2. April 2020

Digitale Abiturvorbereitung – Abiturienten in Zeiten von Corona

Romina (19) besucht ein Gymnasium in Waldkirch und hat sich seit Monaten darauf gefreut, das Abitur hinter sich zu haben und ihre Reise nach Thailand anzutreten. Fabienne (19), eine Schülerin des Gymnasiums in Emmendingen, konnte es kaum erwarten, das Abitur zu feiern, sich bei der Polizei zu bewerben und in die USA zu reisen. Julius (19), ein Abiturient aus Gundelfingen, wollte direkt nach dem Abi mit seinen Freunden nach Mallorca. Corona hat dafür gesorgt, dass das alles nicht mehr so einfach stattfinden kann. Wir haben die SchülerInnen in unserem neuen StadtGESPRÄCH gefragt, wie die Organisation abgelaufen ist, ob sie noch denken, dass das Abi stattfindet und wie die Zeit danach sich für sie verändert.

Romina (19) besucht ein Gymnasium in Waldkirch und hat sich seit Monaten darauf gefreut, das Abitur hinter sich zu haben und ihre Reise nach Thailand anzutreten. Fabienne (19), eine Schülerin des Gymnasiums in Emmendingen, konnte es kaum erwarten, das Abitur zu feiern, sich bei der Polizei zu bewerben und in die USA zu reisen. Julius (19), ein Abiturient aus Gundelfingen, wollte direkt nach dem Abi mit seinen Freunden nach Mallorca. Corona hat dafür gesorgt, dass das alles nicht mehr so einfach stattfinden kann. Wir haben die SchülerInnen in unserem neuen StadtGESPRÄCH gefragt, wie die Organisation abgelaufen ist, ob sie noch denken, dass das Abi stattfindet und wie die Zeit danach sich für sie verändert.

1. Wann hattet ihr das erste Mal das Gefühl, dass die Schule bald schließen wird und was haben eure Lehrer zu Corona gesagt?

Romina: Das erste Mal hatte ich das Gefühl, dass meine Schule bald schließen wird, als unsere Nachbarschule aufgrund eines Coronafalls die Schule schloss. Unsere Lehrer waren zu diesem Zeitpunkt genauso uninformiert wie wir, waren aber der Meinung, dass unsere Schule auch dringend geschlossen werden sollte, da wir uns mit der Nachbarschule die Mensa teilen.

Fabienne: Unsere Klasse hat sich anfangs Späße daraus gemacht, wie schön es wäre wenn wir jetzt „Ferien“ hätten. Als dann unsere Mathe-Abi-Hütte am 13. März aufgrund des Coronavirus abgesagt wurde, haben wir das erste mal gemerkt, dass das Ganze wohl kein Spaß mehr ist. Unsere Lehrer haben auf unsere Nachfragen nie antworten können, da sie selbst nie mehr wussten als wir.

Julius: Wir haben in einer kompletten Bio-Stunde über das Thema gesprochen. Dabei wurde mir der Ernst der Lage bewusst. Als dann die Schulen in Bayern geschlossen werden sollten, war mir klar, dass das auch in Baden-Württemberg passieren wird. Die Lehrer waren dabei genauso uninformiert und überrascht wie wir.

2. War es sinnvoll noch einen Tag (den Montag) zu haben um die Organisation zu klären?

Romina: Meiner Meinung nach wäre es sinnvoll gewesen den Montag für die Organisation zu nutzen. Jedoch war dies bei uns leider nicht der Fall, da wir einen Coronaverdachtsfall an unserer Schule hatten und somit an dem besagten Montag nicht in die Schule durften. Das war der erste Coronaverdachtsfall, dieser wurde glücklicherweise nicht bestätigt.

Fabienne: Aufgrund der kurzen Zeit die die Lehrer und die Schule zur Verfügung hatten, war es im Voraus schon abzusehen, dass der Tag nicht so nützlich sein kann, wie es sich jeder versprach. Den Tag über haben wir, von den für uns wichtigsten Lehrern, verschiedene Apps präsentiert bekommen die uns dabei helfen sollten, in der Zeit die Lehrer zu kontaktieren. Außerdem haben wir Gruppen für Mathe Skypekonferenzen eingerichtet, die wir seitdem jede Woche halten.

Julius: Es hat keinen Sinn gemacht, dass wir am Montag noch in die Schule mussten. Ab da an war klar, man muss jeglichen Kontakt vermeiden, um die Übertragung des Virus einzudämmen. Dann am Montag nochmal in die Schule zu gehen war unnötig. Wir hatten einen normalen Schultag und die Organisation wurde auch nicht wirklich geklärt. Uns wurde nur gesagt, dass wir über die Schulhomepage Arbeitsaufträge bekommen, mehr nicht. Die Lehrer meinten auch nur, dass sie so eine Situation noch nie hatten und wir das beste daraus machen sollen.

3. Wie läuft die Abiturvorbereitung ab?

Romina: Die Abiturvorbereitung ist leider weniger intensiv aufgrund von fehlendem Unterricht. Trotz der Umstände versuchen wir, das beste daraus zu machen und manche Lehrer versuchen Videokonferenzen zu gestalten. Außerdem bekommen wir Unterlagen zugesendet.

Fabienne: Wir machen wöchentliche Mathe-Konferenzen mit unserer Lehrerin, bei der wir offene Fragen stellen können und zusammen rechnen. Ansonsten haben wir nicht wirklich Hausaufgaben bekommen, da wir mit dem Abitur schon genug zu tun haben.

Julius: Wir stehen in gutem Kontakt zu den Lehrern und können Ihnen jederzeit Fragen stellen. Der Vorteil an der Situation ist, dass wir den Zugang zu verschiedenen Lernmöglichkeiten bekommen haben, wie zum Beispiel der Simple Club App oder den Büchern des Stark-Verlages.

4. Wie sieht euer Unterricht jetzt aus?

Romina: Ich habe zum Beispiel einen Test geschrieben, dies war allerdings nur eine Probe und kann anscheinend nicht bewertet werden, da die Möglichkeit besteht zu betrügen. Ab und zu haben wir Unterricht über Zoom, aber bisher nur in zwei Fächern. So wie es aktuell aussieht, werden wir wahrscheinlich keine Zeit mehr vor den Prüfungen haben, Klausuren (inklusive des Probeabis) zu schreiben. Leider ist das nicht die einzig fehlende Klausur.

Julius: Wir haben keinen Unterricht, wir bekommen nur Arbeitsaufträge und Arbeitsmaterial zugeschickt. Natürlich können wir auch über Emails Fragen stellen. Das hat seine Vor- und Nachteile, denn man muss sich alles gut einteilen.

5. Fühlt ihr euch gut vorbereitet auf das Abitur oder schiebt ihr Panik?

Romina: Bevor die Schule geschlossen wurde, habe ich mich gut vorbereitet gefühlt und war bereit das Abitur zu schreiben. Diese Einstellung hat sich in letzter Zeit leider geändert und ich fühle mich sehr unsicher.

Julius: Panik schiebe ich nicht. Natürlich sind wir jetzt etwas auf uns alleine gestellt, allerdings bereitet man sich größtenteils eh alleine für sich vor.

6. Habt ihr Motivation zuhause zu lernen oder bereitet euch das Schwierigkeiten?

Romina: Ich persönlich finde es sehr schwer meine verlorene Motivation wieder aufzubauen. Meiner Meinung nach lohnt es sich nur für Mathematik zu lernen, für die restlichen Fächer ist die Zeitspanne viel zu groß bis zu unseren Prüfungen. Ich finde es dennoch wichtig jeden Tag ein bisschen zu lernen, um nicht aus dem Rhythmus zu kommen und die schon gelernten Inhalte wieder zu vergessen. Aber natürlich fragt man sich, welchen Sinn, es jetzt hat auf ein Abitur zu lernen, welches vielleicht überhaupt garnicht stattfindet.

Fabienne: Ich spüre einen inneren Druck und somit auch Motivation etwas zu Hause zu machen, aber ich merke auch schon einen Unterschied zur vorherigen Situation.

Julius: Ich persönlich habe mich noch nicht ganz mit der Situation abgefunden und muss mich immer neu motivieren. Man tendiert gerne dazu einmal länger liegen zu bleiben oder etwas aufzuschieben. Dafür kann man sich alles so einrichten wie man möchte. Gerade weil ich sonst auch oft Nachmittagsunterricht habe, spare ich viel Zeit ein. Ich lerne, koche, lerne nochmal und mache Sport.

7. Findet ihr, es war sinnvoll das Abi zu verschieben und wie sehr glaubst du daran, dass es überhaupt noch stattfindet?

Romina: Ja, ich finde es auf jeden Fall sinnvoll. Es ist zwar sehr unangenehm, sich in dieser Situation zu befinden, doch wir sind nicht die einzigen, die auf etwas verzichten müssen, um die Auswirkungen von Corona einzuschränken. Mittlerweile weiß ich gar nicht mehr, wie ich die zukünftige Situation einschätzen soll, da sich Tag für Tag die Sachlage ändert. Meine Klassenkameraden sind jedoch nicht mehr großer Hoffnung, dass wir das Abitur schreiben können.

Fabienne: Auf jeden Fall, direkt nach den Ferien wäre es den Schülern gegenüber unverantwortlich gewesen.

Julius: Ich denke schon, dass es notwendig und sinnvoll war. Beim Social Distancing müssen alle in der Bevölkerung mitziehen, sonst macht es keinen Sinn.

 

Wie es nach dem Abitur weiter geht, ob es einen Abiball geben wird und wie es mit ihren geplanten Reisen ist, erfahrt ihr im 2. Teil!