat. Für mich ist Polyamorie sehr relevant, weil ich gemerkt habe, dass es einfach passt. Ich habe schon mehrere Beziehungsmodelle durchprobiert. Unter anderem hatte ich monogame und offene Beziehungen, aber bei der Polyamorie ist es das erste Mal, dass es sich richtig anfühlt. Ich kann meine Beziehung so führen, wie ich mich fühle, ohne dass ich das Gefühl habe, irgendjemanden zu verletzen oder weh zu tun, weil ich ihn übergehe. Deshalb ist für mich Polyamorie definitiv der richtige Weg.

Jennifer, 26, Chemielaborantin
Aktuell lebe ich in einer zweier-Beziehung mit einem Mann, und habe eine große Tendenz zur Polyamorie, weil ich die Monogamie nur zu gut kenne. Ich sehe es seitens meiner Familie, dass das Konzept der Monogamie nie richtig funktionieren kann.
In der Familie oder in einer Beziehung wird oft irgendjemand von einer anderen Person auf irgendeine Weise verletzt. Dabei sind dann die Angehörigen und Kinder die Leidtragenden und das möchte ich nicht. Wieso soll man sich in der Liebe einengen und in Ketten legen, wenn man miteinander in Harmonie leben kann? Ich habe das Gefühl, dass man in der Polyamorie sein kann, wer und wie man ist. Es ist nicht schlimm, wenn man eine außenstehende Person anziehend findet. Es gibt die unterschiedlichsten Arten von Liebe und Bindungen, die man akzeptieren sollte. Ich finde es von der Idee her einfach passend, sich selbst einzugestehen, dass man mehrere Personen gleichzeitig lieben kann.

Jason, 23, Schamanischer Geistheiler und Lebensberater:
Für mich bedeutet Polyamorie die Trennung von Liebe und Besitz. Jemanden zu lieben heißt nicht, dass man jemanden besitzt, denn Liebe hat sehr wenig mit Besitz zu tun. Einen Großteil meines Lebens bin ich davon ausgegangen, dass ich irgendwann eine Freundin für immer haben möchte, so wie es viele Menschen wollen. Als meine Freundin Yasmine damit angefangen hat, das Thema Polyamorie in mein Leben zu bringen, dachte ich, dass ich damit leben kann. Ich habe mir aber immer vorgestellt, dass ich weiterhin monogam leben will, weil ich nicht mehr brauche als eine Freundin. Im Prinzip stimmt das auch, aber dann habe ich noch jemanden kennengelernt. Sie ist ein faszinierendes weibliches Wesen, und sie hat nochmal irgendetwas in mir geöffnet. Jetzt lebe ich Polyamorie nicht mehr passiv, also dass ich meine Freundin darin nicht nur unterstütze, sondern bei mir öffnen sich auch sehr viele Möglichkeiten. Das bedeutet für mich, dass ich nicht gebunden bin, in der Art, wie ich meine Beziehungen klassifiziere, trenne und kategorisiere und in feste Rahmen packe. Ich kann jede Beziehung so angehen, wie es sich gut und natürlich anfühlt, egal wo es hin führt und egal wie das ausgedrückt werden will.

Yasmine, 20, Auszubildende Kinderpflegerin:
Wie mein Freund Jason schon erwähnt hat, bin ich diejenige, die Polyamorie in unsere Beziehung eingebracht hat. Ich habe auch mit der monogamen Lebensweise vor einigen Jahren angefangen. Ich weiß aber schon sehr lange, dass ich mehr als eine Person gleichzeitig lieben kann. Davon war ich aber zuerst irritiert, denn als 15-Jährige hat man nicht sofort auf dem Schirm, dass es Menschen gibt, die das tatsächlich leben, und dass das in Ordnung ist. Irgendwann habe ich mit meinem damaligen Freund eine offene Beziehung angefangen. Es war für mich gewöhnungsbedürftig, aber es hat sich auch gut angefühlt. Es gab allerdings ein paar Unstimmigkeiten wegen fehlenden Absprachen.
Danach hatte ich einen Partner, mit dem ich komplett monogam gelebt habe. Die Grundvoraussetzung für diese Beziehung war Monogamie und das hat mich sehr unglücklich gemacht. Einerseits habe ich mich sehr eingeengt gefühlt und andererseits wollte ich als bisexuelle Person auch meine Gefühle ausleben und das ist in einer monogamen Beziehung zu einem Mann sehr schwierig.Dann habe ich Polyamorie gegoogelt, da ich den Begriff vorher mal irgendwo gelesen habe und wusste, dass ich mit meinen Empfindungen das Rad nicht neu erfunden habe. Ich habe gelesen, dass es vor allem um gegenseitige Absprache geht und mir hat sofort gefallen, was ich gelesen habe. Als ich später mit Jason zusammen gekommen bin, habe ich mit ihm von Anfang an besprochen, ob es für ihn in Ordnung wäre, wenn wir eine polyamore Beziehung führen. Momentan bin ich zwar nur mit ihm zusammen, weil sich nichts anderes ergeben hat, aber sollte sich etwas ergeben, kann ich frei und offen sein.

Kathrin, 23, Jurastudentin
Nach einer großen Poly-Erfahrung lebe ich die Polyamorie momentan völlig inaktiv. Mein Partner und ich sind momentan zu zweit, weil wir uns von unseren anderen Partnern aus verschiedenen Gründen getrennt haben. Wir haben uns jetzt vorgenommen, ungefähr ein Jahr lang zu zweit zu bleiben, um uns selbst und den anderen richtig kennen zu lernen. Wir wissen aber aus Erfahrung, dass die Pause auch kürzer oder länger als ein Jahr sein kann. Es kann nämlich immer sein, dass sich jemand in eine andere Person verliebt und wir schließen Polyamorie auf keinen Fall aus. Auch in der Zukunft haben wir viele schöne Bilder zu Polyamorie im Kopf. Wir würden uns einfach gerne überraschen lassen.

Man sagt ja oft: Liebe kann man nicht definieren!

Wie definierst du Polyamorie?

Jeder Mensch hat seine eigenen Vorstellungen und Ansätze zu Liebe und Beziehung. So ist das auch bei der Polyamorie. Jeder der Befragten hat seine Definition preisgegeben – mal kürzer, mal länger.

Sarah:
Für mich bedeutet Polyamorie, dass jede Art von Beziehung in Ordnung ist. Jeder kann selbst entscheiden, was für eine Art von Beziehung, im Zusammenhang mit allen Beteiligten, die es betrifft, stimmig ist. Jemand der polyamor ist, kann auch sozusagen monogam leben, wenn es momentan nur einen gibt, der gerade zu einem passt. Für mich bezieht sich Polyamorie auf mein ganzes Leben. Für mich ist es eine Lebenshaltung. Man fragt sich, welche Art für einen selbst stimmig ist im Leben und in der Liebe.

Markus:
Bei Polyamorie geht es um den Willen und die Bereitschaft, mehrere Personen gleichzeitig und aktiv zu Lieben. Alles geschieht im Wissen und Einverständnis aller Beteiligten. Es geht hierbei nicht um heimliche Affären, sondern darum, dass alle Personen die man liebt, ausreichend davon wissen. Die Beteiligten akzeptieren Polyamorie und im Idealfall fördern sie es und leben selbst polyamor.

Natalie:

Für mich ist Polyamorie die Sehnsucht und das Bestreben danach, in einer Gruppe zu leben oder als Gruppe zu funktionieren, bzw. eine Familie zu gründen, indem man Erwachsene hinzuzieht und nicht nur Kinder bekommt. Polyamorie ist die Bereitschaft, die Werte, die wir von unseren Eltern und der Gesellschaft gelernt haben, auf den Scheiterhaufen zu werfen und den mutigen Schritt zu machen, unsere eigenen Werte zu erfinden. Polyamorie ist die Fähigkeit, Liebe gemeinschaftlich zu erleben und Exklusivität ausschließen. Die Exklusivität ist meiner Meinung nach auch eher ein unnatürlicher Zustand ist.

Chris:
Polyamorie ist für mich, ganz einfach gesagt, “multiple offene Monogamie”. Es bedeutet, dass ich mit so vielen Menschen zusammen sein kann, wie ich möchte. Ich muss nicht verklemmt sein und darf hübsche Menschen anschauen, ohne dass meine Partnerin eifersüchtig wird, da ich mit ihr über alles rede. Ich darf fremden Menschen ganz offen sagen: “Ich finde dich attraktiv”, ohne, dass ich mir Gedanken machen muss. Ich habe in einer Polybeziehung einfach eine offene Begebenheit.
Gleichzeitig ist “multiple Monogamie” auch wieder falsch. Ich muss immer auf alle Beteiligten achten, wenn eine Person hinzukommt. Bei einer Beziehung zu zweit muss ich nur auf den einen Partner achten. Mein Ziel ist es dann, dass sich meine Partner kennen lernen und verstehen. Es ist nämlich auch eine wundervolle Möglichkeit, seine eigene Familie zu gründen. Ich kann die Menschen, die um mich herum sind, aussuchen, wie ich will. Wichtig ist aber auch, dass man immer die Regeln vorher einvernehmlich definiert hat. Wenn eine neue Person hinzukommt, muss diese die schon gegebenen Regeln beachten. Man kann die Regeln anschließend gemeinsam neu definieren. Polyamorie ist für mich die Möglichkeit, alles so aufbauen zu können, dass ich mich wohlfühle.

Jason:
Polyamorie hat für mich drei Grundsätze:

  1. Liebe und Besitz haben nichts miteinander zu tun und sind völlig unabhängig voneinander. Liebe gibt zwar Bindung, Nähe und Sicherheit, aber das wird oft mit Besitz verwechselt. Daher bedeutet für mich Polyamorie, dass Menschen einem nicht gehören können. Man kann sich gegenseitig nicht besitzen.
  2. Eine tiefe Liebe zu einer Person schließt tiefe Liebe zu einer anderen Person nicht aus. Viele Menschen denken, dass wenn man eine Person richtig liebt, man keine andere Person richtig lieben kann, weil da nur eine Person im Herzen Platz hat. Meiner Meinung nach stimmt das einfach nicht. Gefühlstiefe hat eine unbegrenzte Kapazität. Das einzige, das sie begrenzt, ist die Eigenheit der Person selbst.
  3. Jede Beziehung darf so gelebt werden, wie sie natürlich ist. Man hat zu jedem Menschen eine Beziehung und jede ist einzigartig. Keine Beziehung begrenzt eine andere. Keine Beziehung ist in einer gedanklichen Box, die man nicht mehr öffnen kann. Jede Beziehung darf so ausgedrückt und gelebt werden, wie sie ist.

Yasmine:
Polyamorie bedeutet für mich, die Freiheit zu haben, meine Gefühle zu ergründen und auszuleben. Wenn ich eine weitere Person kennen lerne, kann ich in Ruhe meine Gefühle erforschen, ohne Angst zu haben, dass mich mein Partner verlässt, wenn ich ihm davon erzähle. Für mich ist es daher wichtig, offen zu sein. Wenn ich diese neue Person kennen lernen will, dann erzähle ich davon und höre auch auf die Gefühle meines Partners. Keiner soll zu kurz kommen, sich ausgeschlossen oder vernachlässigt fühlen.

Jenny:
Polyamorie bedeutet für mich, mehrere Personen gleichzeitig lieben zu können und lieben zu dürfen und zusammen eine Gemeinschaft bilden zu können.
Polyamorie ist eigentlich überall zu sehen, zum Beispiel, wenn man mehrere Kinder hat oder eine Frau und ein Kind, auch wenn diese Liebe auf einer anderen Ebene ist. Du liebst auch deine Geschwister und hast eine Bindung zu ihnen, aber kannst trotzdem deine Freunde lieben und mit denen etwas unternehmen.

Kathrin:
Polyamorie ist Entscheidungsfreiheit.
Das passt auch in meiner Situation gerade sehr gut. Wir haben einfach momentan eine Entscheidung getroffen. Nur weil ich momentan “nur” einen Partner habe, heißt das nicht, dass ich mich nicht als polyamor definiere.

Ihr seht, das Thema ist sehr umfangreich!
Deshalb haben wir für euch zwei weitere Berichte geschrieben, die durch die Interviews noch tiefer in das Thema einblicken lassen. Wir bedanken uns jetzt schon für diese unglaubliche Offenheit und würden gerne auch auf den Stammtisch Freiburg auf Facebook aufmerksam machen. Einmal im Monat treffen sich Menschen, die sich über Polyamorie und andere wichtige Inhalte der Liebe austauschen wollen. Schaut dort doch mal vorbei, wenn ihr Interesse habt, denn jedes Gespräch ist wertvoll und erweitert den Horizont.