22. Januar 2018

Lernen im Ausnahmezustand: Die Albert-Schweitzer Schule II im Blitzinterview

Anfang Januar zerstörte eine in Brand gesteckte Mülltonne Teile der Werkrealschule in Landwasser. Durch den Rauch ist nun ein Großteil des Gebäudes unbenutzbar. Die Schüler müssen in andere Gebäude auf dem Campus ausweichen. Abseits der Fakten des Falles wollte StadtBESTEN wissen, wie nun der Schulalltag und das Lernen im Allgemeinen abläuft. Wir haben drei Schüler der 10. Klasse und die Konrektorin Eva Röhrich interviewt.

StadtBESTEN: Ob und wie beeinflusst der Brand euren Schulalltag?

Schüler 1: Das Ganztagszentrum (das Gebäude, in dem die 10. Klasse untergebracht ist, Anm. der Redaktion) ist nun immer relativ voll und außerdem kann man die Toilettentüren nicht mehr auflassen. Man muss immer abschließen, da die Schulleitung das so will.

Schüler 2: Wenn man jetzt in das Gebäude SII reingehen will, um im Lehrerzimmer etwas nachzufragen oder im Stundenplan nachzugucken, ob etwas ausfällt, kann man das jetzt nicht mehr machen, weil alles abgesperrt ist und man eine Sondergenehmigung braucht von der Konrektorin oder dem Rektor und das ist nervig, denn man muss immer die Lehrerin fragen, ob sie das machen kann und dann muss sie immer nebenher laufen.

Schüler 3: Eigentlich ist schon alles gesagt. Vielleicht noch: Es stinkt und es nervt und kann ja auch gefährlich sein.

Wie kommt man auf die Idee die Schule anzubrennen? So ein dummer Gedanke.

StadtBESTEN: Was waren eure ersten Gedanken, als ihr das mit dem Brand erfahren habt?

Schüler 3: Jeder von der Schule hatte natürlich erstmal keinen Bock auf Unterricht.

Schüler 2: Ich dachte mir erstmal: Wie kommt man auf die Idee, die Schule anzubrennen? So ein dummer Gedanke, ist ja auch unnötig und hat großen Schaden hinterlassen! Jetzt können die meisten keinen richtigen Unterricht mehr machen. Und wenn der Täter geschnappt wird, muss er sehr viel Geld zahlen und wenn er noch keine 14 ist, müssen seine Eltern das zahlen, weil dann wäre er noch nicht strafbar. Es ist einfach blöd gewesen von denjenigen die das waren, bzw von der einzelnen Person.

Schüler 1: Ich frage mich auch, warum man so etwas macht, es ist unnötig. Wofür? Ich meine, Schule ist jetzt nicht das Beste aber man braucht es später im Leben und es ist wichtig. Warum versucht man dann, eine Schule anzuzünden? Wenn man keinen Bock hat auf Schule, dann soll man einfach nicht in die Schule gehen und fertig. Aber dann nicht noch andere Schüler daran hindern, dass die auch nicht in die Schule gehen können.

StadtBESTEN: Wie wird das für euch weitergehen in den nächsten Wochen? Wird sich etwas verändern?

Schüler 1: Das Gebäude des Ganztagszentrum bleibt voll. Voller Kinder, die ab und zu in die Scheibe reinschauen und gucken, wie der Unterricht ist und laut sind. Das irritiert manchmal, aber man kann damit leben.

Schüler 2: Weil wir in der 10. Klasse sind, brauchen wir oft den PC-Raum, was dann meist nicht geht, weil da die 9.-Klässler drin sind. Die haben ja nun keinen Klassenraum mehr und müssen auch auf die Prüfung vorbereitet werden. Klar brauchen die einen separaten Raum für sich und dann ist eben meistens der PC-Raum belegt und wir können damit nicht arbeiten. Wenn wir jetzt beispielsweise in Ethik eine Präsentation machen müssen und manche recherchieren wollen, können sie das jetzt leider nicht mehr machen, bzw. nicht mehr so oft.

Schule ist jetzt nicht das Beste aber man braucht es später im Leben und es ist wichtig.

Schüler 3: Was ich wirklich blöd finde, ist, dass, die Instrumente einen Schaden bekommen haben, also kaputt gegangen sind. Die Schule muss nun neue Ware kaufen und das wird teuer sein.

StadtBESTEN: Ihr steht kurz vor den Prüfungen. Wird die momentane Situation einen Einfluss haben darauf, denkt ihr, dass dies alles ein bisschen bremst?

Schüler 3: Ich denke nicht, weil unser Gebäude davon ja nicht betroffen ist. Jüngere Schüler gucken schon ab und zu mal rein ins Klassenzimmer, dann sagt man ihnen sie sollen weg, denn wenn der Lehrer gerade etwas sagt und man es dann nicht hört, weil die so laut sind, z.B. speziell in Mathe, dann ist das störend.

Schüler 2: Ich finde, das kann schon sein, dass unsere Prüfungen da ein bisschen gebremst werden, denn man weiß ja nie, was jetzt noch neues dazu kommt. Vielleicht gibt es die nächsten Wochen mehrere Konferenzen bei den Lehrern und dann haben wir öfters freie Stunden und verpassen somit den Unterricht.

Schüler 1: Ich denke, es ist alles gesagt.

Der Zusammenhalt aller Schulen des Campus ermöglicht den Schulalltag.

StadtBESTEN:  Aber die Umsiedlung an andere Schulen betrifft euch nicht? Es gab ja die Überlegung, Schüler zeitweise in anderen Schulen unterzubringen und zu unterrichten?

Konrektorin: Wenn ich mich kurz einschalten darf,  es ist so, dass wir alle Klassen auf dem Campus belassen haben, die ASS III und die ASS I unterstützen uns und verzichten zum Teil auf Räume, sodass wir in die Klassenräume gehen konnten. Alle Schüler sind somit auf dem Campus verteilt. Die 10. Klasse hatte schon immer ihr Klassenzimmer im Ganztageszentrum, diese Klasse wurde also nicht ausgelagert. Sie müssen ihren Platz jetzt aber mit vielen anderen Gruppen teilen, die hier jetzt auch untergebracht sind. Zusätzlich haben wir gerade Projektprüfung, sodass die 9.-Klässler eigentlich mehrere Räume benötigen und nun alle sehr eng zusammengerückt sind. Momentan sind wir alle hier auf dem Campusgelände untergebracht. Wir gehen von mindestens acht Wochen aus, in denen die Schule noch in diesem Bauzustand verbleiben wird.

Es spricht für uns als Schule und unsere Schülerschaft, dass wir in so einer Krisensituation sehr gut zusammenhalten.

StadtBESTEN: Zum Schluss: Würdet ihr sagen, der Brand hat den Schulalltag am Ende doch irgendwie positiv beeinflusst?

Schüler 3: Positiv eher weniger. Ein Brand ist nicht positiv.

Schüler 2: Doch eigentlich schon! Nicht der Brand an sich ist positiv, aber dass wir zum Teil meistens früher aus haben (Lachen).

Schüler 3: Das ist ja dann auch wieder ein Nachteil wegen den Prüfungen.

Konrektorin: Darf ich dazu was sagen? Ich finde schon, dass wir dem auch positive Aspekte abgewinnen können. Natürlich, der Campus-Gedanke war bei uns immer da und die Schulleitungen haben immer schon miteinander gearbeitet, aber der Zusammenhalt ist schon sehr stark, das haben wir jetzt gesehen. Wir werden sehr unterstützt und helfen uns gegenseitig und auch die Kollegen arbeiten wirklich sehr gut mit und halten zusammen. Momentan würde ich auch sagen, die Schüler haben sich in der schwierigen Situation bisher wirklich gut gehalten. Viele sind sehr verständnisvoll und es läuft insgesamt doch sehr ruhig ab. Das „Handling“ der Situation funktioniert bei allen Beteiligten gut und ich finde das spricht für uns als Schule und unsere Schülerschaft, dass wir in so einer Krisensituation sehr gut zusammenhalten.

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Vielen Dank an die drei Schüler und die Konrektorin für das ehrliche und entspannte Gespräch! Wir wünschen euch alles Gute für die Zukunft und den Schülern viel Erfolg bei ihren anstehenden Prüfungen.