8. April 2020

Kein Abiball, keine Reisen – Abiturienten in Zeiten von Corona

Romina (19) besucht ein Gymnasium in Waldkirch und hat sich seit Monaten darauf gefreut, das Abitur hinter sich zu haben und ihre Reise nach Thailand anzutreten. Fabienne (19), eine Schülerin des Gymnasiums in Emmendingen, konnte es kaum erwarten, das Abitur zu feiern, sich bei der Polizei zu bewerben und in die USA zu reisen. Julius (19), ein Abiturient aus Gundelfingen, wollte mit seinen Freunden nach Mallorca. Corona hat dafür gesorgt, dass das alles nicht mehr so einfach stattfinden kann. Wir haben die SchülerInnen in unserem neuen StadtGESPRÄCH gefragt, wie die Organisation abgelaufen ist, ob sie noch denken, dass das Abi stattfindet und wie die Zeit danach sich für sie verändert (Teil 2).

Romina (19) besucht ein Gymnasium in Waldkirch und hat sich seit Monaten darauf gefreut, das Abitur hinter sich zu haben und ihre Reise nach Thailand anzutreten. Fabienne (19), eine Schülerin des Gymnasiums in Emmendingen, konnte es kaum erwarten, das Abitur zu feiern, sich bei der Polizei zu bewerben und in die USA zu reisen. Julius (19), ein Abiturient aus Gundelfingen, wollte mit seinen Freunden nach Mallorca. Corona hat dafür gesorgt, dass das alles nicht mehr so einfach stattfinden kann. Wir haben die SchülerInnen in unserem neuen StadtGESPRÄCH gefragt, wie die Organisation abgelaufen ist, ob sie noch denken, dass das Abi stattfindet und wie die Zeit danach sich für sie verändert (Teil 2).

1. Seht ihr die freie Zeit als verlängerte Ferien an oder wie nutzt ihr eure Zeit jetzt?

Romina: Ich sehe die Zeit nicht als verlängerte Ferien, zudem ich die Zeit nur zu Hause verbringen kann und es sich dementsprechend nicht wie Ferien anfühlt. Man könnte meinen, wir Abiturienten hätten nun mehr Zeit auf das Abitur zu lernen, doch die Zeit bis zu unseren Prüfungen ist noch sehr lange. Die Frage, ob man das Abitur nun schreibt oder ob es noch weiter verschoben wird, demotiviert leider sehr. Man weiß überhaupt, nicht wie man sich strukturieren soll.

Fabienne: Ich bin zwar keine Person, die bis um 12 Uhr schläft aufgrund der „freien Zeit“, trotzdem kann ich mir meinen Tag jetzt einteilen wie ich möchte, da ich nicht die Verpflichtung habe, morgens in die Schule zu gehen. Ich stehe meistens so gegen 9 Uhr auf und nutze die Zeit, in der ich eigentlich in der Schule wäre, um für meine Prüfungsfächer zu lernen. Nachmittags setze ich mich dann meistens nochmal dran, Übungsaufgaben zu machen. Durch die aktuelle Situation bleibt mir aber auch fast nichts anderes übrig als zu lernen.

Julius: Dadurch, dass wir zu Hause bleiben können, haben wir natürlich viel mehr Zeit als sonst. Da fühlt es sich schon ein bisschen an, als hätte man Ferien. Gerade, weil man ja auch so lange schlafen kann, wie man möchte. Ich denke, man darf sie allerdings nicht als Ferien sehen. Es ist einfach unterrichtsfreies Lernen. Wir bekommen auch eine Menge an Arbeitsaufträgen, die wir abarbeiten sollen. Und wir sind ja auch dazu gezwungen, zu Hause zu bleiben.

2. Vermeidet ihr soziale Kontakte oder trefft ihr euch weiterhin mit euren Freunden?

Romina: Wir vermeiden alle, so gut es geht soziale, Kontakte. Ab und zu treffe ich mich zum Joggen mit einer Freundin, aber natürlich mit Abstand.

Fabienne: Ich muss sagen, dass ich schon versuche meine sozialen Kontakte außerhalb meines Haushaltes auf ein Minimum zu reduzieren. Die meiste Zeit die ich mit meinen Freunden verbringe, ist über das Internet. Trotzdem hab ich mich die letzten Wochen auch mit einer Freundin regelmäßig getroffen, um zu spazieren. Ich versuche aber, bei solchen Situationen trotzdem den nötigen Abstand und die Hygiene so einzuhalten, um auch hier eine minimale Gefahr darzustellen.

Julius: Ich persönlich bleibe die meiste Zeit zu Hause. Ich gehe nur raus um Sport zu machen. Das allerdings gerne auch mit einem Kollegen. Zu meiner Oma gehe ich gar nicht mehr und den Kontakt zu restlichen Freunden habe ich über Houseparty oder Skype.

3. Die Kultusministerin meinte, dass das Abitur auf die Lage angepasst werde. Wie steht ihr dazu? 

Romina: Diese Aussage löst bei mir persönlich etwas Unsicherheit aus, da ich es mir nicht vorstellen kann, wie sie das umsetzen möchten. Ich bin der Meinung, dass man uns mit dem Abitur auf jeden Fall entgegen kommen sollte, da wir eben aufgrund der Umstände nicht so gut vorbereitet werden konnten, wie die Jahre zuvor.

Fabienne: Ich halte das für eine schlechte Idee. Es war ja sogar die Rede davon dass keine Prüfungen stattfinden sollen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass unser Abitur nicht gleichwertig angesehen werden wird, da zukünftige Arbeitgeber vielleicht meinen, wir hätten es geschenkt bekommen oder leichter gehabt als andere Generationen. Ich denke, so könnte es ziemlich zum Nachteil für uns werden, wenn sie das Abitur erleichtern würden.

Julius: Ich denke sie wird eine gute Lösung finden. Wir möchten natürlich nicht benachteiligt werden, das ist klar. Ein Abitur „geschenkt“ zu bekommen sollte auch nicht die Lösung sein und ich denke viele wollen das auch garnicht. Ich bin guter Dinge, dass wir gleich behandelt werden.

4. Fühlt ihr euch im Stich gelassen oder unterstützt?

Romina: Weder noch, unsere Lehrer versuchen, uns ein gutes Gefühl zu vermitteln und geben das Beste, um uns zu unterstützen, trotz ihrer eigenen Ratlosigkeit.

Fabienne: Von der Schule und unseren Lehrern fühle ich mich trotz der Lage sehr gut unterstützt und ich weiß, an wen ich mich wenden kann. Ich denke das Kultusministerium kann leider auch nicht viel anders machen, da sie die Situation auch nicht perfekt voraussehen können und es deshalb auch für sie schwierig ist, eine Entscheidung zu treffen, mit der jeder zufrieden ist.

Julius: Natürlich fühlt man sich etwas benachteiligt, da man immer Unterricht einfach besser lernt. Im Stich gelassen allerdings fühle ich mich nicht, wir werden von den Lehrern versorgt und auch die Lernplattformen unterstützen uns.

5. Wie findest du die Idee des Durchschnittsabiturs? 

Romina: Es wäre natürlich eine gute Möglichkeit, die Situation zu lösen, aber ich persönlich würde gerne meine Prüfungen schreiben, um meinen Notenschnitt zu verbessern. Außerdem weiß ich nicht, wie sie sich die Noten errechnen wollen, da ich nur eine schriftliche Note im 4. Kurshalbjahr habe.

Fabienne: Nicht gut. Wir würden immer als die Schüler gelten, die gar kein richtiges Abitur hatten, sondern alles geschenkt bekamen und es leichter hatten. Verdient hätten wir es, aber nur wenn uns versichert wird, dass es keine negativen Folgen auf unsere Zukunft hat.

Julius: An meiner Stelle hätte ich mich darüber gefreut. Das ist aber von Schüler zu Schüler unterschiedlich. Viele möchten sich durch das Abitur noch verbessern. Unterm Strich fände ich es also ungerecht.

Ist ein Durchschnittsabitur nicht unfair gegenüber anderen, die hart arbeiten mussten für die Abiprüfungen?

Romina: Es ist definitiv nicht unfair, wenn man sich die momentane Lage ansieht. Wir haben keinen Unterricht und können somit unsere Lehrer nur über Mail oder Videochat erreichen ( nicht alle bieten das an). Das ist natürlich kein Vergleich zu dem regulären Unterricht, der viel intensiver und hilfreicher ist, da das Lehrpersonal direkt auf Fragen reagieren kann und einfacher erklären kann. Zudem hat nicht jeder zu Hause die Möglichkeit ins Internet zu gehen oder Unterstützung von den Eltern zu bekommen. Meiner Meinung nach müssen wir genauso hart, wenn nicht sogar härter für unser Abitur arbeiten, da auch der schon vorhandene Leistungsdruck noch weiter mit der großen Unsicherheit ansteigt. Ich hätte gerne die Möglichkeit meine Prüfungen regulär abzulegen.

6.Wie läuft eure Abiturorganisation, abgesehen von Prüfungen, ab?

Romina: Unsere Vorbereitung laufen weiterhin normal weiter. Unser Abibuch und auch unser Abipulli wird auf jeden Fall wie geplant gestaltet. Das größere Problem ist unser Abiball. Der geplante Termin kann aufgrund der verschobenen Prüfungen nicht wahrgenommen werden und die Location muss storniert werden. Ob wir unseren Abiball überhaupt feiern werden wurde uns nicht mitgeteilt. Ich denke nicht dass unser Abschlussfeier stattfinden wird, da jegliche Veranstaltung mit so vielen Menschen bestimmt nicht genehmigt werden können. Außerdem werden viele Klassenkameraden auch nicht mehr vor Ort sein. Das ist natürlich alles sehr schade, da man sich schon sehr lange darauf gefreut hat.

Fabienne: Die Organisation für die genannten Projekte läuft trotzdem normal weiter, obwohl noch nicht abzusehen ist wann, wie und ob der Abiball stattfinden kann. Die einzelnen Gruppen setzen sich wirklich trotzdem super ein, um alles so hinzubekommen wie geplant.

Julius: Die Abipullis und die Abizeitung sind in meiner Stufe schon fast fertig. Der Abiball muss verschoben werden. Ich bin gespannt, ob sich ein passender Termin finden lässt.

7. Wie sieht es mit der Zeit nach dem Abi aus? Habt ihr schon Reisen abgesagt?

Romina: Die Zeit nach dem Abi wird für alle wohl oder übel nicht so ablaufen wie wir uns das alle vorgestellt haben. Wie auch ich müssen viele ihre geplanten und schon gebuchten Reisen absagen. Es heißt, dass wir uns um unsere zukünftigen Studienplätze keine Sorgen machen sollen. Doch auch darum machen sich viele Gedanken, wegen anstehenden Aufnahmeprüfungen und fehlenden Abiturzeugnissen. Es erfordert auf jeden Fall mehr Aufwand

Fabienne: Wenn alles so verläuft wie angenommen, kann ich meine Reise im September in die USA antreten, es gibt aber auch andere die Pech haben, da sie schon für deutlich früher gebucht haben und jetzt stornieren müssen. Ich bin mir auch noch nicht sicher, ob sich nicht nochmal etwas verschiebt. Ansonsten möchte ich erst nächstes Jahr mit meiner Ausbildung anfangen, bis dahin sollte sich alles geregelt haben. Allerdings habe ich zur Zeit Probleme mit meiner Bewerbung für die Polizei, da ich nicht zum Optiker für einen Sehtest kann, und ich kein Sport/Schwimmabzeichen machen kann, da alles geschlossen ist.

Julius: Ich hatte nach dem Abitur eine Reise nach Mallorca mit Freunden geplant und auch schon gebucht. Mit der Verschiebung des Abiturs finden allerdings zu der Zeit dann die mündlichen Prüfungen statt, in die noch ein paar von uns müssen. Somit fällt Mallorca für uns höchstwahrscheinlich aus, es zu verschieben geht auch nicht. Das ist natürlich sehr bitter, gerade wenn man nicht weiß, ob man das Geld für seine Flüge zurückbekommt. Unsere Unterkunft können wir glücklicherweise noch stornieren.

 

Wie sie sich momentan vorbereiten und wie die Organisation abgelaufen ist, findet ihr im 1. Teil des Interviews.