11. Juli 2019

Gruppenvergewaltigung in Freiburg – Die Aussage des ersten Angeklagten

Am Mittwoch, den 10. Juli 2019, fand im Freiburger Landgericht der vierte Verhandlungstag im Fall der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung statt.

Der vierte Verhandlungstag

Mit wenigen Minuten Verspätung fing der vierte Verhandlungstag im Fall der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung einer 18-jährigen Studentin an. Jeweils mit Hand- und Fußfesseln wurden die elf Angeklagten in den Gerichtssaal geführt. Zunächst sagte der Deutsche Timo P. als erster und einziger über die mutmaßliche Tat aus. Er erklärte, dass bevor er sich mit seiner Freundin und deren Freundin in das Hans-Bunte aufmachte, diese gemeinsam zu Hause „vorgeglüht“ hätten. Dabei habe er circa vier Dosen Mischbier getrunken, Weed und Kokain konsumiert. Der Angeklagte schilderte, dass er mit dem Hauptangeklagten Majd H. verabredet war und ihn nach seiner Ankunft gesucht habe. Er habe ihn angerufen, wobei Majd H. gesagt haben soll, dass er seine Hilfe brauche, draußen liege ein Mädchen, dass „drauf“ ist und „gefickt“ werden wolle. Der Hauptangeklagte soll Timo P. zu der Geschädigten in das Gebüsch geführt haben. Dort habe er die halbnackte 18-Jährige gesehen haben. Diese sei „total wild“ gewesen, hätte Timo P. „am T-Shirt gepackt“ und sei ihm „an die Hose gegangen“. Nachdem der Angeklagte Sex mit der Studentin ablehnte, habe sie ihn oral befriedigt. Auf ihn hätte sie nicht den Eindruck gemacht, „als wüsste sie nicht, was sie tut“. Daraufhin sei er „mit mega schlechtem Gewissen [gegenüber seiner Freundin]“ wieder zurück in den Club gegangen, so der Angeklagte. Den Zustand der Studentin beschrieb er als „drauf“. Für ihn schien es, als habe sie eine Ecstasy-Pille konsumiert, was er anhand ihrer geweiteten Pupillen erkannt haben wollte.

Handyvideo?

Des Weiteren erwähnte der Vorsitzende Richter Bürgelin ein Handyvideo, welches einer der Angeklagten aufgenommen haben soll. Timo P. schilderte, dass er dieses Video nicht gesehen habe, jedoch gewollt hätte, dass es als Beweis der Polizei übergeben werden würde, „dann hätte man gesehen, wie es war.“ Die Polizei habe jedoch kein Video bei den Ermittlungen gefunden. Laut Timo P. sei die Studentin nicht bewusstlos gewesen, sie habe geredet und sich bewegt. „Es wird immer so dargestellt, als wären wir wie Monster über sie hergefallen, aber so war das nicht“, so der 25-Jährige.

Erklärung des Hauptangeklagten Majd H.

Nach der Vernehmung von Timo P., verlas der Verteidiger Jörg Ritzel eine Erklärung seines Mandanten, des Hauptangeklagten Majd H., vor: Er habe der Studentin weder Ecstasy-Pillen, noch andere Drogen im Club verkauft. Zudem habe er keine K.O.-Tropfen in ihr Glas gemacht. Er habe zwar Geschlechtsverkehr mit der Studentin gehabt, jedoch einvernehmlich und auf ihr Verlangen hin. Dabei soll sie voll orientiert gewesen sein. Außerdem habe er niemanden dazu aufgefordert, sexuelle Handlungen an der Studentin zu vollziehen.

Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit und audiovisuelle Vernehmung der Geschädigten

Die Aussage der 18-Jährigen hätte eigentlich einen Tag später, am Donnerstag den 11. Juli,stattfinden sollen. Jedoch wurde ein Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit und eine audiovisuelle Aussage der Geschädigten Franziska W. beantragt. Acht der anwesenden Verteidiger traten den beiden Anträgen nicht entgegen, die restlichen drei Verteidiger widersprachen dem Antrag auf die audiovisuelle Vernehmung der Nebenklägerin. Der psychiatrische Gutachter befürchte eine Reaktivierung des Traumas der Geschädigten bei einer nicht-audiovisuellen Vernehmung.

 

Weitere Verhandlungstermine in dieser Woche sind für Donnerstag, 11. Juli und Freitag 12. Juli vorgesehen.

 

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