11. Oktober 2017

Fünfter Verhandlungstag im Fall Maria L. – Wie alt ist Hussein K. wirklich?

Der fünfte Verhandlungstag mit Zeugenbefragungen wurde gestern, am 10. Oktober, fortgesetzt. Unter anderem haben zwei Mitarbeiter der Jugendämter – der Stadt Freiburg und des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald – ausgesagt. Außerdem wurde auch die Pflegemutter des Angeklagten Hussein K. vernommen.

Als am gestrigen Verhandlungstag um 9 Uhr der erste Zeuge im Gerichtssaal nicht erschien, versuchte die Richterin Kathrin Schenk den Zeugen zu erreichen, ohne Erfolg. Nach Aussage des Anwalts der Nebenklage, Eckart Becker, war der erste nicht erschienene Zeuge ein Freund des Angeklagten Hussein K. Es wird vermutet, dass er den Brief womöglich nie bekommen hat. Seine Anhörung soll nachgeholt werden.

Der zweite Zeuge, ebenfalls ein Freund von Hussein K., den der Angeklagte aus einer Wohngruppe im Münstertal kennt, beschrieb Hussein K. als freundlich und nett. Die Männer sollen öfter zusammen Alkohol im Colombipark getrunken haben, manchmal auch in Bars oder im Schwimmbad. Auf die Frage der Richterin, ob Hussein K. zu Aggressivität neige, verneinte der Zeuge dies. Er war nur mit Worten aggressiv, jedoch allein gegenüber Männern. Zu dem Alter des Angeklagten konnte der Zeuge auch nichts Konkretes beitragen. Er meinte, dass es üblich sei, sich als älter auszugeben, um Respekt zu bekommen.

Daraufhin wurde ein Mitarbeiter des Jugendamts Freiburg vernommen, dem Hussein im November 2015 zugeteilt wurde. Er erzählte von seinem neunzigminütigen Clearinggespräch mit Hussein K, damals kurz nach seiner Aufnahme. Er soll authentisch gewirkt haben und eine Traumatisierung sei für den Mitarbeiter nicht nachvollziehbar. Sein damals angegebenes Alter von 17 Jahren wurde nicht in Frage gestellt, da er sehr jugendlich aussah, so die Aussage des Mitarbeiters.

Die vierte Zeugin, eine Mitarbeiterin des Jugendamts im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, die seit dem 1. Dezember 2015 mit Hussein K. zu tun hatte, habe die Einschätzung der Freiburger Kollegen nie hinterfragt. Zu der Feststellung des Staatsanwalts, dass Hussein K. bei seinem Alter gelogen haben soll, meinte sie: „Hinterher ist man immer klüger„. Hussein K. sei anfangs Klassenbester gewesen, die Prüfungen der Stufen A21 und A2 habe er bestanden. Allerdings lagen seine Fehlzeiten  bei 20%. Nach Aussage der Mitarbeiterin sei er ihr noch ziemlich unselbstständig, schüchtern und zurückhaltend vorgekommen.

Husseins Lehrerin aus Freiburg, die ein halbes Jahr lang bis zu seiner Festnahme seine Klassenlehrerin war, wurde im Anschluss darauf vernommen. Ihrer Aussage zufolge hatte sie den Eindruck, dass Hussein K. „ein Drahtzieher“ war, da er manchmal im Unterricht störte. Auch kam er öfter zu spät zum Unterricht und nannte als Grund dafür Schlafstörungen. Sie beschrieb ihn als „höflich, korrekt und leistungsstark„.

Der sechste Zeuge war ein Schreiner aus Freiburg. Er hat in der Migrationsklasse, in der auch Hussein K. war, einen Schreinerkurs gegeben. Der Schreiner beschrieb den Angeklagten als „relativ sozial„.

Ein Sozialarbeiter, der in der Einrichtung Wiese im Münstertal arbeitet, in der Hussein K. gewohnt hatte, machte eine wichtige Aussage in Hinblick auf Husseins Verhalten. So wurde er Zeuge, als der Angeklagte einen Aggressionsanfall hatte und mit der Faust gegen die Wand schlug. Daraufhin wurde er in ein Krankenhaus gebracht, um sich einer psychologischen Untersuchung zu unterziehen. Es wurde festgestellt, dass er unter Asthma leidet.

Die achte Zeugin war eine Studentin, die ihr Praxissemester in der Schule gemacht hat, welche auch Hussein K. besuchte. Sie beschrieb ihn als „Gentleman“ und war zuversichtlich, dass er es in Deutschland schaffen würde. Er erzählte ihr von einem Vorfall im Colombipark, bei dem ihm fremde Männer Geld für Sex geboten haben. Er reagierte schockiert und meinte er würde so etwas nie machen.

Zuletzt trat die Pflegemutter auf. Sie beschrieb Hussein als sehr selbstständig. Nach mehrmaligen Einladungen zum Essen habe die Pflegemutter gemerkt, dass er keine Lust auf Gesellschaft hat. Sie habe ihm monatlich 400 Euro für Essen, Kleider und Sonstiges gegeben. Als sie bemerkte, dass er sich das Geld nicht einteilen konnte, habe sie es ihm in Tranchen gezahlt. Die Freunde, die sie kennenlernte, haben auf sie einen vernünftigen Eindruck gemacht. Sie habe Hussein K. nie aggressiv erlebt, und auch nicht alkoholisiert oder unter Einfluss von Drogen stehend. Über sein Alter habe sie nie mit ihm gesprochen. Seit der Haft hat die Pflegemutter ihrer Aussage nach keinen Kontakt mehr zu Hussein K. gehabt, er habe sich aber in mehreren Briefen bei ihr entschuldigt.

 

Der Prozess wird am Donnerstag den 12. Oktober weitergeführt. 

 

Quellen: Landgericht Freiburg, Stuttgarter Nachrichten, SWR Aktuell, Badische Zeitung
Foto-Credit: Abbildung ähnlich