9. Juli 2019

Der Vermisstenfall Maria H. – Das Urteil

Heute, am 09. Juli 2019 fiel im Freiburger Landgericht das Urteil im Fall der fünf Jahre lang vermissten Maria H. gegen den Angeklagten Bernhard H..

Die große Kammer des Landgerichts Freiburg beschloss gegen den Angeklagten Bernhard H. eine Haftstrafe von sechs Jahren, ohne anschließende Sicherheitsverwahrung. Die Haftstrafe besteht aus fünf Jahren für die Schuld und die Tat an sich, und weiteren, mehreren Einzeltaten. Insgesamt kommt man somit auf eine Haft von sechs Jahren. Die Überzeugung der Kammer beruhe, laut dem vorsitzenden Richter Wieland, auf dem weitestgehend abgelegten Geständnisses des Angeklagten. Zudem kommt, dass Bernhard H. noch nicht vorbestraft war. Des Weiteren könne sich die Kammer auf die Aussage von Maria H. stützen, welche den Sachverhalt bestätigt habe. Ihre Aussagen in der Vernehmung und in der Hauptverhandlung erschienen glaubhaft, so Wieland. Sie habe immer wieder deutlich gemacht, dass der Angeklagte nie etwas gegen ihren Willen gemacht habe. Trotzdem habe sich der Angeklagte in 98 Fällen des schweren sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht.

Laut der Kammer wollte Bernhard H. das Vertrauen von Maria gewinnen und sie immer mehr von ihrer Mutter und ihrer Familie entfernen. Er versuchte sich als „Ansprechpartner“ und gab sich „devot“. Laut der Kammer sei Maria abhängig von dem Angeklagten, welcher auf der Flucht die Entscheidungen traf, gewesen. Jedoch habe Bernhard H. eine enge, geistige Zuneigung zu Maria entwickelt, welche auch nach der Zeit der sexuellen Handlungen anhielt. Er wollte an diesem „Lebensabschnitt“ festhalten, so Wieland.

Bernhard H. wird wegen Entziehung und schwerer Entziehung einer Minderjährigen verurteilt. Er habe „die konkrete Gefahr der seelischen Entwicklung“ Marias in Kauf genommen. „Er hätte alles dafür getan, sie von ihrer Familie zu isolieren und vergessen, dass es sich bei Maria um ein Kind handelt“, so der vorsitzende Richter. 

Eine Sicherheitsverwahrung sei nicht anzuordnen. Der zuständige psychiatrische Sachverständige verneinte die zukünftige Wahrscheinlichkeit einer erneuten Tat. Da Bernhard H. bislang noch nicht vorbestraft war, sähe der Sachverständige keine intensive Neigung zu Rechtsbrüchen. Zudem gehe der Sachverständige von einer narzisstische Persönlichkeitsstruktur, einer emotionalen Mangelsituation in der Kindheit und von einem erhöhten Bedürfnis an Anerkennung beim Angeklagten aus. Des Weiteren betonte der vorsitzende Richter, dass der Angeklagte bei Entlassung über 60 Jahre alt sein wird und ein erneuter Vorfall eher „außergewöhnlich“ wäre. Zudem sei der Angeklagte kein Hangtäter, wodurch die Gefährlichkeitsprognose nicht zu bejahen sei.

 

Der Angeklagte hat nun die Möglichkeit Revision einzulegen. Falls es Neuigkeiten zu dem Fall gibt, werde wir euch darüber informieren!

 

Foto-Credit Titelbild: StadtBESTEN