30. Dezember 2019

Black face für Sternsinger?

6. Januar: Sie laufen wieder, die Sternsingerkinder. Fröhlich trällern sie uns ihre Liedchen und segnen unsere Häuser. Eine liebgewonnene Tradition. Für viele gehört es dazu, dass sich ein Kind dabei das Gesicht schwarz anmalt. Was hinter diesem Brauch steckt und warum dies ein kontroverses Thema ist, lest ihr hier.

Die Aktion Sternsinger ist nicht nur ein Spaß für die lieben Kleinen. Jahr für Jahr sammeln die Kinder Spenden für das Kindermissionswerk. Singen für einen guten Zweck also. Wer möchte, kann sich dann den Segen 20*C+M+B+18 mit Kreide auf seine Tür malen lassen. Die Buchstaben stehen für „Christus mansionem benedicat“ (wörtl. „Christus segnet das Haus“) und nicht wie oft fälschlicherweise angenommen für die Könige Caspar, Melchior und Balthasar. Die Heiligen Drei Könige dienen als Vorbild für die Verkleidungen der Sternsinger. Melchior (zuerst Caspar) wurde schon im 8. Jahrhundert dunkelhäutig dargestellt, denn die Könige sollten die damals bekannten Erdteile Asien, Europa und Afrika symbolisieren. Die Geburt Jesu sollte für alle Menschen die Verkörperung Gottes darstellen, gleich welcher Herkunft und Hautfarbe.

Caspar, Melchior und Balthasar stehen für die Verbreitung des Weihnachtsgedankens in alle Welt.

Wenn die Sternsinger also von Haus zu Haus ziehen, wollen sie die Weihnachtsbotschaft jedem Menschen verkünden. Deshalb verkleiden sich die Kinder als Caspar, Melchior und Balthasar. Und daher rührt die Tradition, dass sich ein Kind als Melchior das Gesicht schwarz färbt. Für die Kinder ist dies lediglich eine Maskerade. Den Erwachsenen sollte die Aufgabe obliegen, den Sternsingern zu erklären, dass dieses Schwarzschminken ein kontroverses Thema darstellt und für viele Menschen schlichtweg beleidigend oder rassistisch wirkt.

Neben dieser persönlichen Haltung, kann diese Maskerade aber auch an das „Blackfacing“ erinnern. Dieses entstand im 19. Jahrhundert in den rassistisch geprägten Vereinigten Staaten von Amerika zu der Zeit als Afrikaner zur Sklaverei regelrecht importiert wurden. Weiße Menschen spielten dabei in abwertender Weise einen schwarzen und bemalten sich das Gesicht.

Traditionen hin oder her, jeder sollte sich bewusst sein, ob er mit seinen Taten eventuell andere Menschen, wenn auch ohne Absicht, beleidigt oder angreift.

Die Sternsinger laufen vielerorts seit Weihnachten und bis zum 6. Januar (oder auch noch länger) von Tür zur Tür, verbreiten ihren Segen und singen für Kinder in Not. Wer sich für die Spendenaktion interessiert, findet hier mehr Informationen.

 

Quelle: Sternsinger.de

Foto-Credit: Abbildung ähnlich