Der Tod des Bertholds des III.

Der Gründer von Freiburg Berthold der Dritte, nachdem der Bertoldsbrunnen benannt ist, fand im Jahre 1122 einen gewaltsamen Tod. Was genau vorgefallen sein soll, erzählen wir euch in diesem Mythos.

Ein Knecht der lesen kann

Freiburg auf der Burg der Zähringer, im Name des Herrn 1122.

Als es gegen die Türe der kleinen Kammer hämmerte, fuhr Tillmann so rasch hoch, dass der Kerzenstummel vor ihm erlosch. Eine der unzähligen Pergamentrollen, die auf dem kleinen Schreibpult ausgebreitet waren, klebte dem jungen Pagen an der Wange. Hastig zog Tillman das Blatt ab und strich es glatt. Ein wenig Speichel aus seinem Mundwinkel hatte einen Fleck direkt unter den Namen ganz rechts auf dem Stammbaum hinterlassen. Mit seinem Hemdärmel tupfte Tillmann ihn behutsam trocken. „Bist du soweit, Bengel?“ plaffte Wilbert. Der dicke Soldat war eifersüchtig auf die Gelegenheit, die sich Tillmann bot und scherte sich deswegen nicht darum, dass er den Jungen offenkundig geweckt hatte.

Der Page, der einst als Stalljunge am Hofe des Herzogs begonnen hatte, wandte sich dem Soldaten zu und wischte sich den Schlaf aus den Augen. Ohne zu überlegen, deutete er auf den Stammbaum, auf dem er ungewollt genächtigt hatte. „Heinrich der Schwarze, auch Heinrich der Welf und der Neunte seines Namens, Herzog von Bayern. Er ist der Vater unserer geliebten Herzogin, Sofie von…“ Wilbert unterbrach den Redeschwall des Jüngling, indem er ihm einen Bündel frischer Kleidung vor die Füße warf. „Jaja, ist ja gut, du Naseweis. Zieh dich um und kämm dir die Haare – siehst immer noch aus wie ein Knecht. Die Pferde sind gesattelt. Der Herzog will noch vor Morgengrauen aufbrechen.“ Rasch begann Tillmann sich neu anzukleiden und murmelte dabei halblaut: „Nenn mich ruhig einen Knecht, Willi. Ich habe dir eines voraus – ich kann lesen!

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