Der Totengräber und die Kröte

Dieser seltsame Schädel ruht am Fuße des Friedhofskreuz des Alten Friedhof. In einer Schädelhälfte hockt eine Kröte, die Schläfe auf der anderen Seite steckt ein Nagel. Dahinter verbirgt sich eine morbide Geschichte.

Verfall und Fäulnis

Der Alte Friedhof in Freiburg, im Jahre des Herrn 1639.

Die meisten Menschen waren überzeugt, auf dem Friedhof fände man nur Tod und Vergänglichkeit. Dass sie diesen Unfug glaubten, lag daran, dass sie den Ort mieden, an dem die Verstorbenen ihre letzte Ruhestätte fanden. Niemand wusste das so genau wie Janus, der Totengräber, den die Freiburger nicht weniger mieden als seinen Arbeitsplatz. In der Erde eines Grabes wimmelte es nur so von Leben – auch wenn es die Art von Leben war, die man als Bürger einer Stadt gerne mied. Würmer, Ratten, Maden – Ungeziefer für die meisten, für Janus aber eben auch Leben.

Wenn er mit dem Spaten in die Erde stach, sah er sich vor, keine Tiere zu verletzen. Meistens klopfte und stampfte er auf die Gräber ein, um ihre Bewohner zu warnen. Das seltsame Bild, das er dabei unweigerlich abgab, mochte mit Grund sein, dass ihm die anderen Menschen aus dem Weg gingen. Janus, der schon seit frühster Kindheit stotterte, fand das nicht weiter schlimm. Er genoss die Stille bei seiner Arbeit. Zurzeit gab es für den Totengräber jede Menge zu tun. Die alten Gräber auf dem Friedhof mussten ausgehoben werden, um Platz für neue Leichen zu schaffen.

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