19. Mai 2015

Das tapfere Schneiderlein und die Fliegen

„Elton John“, „Romance“, „Medusa“ oder „4 Season Bonsai“ – es sind nicht US-amerikanische Promis gewesen, die sich dafür entschieden haben, ihre Kinder so zu nennen. Tatsächlich war es ein junger Designer aus dem Freiburger Umland. Vielleicht gehen sie ihm deswegen jetzt an den Kragen…

"Es gibt viele Designer. Mit Sicherheit auch welche, die besser sind. Aber niemand steckt so viel Herz in seine Produkte, wie Ich."

„Es gibt viele Designer. Mit Sicherheit auch welche, die besser sind. Aber niemand steckt so viel Herz in seine Produkte, wie Ich.“

Der junge Designer heißt Karl „Charly“ Sütterlin. Mehr könnten ihn unter den Namen „Hans Hermann“ kennen – so heißt nämlich sein neugegründetes Label. Es spezialisiert sich auf „Gentlemen’s Equipment“, genauer gesagt auf das Einstecktuch und den Querbinder (besser bekannt als „Fliege“). Mittlerweile kommt die Kundschaft schon aus London geflogen, um sich mit seiner Ware einzukleiden. Doch wie kam es dazu?

Charly ist in Mengen bei Schallstadt im Freiburger Umland aufgewachsen. Später lebte er im Ausland, wo er sich im Mode-Design ausbilden ließ. Zurück in Deutschland, arbeitete er in einem großen Freiburger Modehaus im Verkauf.
In dieser Zeit trat eine schwere Erkrankung des  Vaters in die Welt des Designers und prägte ihn stark.
„Das Herstellen der Fliegen war eine Unterstützung, mit der Situation zurecht zu kommen. Fliegen und Einstecktücher lassen sich für Kleidungsstücke relativ schnell anfertigen. Das hilft.“, so Charly.
„Hans Hermann“, gewidmet und benannt nach dem Vater, wurde geboren. Die Kreativität und das Talent des 25-jährigen blieben nicht unentdeckt und schon bald meldete sich die Presse bei ihm. Spätestens als sie ihn fragten, ob man ihn mal in seinem Atelier besuchen könnte war klar, dass es Zeit wurde, seine Produktion vom elterlichen Hausflur weg zu verlagern.

Charly schnappte sich ein altes Haus aus dem Dorf und erfüllte sich in wochenlanger Renovierungsarbeit seinen Kindheitstraum und startete das Projekt „Lifestyle-Haus“. Ein Tätowierer, ein Longboard-Label und Hans Hermann bieten seit Anfang diesen Jahres im Hundert-Seelen-Dorf Mengen Urbanität, Trend und einen Lifestyle, von der sich so manche Großstadt eine Scheibe abschneiden kann.

Designer Daniel Simon hatte Hand an das Logo angelegt.

Der Bremer Grafiker Daniel Simon entwarf das Logo.

Mit Erfolg:
Die Badische Zeitung schreibt Artikel, SWR dreht einen Bericht über ihn und das Freiburger Modehaus Kaiser S1 verkauft ab August Teile seiner Kollektion.

So scheint es, als ende das Märchen vom Tapferen Schneiderlein mit einem Hans im Glück.

Wie schön.

 

Mehr Infos zu Hans Hermann unter
www.hanshermann.com