30. Januar 2019

Von guter Milch, Herzensarbeit und glücklichen Kühen

Heutzutage wird es für Landwirte immer schwieriger, mit den Großbetrieben zu konkurrieren. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe nimmt stetig ab. Wir haben dem "Hofgut Domäne Hochburg" vor kurzem einen Besuch abgestattet und uns selbst ein Bild von der täglichen Arbeit dort gemacht.

Es ist schon etwas ganz anderes hier, verglichen mit dem täglichen Gehupe und Gedrängel in der Stadt. Ein bisschen holprig ist der Weg in Richtung des Hofguts dann doch. Bestens angekommen sind wir trotzdem. Mal nicht direkt Lärm beim Aussteigen, kein gehetztes Rumgeschubse. Stattdessen ein paar vereinzelte Kuh-Muher untermalt von aufgeregtem Hühner-Gegacker. „Das ist mal ’ne gute Luft“ ist vermutlich der meist gesagte Satz an diesem Nachmittag, hier, auf dem „Hofgut Domäne Hochburg“. Und nicht zu vergessen: Allein der endlose Ausblick über Felder und Hügel ist für uns Grund genug, unseren kleinen Bauernhof-Trip etwas in die Länge zu ziehen.

Die Situation der Landwirte hat sich geändert. Im Vergleich zu früher wird es immer schwieriger, sich im Konkurrenzkampf gegen die Großbetriebe zu behaupten. Während wir Besucher ganz entspannt über dem Hof schlendern, ein kleines „Oh ein Kälbchen“ hier, ein „Wo kann man sich denn jetzt frische Milch holen?“ da, steckt hinter all dem unglaublich viel Arbeit und Leidenschaft. „Wir fangen um sechs Uhr in der Früh an. Erstmal heißt es Kühe melken, füttern und alles ausmisten“, erzählt Pächter Matthias Seifert. Um acht Uhr gibt es dann ein gemeinsames Frühstück.

Frische Milch vom Bauern – Was gibt es besseres? Foto-Credit: StadtBESTEN

Feldarbeit, Handwerk, die Versorgung der Tiere, aber auch viel Zeit im Büro prägen den Alltag des Landwirtes und seiner Frau. „Das ist natürlich harte Arbeit, es gibt viele bequemere Berufe“, erwidert Seifert auf die Frage hin, ob es heutzutage schwer sei, jüngere Menschen für landwirtschaftliche Arbeit zu begeistern. „Aber trotzdem ist es ein sehr abwechslungsreicher, vielfältiger Beruf“, fügt er hinzu. „Langweilig wird es da nie“. Schwierig ist es trotzdem: Der gebürtige Freiburger bildet bereits seit über fünfzehn Jahren aus und muss von Jahr zu Jahr mit weniger Bewerbungen rechnen. Das Interesse an akademischen Berufen nimmt zu, während die Begeisterung für Landwirtschaft und handwerkliche Arbeit immer geringer wird. Und dann ist da natürlich noch die Globalisierung, die zum einen sehr viele Vorteile mit sich bringt, aber auch ihre Schattenseiten hat. Unter diesen müssen vor allem die Bauern leiden.

„Man konkurriert mit anderen Ländern, die günstigere Produktionskosten haben als wir, das erschwert die Situation selbstverständlich.“ – Matthias Seifert

Zwar gibt es zunehmend mehr Bio-Bauern und auch die Supermärkte werben mit Bio-Produkten, jedoch ist der Lohn für die Bauern nach wie vor zu gering. Kauft man beispielsweise eine Tüte Milch für 1,69 Euro beim Discounter, so verdient der Bauer, welcher die Milch bereitstellt, gerade mal siebenundvierzig Cent. „Im konventionellen Bereich ist das einfach zu wenig, da ist es sehr schwer die Kosten abzudecken“, erzählt Matthias SeifertSupermärkte bringen die Produkte also zu günstig auf den Markt – dadurch wird der Preis gedrückt und es bleibt fast nichts mehr übrig für die Bauern. 

Irgendwie auch unfair, finden wir. Aber: Ungünstige Situationen machen kreativ.

„Der beste Weg ist Direktvermarktung. Auf den Preis der Supermarktmilch haben wir keinen Einfluss. Das ist natürlich deprimierend, denn es wertet deine Arbeit gewissermaßen ab.“ – Matthias Seifer.

So kam es zum bekannten Milchautomaten, den Besucher auf dem Hofgut vorfinden und wo sie ihre Milch selbst abzapfen können – zu einem fairen Preis. Das Beste: Für alle, die – so wie wir – den Behälter für die Milch daheim vergessen haben, gibt es einen Warenautomat, der, neben frischen Bio-Eiern, mit Bechern und Mehrwegflaschen gefüllt ist.

„Es sind die Menschen, die extra herkommen, um ihre Milch bei uns vor Ort zu kaufen. Die noch wissen möchten, wo die Produkte wirklich herkommen. Das motiviert uns, das ist eine Anerkennung unserer Arbeit. Und das ist einer der Gründe, warum uns dieser Beruf so viel bedeutet.“ – Matthias Seifert

Der Milchautomat des Hofgutes Domäne Hochburg. Foto-Credit: StadtBESTEN

 

Wir waren begeistert, zu sehen, wieviel Leidenschaft, Motivation und Herzblut die Landwirte in das Hofgut stecken. Und ein paar Flaschen Milch gab es auch noch! Deshalb lohnt es sich, mal persönlich auf dem „Hofgut Domäne Hochburg“ vorbeizuschauen. Denn so viel Arbeit und Herz in einem ist uns selten begegnet.

 

Homepage: neu.hofgut-hochburg.de

Foto-Credit Titelbild: StadtBESTEN