14. Juni 2019

Der Vermisstenfall Maria H. – Die Hauptverhandlung

Am Montag, den 08. Mai 2019 wurde die Hauptverhandlung zum Vermisstenfall Maria H. vor dem Landgericht Freiburg eröffnet. Die damals 13-jährige verschwand im Jahr 2013 mit dem 40 Jahre älteren Bernhard H. Im vergangenen Herbst kehrte die damals 18-Jährige zurück nach Freiburg. Wir verfolgen den Prozess und halten euch auf dem Laufenden!

Der sechste Verhandlungstag

Wichtige Zeugin kann erneut nicht aussagen

Die Verhandlung am 24. Juni 2019 findet mit circa einer Stunde Verspätung statt, da der Angeklagte auf dem Weg von der JVA in Karlsruhe nach Freiburg im Stau stand. Eigentlich sollte Bernhard H.’s Stieftochter heute zum zweiten Mal aussagen, nachdem sie bei einer früheren Verhandlung kollabierte und nicht aussagen konnte. Jedoch hatte die Zeugin eine erneute Panikattacke, weshalb sie an dieser Verhandlung erneut nicht als Zeugin vernommen werden konnte.

Maria tritt als Zeugin auf, Öffentlichkeit wird ausgeschlossen

Zu Beginn der Verhandlung stellen Bernhard H.’s Verteidiger, sowie der Anwalt von Maria’s Mutter, welche als Nebenklägerin auftritt, zweierlei Anträge. Die Nebenklage stellt einen Adhäsionsantrag, welcher unteranderem beinhaltet, dass der Angeklagte für die Prozesskosten und für ein Schmerzensgeld aufkommen soll. Bernhard H.’s Verteidiger stellt einen Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit bei der Vernehmung des psychologischen Sachverständigen aufgrund der Privats -und Intimsphäre des Angeklagten. Später berät sich die Kammer über die Anträge, und gibt dem Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Bevor die Presse sowie die Besucher die Verhandlung verlassen müssen, wird Maria als Zeugin zu den pornographischen Inhalten von Bernhard H. befragt. Des Weiteren stellt ihr der Vorsitzende Richter Wieland die Frage, wie es dazu kam, dass sie im Jahr 2013 einen Schwangerschaftstest kaufte. Maria sagt aus, dass sie immer alles „hinbiegen“ musste, um ein passendes Alibi für die geheimen Treffen zu finden. Nach einer gemeinsamen Nacht in einem Hotel in Freiburg hätte er ihr nahegelegt, einen Schwangerschaftstest zu machen – anscheinend kam es zu keiner sexuellen Handlung. „Es war ohne Worte, indem er meine Hand genommen hat und sie dahin geführt hat.“ Er hätte sie nicht dazu gezwungen. Die Frage, ob Maria Kinderpornographische Bilder von Bernhard H. gesehen hätte, verneinte sie. Sie erklärt, dass er zu ihr gesagt hätte dass Männer, die so etwas machen würden „Schweine“ seien.

Durch die verfahrenstechnischen Schwierigkeiten fällt die Verhandlung am Dienstag, 25. Juni 2019, aus. Der nächste Verhandlungstag findet am Freitag, 28. Juni 2019 um 9.00 Uhr statt. Voraussichtlich wird das Urteil am Dienstag, 9. Juli 2019 verkündet.

Der fünfte Verhandlungstag

Aussage eines der beteiligten Kriminalkommissare

Die Verhandlung beginnt um 9.00 Uhr, verhört werden sollen im Laufe des Tages insgesamt fünf Zeugen, alle Polizeibeamte die im Rahmen der Ermittlungen der bis 2018 Vermissten Maria H. beteiligt waren. Der anwesende Kriminalkommissar hatte am 10.Oktober 2018, also kurz nach der Festnahme Kontakt zu Bernhard H.. Den Angeklagten beschreibt er als “in seiner Beziehung (mit seiner Ex-Frau) unglücklich” und empfand Bernhard H. als jemanden, der sich nach Liebe gesehnt habe. Während der damaligen Erstvernehmung wäre H. extrem emotional gewesen, habe immer wieder geweint. In Maria habe der Angeklagte eine Seelenverwandte gefunden, so habe er es in seiner Aussage gesagt. Zum großen Altersunterschied der beiden habe der Angeklagte ihm gegenüber deutlich gemacht, dass Maria auf ihn viel reifer gewirkt habe. Er habe außerdem sein Testament geändert und Maria alles überschrieben. Der Kriminalkommissar habe H. außerdem gefragt, ob sich bei ihm ein pädophile Ausrichtung feststellen ließe, dies verneinte dieser.

 

Während der Verhandlung wird ein Abschiedsbrief verlesen, den Maria H. kurz vor ihrer Heimkehr nach Deutschland für Haase verfasst und dann zurückgelassen habe. Darin schrieb sie Zeilen wie „deswegen habe ich beschlossen, dir dein Leben zurück zu geben.“

Über Russland bis nach Italien

Auf der gesamten Reise wurden die beiden mehrfach nach ihren Papieren gefragt bzw. waren in verschiedenen Ländern immer wieder in Kontrollen geraten. So zum Beispiel erzählte ein anwesender LKA-Mitarbeiter, dass es in Italien eine Polizeikontrolle gegeben habe, bei dem die beiden auch ihre (echten) Ausweispapiere vorlegen musste, jedoch wurde keine Überprüfung der Daten durchgeführt. Fast die gesamte Flucht wurde mit dem Fahrrad zurückgelegt. Das Auto, mit dem die beiden zunächst Deutschland verlassen hatten, wurde im Juli 2013 in Polen zurückgelassen. Von dort aus wurden die weiteren Strecken mit dem Fahrrad zurückgelegt. Gegessen und getrunken wurde in der Regel Wasser, welches oftmals von der Bevölkerung zur Verfügung gestellt wurde, sowie Brot, nach welchem sie in Bäckereien gefragt haben. Dazu wurden regelmäßig Beläge wie Nutella und Marmelade, manchmal auch Käse und Wurst gekauft.
Mit den Fahrrädern radelten die beiden dann über eine grüne Grenze in die Slowakei. Später nach Slowenien und von dort aus nach Italien – entlang der Adria bis nach Sizilien.
Dabei wurden große Städte gemieden, geschlafen wurde im Zelt, ihre Kleidung haben die beiden meist an Friedhöfen gewaschen, da sich schnell herausstellte, dass es dort immer Wasser gab.
In Sizilien angekommen fanden sie ihre erste feste Unterkunft, ohne Wasser und Elektrizität. Dort haben sich die beiden einen Gaskocher zugelegt, der es ihnen ermöglicht hatte, auch Nudeln zu kochen. Ihren Lebensunterhalt verdienten sich die beiden durch betteln, meist vor Supermärkten – dabei kamen am Tag immer gut 20€- 35€ zusammen. Hin und wieder wurden von Bernhard H. Gelegenheitsjobs ausgeführt. Auch von der Bevölkerung und Organisationen wie der Caritas wurden die beiden regelmäßig mit Essen versorgt.

Hinweise auf Kinderpornografie

Auf verschiedenen Datenträgern, welche im Haus von Bernhard H.s‘ Mutter gefunden worden waren fanden sich verschiedene Hinweise auf den Gebrauch von Kinderpornografie durch H. Insgesamt 267 kinder- bzw. 110 jugendpornografische Inhalte konnten aus einem Zeitraum der Jahre 2012- 2013 gesichert werden.

 

 

Der dritte Verhandlungstag

Aussage der Mutter M. Beisler

Am Freitag, 17.05. 2019, fand der dritte Verhandlungstag im Vermisstenfall von Maria H. gegen Bernhard H. statt. Dabei wurde Marias Mutter, eine ehemalige Freundin, die Ex-Frau des Angeklagten, der Stiefsohn und die Stieftochter des Angeklagten angehört.

Der Richter Wiemann befragt Marias Mutter M. Beisler zu dem ersten Vorfall im Jahr 2011, als die Ex-Frau des Angeklagten den Kontakt zu der damals 11-Jährigen Maria anzeigte. Bis dahin wusste sie nichts von den heimlichen Treffen und Chats ihrer 11-Jährigen Tochter. Als die Kriminalpolizei wegen des Vorfalls vor der Haustüre von Maria stand, dachte ihre Mutter, dass es sich um „übliche Schwierigkeiten“ handelte.

M. Weisler über ihre Tochter Maria

Marias Mutter beschreib ihre Tochter vor dem Verschwinden als „überdurchschnittlich weit für ihr Alter“, „zurückhaltend“, und „schüchtern, mit eher wenig Selbstvertrauen“. Sie hätte sich oft für Dinge verantwortlich gefühlt und hätte oft Angst, „jemanden auf dem Schlips zu treten“.

Die Familiäre Situation

Marias Mutter wird zur familiären Situation vor Marias Verschwinden befragt. Sie sagt, dass sie sie als eine „normale Familie“gesehen hat. Maria ist eines von insgesamt fünf Kindern. Sie lebte mit einem ihrer Brüder und ihrer Mutter in der gemeinsamen Wohnung in Freiburg. Zu ihren Schwestern habe sie laut ihrer Mutter keinen Kontakt. M. Beisler erklärt, dass Maria keinen Kontakt zu ihrem Vater, welcher ca. 30 Kilometer entfernt wohnt, gehabt habe. Dieser habe das Sorgerecht freiwillig abgegeben, so die Mutter. Maria hätte zwar oft versucht, mit ihrem Vater in Kontakt zu treten, jedoch hätte dieser sie immer wieder enttäuscht. Marias Eltern trennten sich kurz nach ihrer Geburt. Der Verteidiger spricht M. Beisler auf die schwierige Scheidung und den Heimaufenthalt von zwei ihrer Kindern an. Marias Halbgeschwister hätten der Mutter vorgeworfen, dass Maria sich zuhause nicht wohlgefühlt hätte.

Geschehnisse aus der Sicht der Mutter

M. Beisler äußert sich zu den vorherigen Geschehnissen, bevor Maria vermisst wurde. Sie betont, dass sie nicht mitbekommen habe, dass ihre Tochter Kontakt zu dem 40 Jahre älteren Mann hatte. Erst nachdem die Kriminalpolizei sie im Jahr 2011 über den Kontakt informierte, verweigerte sie Maria den Zugang zum Internet und verbot ihr, weiteren Kontakt mit Bernhard H. zu pflegen. Nach dem Einschreiten der Kriminalpolizei, dachte die Mutter: „Das wars.“

Doch sie lag falsch –  Maria und Bernhard H. trafen sich heimlich weiter, bis sie im am 04. Mai 2013 gemeinsam flohen. An diesem Abend gab Maria bei ihrer Mutter vor, bei einer Freundin zu schlafen. „Es war schon ein bisschen komisch“, als Maria sich nicht meldete und nicht nach Hause kam. Noch am selben Abend wurde die Polizei eingeschaltete, am nächsten Tag bestätigt die gute Freundin Marias der Mutter: „Der H. hat Maria“.

Bis zum August 2018 bleibt Maria verschwunden. „Es ist schon eine Nummer, nach fünf Jahren wieder nach Hause zu kommen“.

Das Wiedersehen sei „äußerst emotional“ gewesen, Marias Mutter hätte ihrer Tochter keine Vorwürfe gemacht, sie war in erster Linie erleichtert, dass ihre Tochter wieder da ist.

Auf die Frage, warum Maria wohl denn abgehauen wäre meint sie, dass diese sich in der Verantwortung für Bernhard H. und die allgemeine Situation gesehen hat, „darin war sie gefangen“. Auch sagt sie, dass das sicher ein „Fluchtreflex“ gewesen sei. Für Maria hätte es keine Möglichkeit gegeben, da „noch rauszukommen“, sie hätte völlig „kopflos“ gehandelt. Marias Mutter vermutet, dass Maria „anfangs von einer großen Neugierde einer 13-Jährigen, etwas Verbotenes zu tun“ getrieben wurde. Es wäre wie ein „Teufelskreis“ gewesen.

Wie ist die heutige Situation/ Wie geht es Maria heute?

Laut M. Beisler leidet die heute 19-Jährige häufig an „Flashbacks“ und Schlafstörungen. Sie erklärt, dass sich ihre Tochter in den fünf Jahren hauptsächlich von Wasser und Brot ernährte, weswegen sie jetzt ein anderes Verhältnis zu Lebensmitteln habe und mit diesen äußerst sparsam umgehen würde. Außerdem leide sie an der Schilddrüsen Krankheit „Hashimoto“, wegen welcher sie vor ihrem Verschwinden mit Medikamenten eingestellt war. Während der gesamten Zeit ihres Verschwindens habe Maria keinen Zugang zu Medikamenten erhalten.

 

Aussage Freundin M.

Als nächstes sagt die, nach eigener Einschätzung, ehemals beste Freundin Marias als Zeugin aus. Sie selbst ist 19 Jahre alt, genauso wie Maria. Sie fand es „krass“ als sie 2011 von dem Kontakt zwischen Maria und dem damals 50-Jährigen mitbekam. Jedoch habe sie Maria einfach „machen lassen“, man hätte es ihr ja nicht verbieten können.
Der vorsitzende Richter befragt die 19-Jährige zur häuslichen Situation ihrer damaligen besten Freundin. Die Zeugin gibt an, oft das Gefühl gehabt zu haben, dass Maria sich zuhause nicht wirklich wohl gefühlt habe. Als sie dann von dem Kontakt zu einem 40 Jahre älteren Mann erfahren hat, so die Zeugin, habe sie gedacht, Bernhard H. würde für Maria eine Art Vaterfigur darstellen. Sie habe über die Beziehung von Maria mit Bernhard H, den sie später „der Lisa“ nannten,  selten gesprochen. Für sie machte er einen „netten“ und „zuvorkommenden“ Eindruck, sie fühlte sich nicht von ihm „bedrängt“. Ob die beiden eine sexuelle Beziehung geführt haben, wäre ihr zum damaligen Zeitpunkt nicht bewusst gewesen.
Ab den Zeitpunkt des Verschwindens sei es zu keinerlei Kontakt zwischen Maria und ihrer besten Freundin gekommen. Das finde sie „echt schade.“ Nach Aufforderung des Richters gibt die Zeugin an, Bernhard H. auch persönlich kennengelernt zu haben. Genauere Angaben, z.B. wie oft sie den Angeklagten zusammen mit Maria getroffen habe, oder was sie unternommen haben, wisse sie jedoch nicht mehr.

Zu der Frage, was sie von Marias Verschwinden gehalten habe, sage die Zeugin aus „ich habe gedacht, sie weiß schon was sie tut“. Nachdem die Staatsanwältin, sowie Verteidiger und dessen Mandant Fragen an die Zeugin gestellt hatten, wurde diese entlassen.

Anschließend hat die Ex-Frau des Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit ihre Aussage gemacht.

 

Der nächste Verhandlungstag ist für Freitag, den 28. Mai 2019 angesetzt. Wir halten euch auf dem Laufenden!

Der erste Verhandlungstag

Beginn der Verhandlung

Die Verhandlung beginnt um 9 Uhr im zweiten Stock des Landgerichts. Seit 8 Uhr warten Zuschauer und Presse vor verschlossenen Türen.
Kurz nach dem eigentlichem Verhandlungsbeginn erfährt man, dass der Beschuldigte noch im Stau stünde – er ist derzeit in der JVA Karlsruhe untergebracht.
Als Maria H. in Begleitung ihrer Mutter den Verhandlungssaal betritt, ist der Andrang der anwesenden Kamerateams und Fotografen groß – sie wirkt souverän und unterhält sich mit den anwesenden Personen, darunter auch ihr Anwalt, der psychologischer Beistand und eine Vertreterin des Jugendamtes. Maria und ihre Mutter treten in diesem Fall als Nebenkläger auf.
Circa zwanzig Minuten nach dem eigentlichen Verhandlungsbeginn betritt nun auch Berhard H. den Saal – er ist in Begleitung eines Justizvollzugsbeamten, sowie seinem Verteidiger. Das Gesicht verdeckt sich der Beschuldigte mithilfe eines Aktenordners, auf welchem ein Foto mit zwei Händen, die ein Herz formen und einem Sonnenuntergang zu sehen ist, und einem Kaputzenpullover. Mehrere Minuten lang sitzt der Angeklagte, sein Gesicht schützend und umgeben von Kameras, da, wobei er zeitweise sogar weint. Er und Maria sitzen sich direkt gegenüber – die Stimmung ist bedrückend.

Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit

Zu Beginn der Verhandlung stellt die Verteidigung den Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit in dem Verfahren. Die Besucher und Presse müssen den Saal für 30 Minuten verlassen, bis die Kammer zu einem Beschluss kommt. Um 10 Uhr geht es weiter. Dem Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit zur Sache wird stattgegeben. Das heißt, dass Bernhard H. sich aus Gründern der Intim- und Privatsphäre, nicht vor der Öffentlichkeit zu der Sache äußern muss. Jedoch wird der Antrag auf einen kompletten Ausschluss der Öffentlichkeit abgelehnt.

Verlesen der Anklageschrift

Die Erste Staatsanwältin Nikola Novak verliest die Anklageschrift, in welcher die Vorgeschichte und Anklagepunkte detailliert aufgeführt werden.
Dabei geht es um die Besuche und heimlichen Treffen zwischen dem Beschuldigten mit Maria H in Freiburg. 
Die damals 11- jährige Maria und der 40 Jahre ältere Bernhard H. haben sich 2011 über ein Chatportal kennengelernt (wir berichteten). Seine damalige Ehefrau hatte dies mitbekommen und ihr Wissen darüber im Jahr 2012 der Polizei gemeldet. Daraufhin wurde die Mutter von Maria H. über die Bekanntschaft informiert, jedoch kam es zu keinen weiteren Maßnahmen der Polizei. Marias Mutter verbot ihrer Tochter den Kontakt mit Bernhard H. und entzog ihr außerdem das Handy. Der Angeklagte besorgte ihr daraufhin ein neues Handy, damit sie weiter in Kontakt bleiben konnten. Die beiden haben sich bis zum Jahr 2013 immer wieder heimlich getroffen. Dabei soll es auch zu sexuellen Handlungen gekommen sein. Das letzte Treffen fand in einem Freiburger Hotel am 04. Mai 2013 statt. Aus Angst über das Wissen von Marias Mutter, beschlossen die beiden, ihre bereits vorher geplante Flucht in die Tat umzusetzen. Sie flohen von Deutschland über Polen, Ungarn bis nach Sizilien in Italien.

Aussage Bernhard H.

Nach dem Verlesen der Anklageschrift macht Bernhard H. Angaben über sein bisheriges Leben, bis zu dem Zeitpunkt der heimlichen Flucht mit Maria H.

Der am 30.12.1960 geborene Bernhard H. erzählt, dass er bis zu seinem dritten Lebensjahr auf einem Bauernhof in Nordrhein-Westfalen, ohne Heizung mit seinen Eltern und seinen 2 Geschwistern gelebt habe. Die Eltern hätten sich oft gestritten, so dass seine Mutter mit den Kindern zu der Oma in den Keller einer Waschküche gezogen sei. Der Partner der ebenfalls im Haus lebenden Tante soll ihn mehrfach verprügelt und geschlagen haben. Dabei habe er alles benutzt “was er bekommen hat”. Er erzählt über 45 Minuten lang Geschichten aus seiner frühen Jugend und dem mutmaßlichen Mord seines Bruders, der zeitweise in Peru lebte, zudem er jedoch keinen Kontakt pflegte. 

Bernard H. hatte immer wieder verschiedene Berufe, bis er im Jahr 1986 bei einer Elektonikfirma eingestellt wurde. Dort hat er bis zu seinem plötzlichen Verschwinden mit Maria gearbeitet.

Der Angeklagte spricht von seinem unerfülltem Liebesleben – vor und während der Ehe mit seiner Ex-Frau. Er habe drei Beziehungen mit Frauen geführt, die alle nicht wesentlich jünger waren als er. Diese haben jedoch nie lange gehalten. Seine Ex-Frau habe er ca. im Jahr 1989 kennengelernt, 1991 heiratete das Paar, woraufhin im Februar 1992 die gemeinsame Tochter zur Welt kam. Er betont zudem, dass sich  die Ehe mit seiner damaligen Frau schon früh auseinanderlebte. Die Eheringe seien seit 2007 auf dem Schrank gelegen, so H. Er habe sich nicht mehr zu Hause gefühlt und nur noch “funktioniert”. Als der Richter nachhakte, ob es je zu gewalttätigen Vorfällen gegenüber anderer Personen kam, verneinte H. dies. 

Auf die Frage, wie der Angeklagte sich seine Zukunft vorstelle, antwortet dieser, dass er gerne zu einem Kloster nach Italien ziehen würde. “Die beten jeden Tag für mich“, sagt er offensichtlich gerührt.
Bernhard H. und Maria hielten sich während ihres Italienaufenthalts in diesem Kloster auf. Er erzählt wie er dort zum katholischen Glauben fand und von einer Geschichte, als er sein verwundeten Arm unter eine Quelle des Klosters hielt und dieser geheilt wurde. Somit hat er “wieder zu Gott gefunden”. Diesen hatte durch seine streng religiöse Mutter verloren.
 Zudem würden ihn die Menschen in Deutschland als “Kinderschänder” sehen, daher wäre ein Leben in Deutschland nicht möglich. Am Ende der Aussage betont H., dass egal wie es ausgeht, seine Arme immer offen für Maria sein werden.

 

 

Foto-Credit Titelbild: StadtBESTEN