Der Erpel

Die Bombennacht vom 27. November 1944 forderte unzählige Opfer in Freiburg. Wie ein Erpel zum Lebensretter wurde, erzählen wir euch in diesem Mythos.

Nachtwache

Am Rande des Stadtgartens Freiburg, am Abend des 27. November 1944.

Freiburg schien nur noch aus Alten, Frauen und Kindern zu bestehen. Tagsüber herrschte schweigsame Geschäftigkeit in den Straßen. Abends trieb die Angst die Einwohner in ihre Wohnungen. Heute waren keine Wolken am Himmel zu sehen – das war besonders gefährlich. Das „Bombenwetter“ musste in Kriegszeiten allzu wörtlich genommen werden und war deswegen kein Anlass zur Freude. Durch die Fenster blitzten die Sterne in die kleine Wohnung im Erdgeschoss, der Mond war nur eine dünne Sichel. Heinrich war von seinem eigenen Magenknurren aufgeschreckt worden. War er schon wieder eingenickt? Der Vierzehnjährige hatte sich vorgenommen, den Abendhimmel im Auge zu behalten, obwohl seine Großmutter immer wieder gesagt hatte, dass das nicht nötig sei. Wenn Gefahr drohe, betonte sie, würden die Sirenen sie wecken und sie könnten sich in denLuftschutzbunker am Fuße des Schlossbergs zurückziehen. Wach zu bleiben, das war in den Augen der Alten ein überflüssiges Unterfangen. „Man verschläft die Sirenen nicht,“ sagte sie immer. Heinrich hatte trotzdem versucht wach zu bleiben – doch jetzt fielen ihm die Augen zu. Immer und immer wieder.

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