30. Juni 2020

Fessenheim wurde abgeschaltet – das ist das Ende

Nach jahrelangen Protesten bezüglich der Stilllegung des Atomkraftwerkes Fessenheim, wurde nun am 29.06.2020 das älteste Kernkraftwerk Frankreichs stillgelegt. Dies bedeutet aber nicht, dass Frankreich aus der Kernkraft aussteigt.

Nach jahrelangen Protesten bezüglich der Stilllegung des Atomkraftwerkes Fessenheim, wurde nun am 29.06.2020 das älteste Kernkraftwerk Frankreichs stillgelegt. Dies bedeutet aber nicht, dass Frankreich aus der Kernkraft aussteigt.

Nachdem am 22.Februar.2020 um 2.30 Uhr die Electricité de France (EDF) am Rheinufer den ersten von zwei 900-Megawatt-Meilern, Reaktor N.1, gestoppt hat, folgte nun, vier Monate später, die Stilllegung des Reaktor N.2. Dementsprechend wird das dienstälteste von 58 französischen Atomkraftwerken (AKW) keinen Strom mehr produzieren. Die Schließung war ursprünglich bereits für 2016 geplant, doch die EDF hat die Frist immer wieder hinausgezögert. Schon während der Planungsphase des Kraftwerkes gab es eine Anti-Atombewegung in Frankreich und im Elsass, welche später nach Südbaden und und in die nördliche Schweiz getragen wurde. Am 12.April 1972 fand die erste Demonstration gegen ein französisches AKW in Fessenheim statt.

Inzwischen zieht auch das Klimaargument, dass  Kernkraft CO2 frei sei, immer weniger. Von vielen wird die französische Atomindustrie vor allem hemmend für die Entwicklung der erneuerbaren Energien wahrgenommen. Denn obwohl Frankreich über eine lange Meeresküste verfügt, wird der Ausbau von Offshore-Windparks kaum vorangetrieben. EDF zeigt dahingehend weniger Interesse, als am Bau neuer Atommeiler.

Die Meinungen zur Schließung sind gespalten. Die AKW-Gegner sehen die Schließung hochpolitisch, sowohl wegweisend als auch historisch. Andere empfinden die Schließung als unsinnig und klimaschädlich. Es ist allerdings Fakt, dass das 1977 ans Netz gegangene AKW in einer Erdbebenzone liegt, welche im Mittelalter schon einmal die 34 Kilometer entfernte Stadt Basel heimgesucht hatte. Zudem liegt es unterhalb der Wasserlinie des Rheinkanals, d.h. in einem Überschwemmungsgebiet mitten in einer dicht besiedelten Region Zentraleuropas. Sowohl auf deutscher als auch auf schweizerischer Seite war die Angst vor einem Super-GAU groß. Einige Menschen in Fessenheim fürchten nun um ihren Lebensunterhalt, denn bis 2023 werden nur noch knapp 300 AKW-Beschäftigte benötigt, danach voraussichtlich nur noch 60.

Bei der Schließung handelt es sich um eine berechtigte Gefahrenabwehr, den in beiden Reaktoren kam es immer wieder zu Störfällen, sowie zu Schlampereien dadurch entstanden jährlich die kurz-und langlebige Radioaktivität von ca. 1800 Hiroshima-Bomben.  Die ständige Radioaktivitätsabgabe im sog. Normalbetrieb, sowie die skandalöse Rheinerwärmung für das kühlturmlose AKW wirken sich negativ auf den Klimaschutz aus.

Auch der Abriss des Atomkraftwerkes, soll kein „Billigabriss“ werden, da dieser nicht akzeptabel ist, da auch der Abriss kleinere Gefahren bergen kann. Der Abbau der Fessenheim-Anlage wird länger dauern. EDF muss Zusatzinformationen für sämtliche Etappen von den Vorbereitungsarbeiten bis zur Behandlung der radioaktiven Abfälle liefern. Der Abbau wird nach dem offiziellen Fahrplan bis 2040 andauern. Doch Experten rechnen bereits mit einer längeren Dauer.

Die Abschaltung führt zu grenzüberschreitender Freude, dennoch ist sie kein Triumph, denn die Reaktoren haben über vier Jahrzehnte lang Strom, Geld und Gefahren hervorgebracht. Der dabei entstandene Atommüll muss für eine Million Jahre sicher gelagert werden und gefährdet somit das Leben künftiger Generationen auf der Erde. Dennoch wurde im Kampf gegen den großen, globalen Krieg des Menschen gegen die Natur und damit gegen sich selber (wie Atommüllproduktion, Klimawandel…) in Fessenheim Zerstörungsprozesse entschleunigt und ein kleiner, wichtiger, regionaler Teilerfolg erzielt. Sich zu engagieren lohnt sich!

Freiburg im Breisgau wäre ebenfalls von einem Ausbruch des AKW betroffen. Nach dem ursprünglichen Katastrophenschutz-Konzept sollte lediglich die „Zentralzone“ im Radius von zwei Kilometern innerhalb von sechs Stunden evakuiert werden. Für die erweiterte Zone im Radius von zehn Kilometern waren 24 Stunden angesetzt. In Folge der Reaktorkatastrophe von Fukushima wurde ab 2011 die Evakuierungszone auf 25km ausgeweitet, dementsprechend wäre Freiburg von einer Evakuierung ebenfalls betroffen. Ab 2014 wurde durch die deutsche Strahlenschutzkommission eine neue Empfehlung zum Katastrophenmanagement ausgesprochen. Die Außenzone solle von 25km auf 100km und die Mittelzone auf 20 anstatt 10 Kilometer Radius angehoben werden. Diese Zone sollte innerhalb von 24 Stunden geräumt werden.

 

Einige Termine Rund um die Schließung: 

Montag, 29.Juni von 18.00 – 18.30Uhr: symbolisches deutsch-französisches Zusammentreffen auf der Rheinbrücke Breisach-Vogelgrun.
Dienstag, 30.06.2020 um 16.30Uhr Friedrichsbau Freiburg im Breisgau/ TRAS Versammlung (frei zugänglich).
Ab 18.30Uhr Platz der alten Synagoge Freiburg im Breisgau: Kundgebung zur Schließung von Fessenheim.
Ab 18.30Uhr Endinger Marktplatz: Mahnwache mit angemessenem Abstand.

 

 

 

Quellen: https://www.fr.de/wirtschaft/frankreich-akw-fessenheim-wird-stillgelegt-wahlpolitischer-macron-zr-13551386.html
https://www.mitwelt.org/fessenheim-ausstellung.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Fessenheim#Deutschland
https://www.swr.de/unternehmen/kommunikation/pressemeldungen/swrfernsehen-dreiland-aktuell-fessenheim-2020-102.html
https://www.dw.com/de/akw-fessenheim-ist-stillgelegt/a-53991863