9 Fragen an Tobi Schabazki

Tobi Schabazki ist echter Schwarzwälder: Er ist in Titisee-Neustadt geboren und in Lenzkirch aufgewachsen. Heute betreibt er einen erfolgreichen Instagram-Kanal, auf dem ihn knapp 30.000 Menschen verfolgen. Wir haben mit Tobi über den Begriff des Influencers, sein bisheriges Leben und die enge Beziehung zur LGBTQ-Community gesprochen.

 

StadtBESTEN: Wieso und wann kamst du auf die Idee, einen Blog auf Instagram zu starten?

Tobi Schabazki: Mir hat damals eine Freundin von der Plattform Instagram erzählt. Zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht wirklich, was der Sinn dahinter sein soll, seine Bilder dort hochzuladen. Ich habe dann irgendwann begonnen, Bilder von mir und auch von Essen beispielsweise hochzuladen. Schnell habe ich gemerkt, dass das ein bisschen zu langweilig und somit nicht wirklich etwas Besonderes ist. Zu dem Zeitpunkt habe ich angefangen, nach Models in Freiburg zu suchen, habe viel fotografiert und dabei gemerkt, dass meine Bilder ziemlich gut ankommen.

Da kam mir dann schnell die Frage „wieso soll ich das nicht auch deutschlandweit machen?“ und habe mich dann auf eine Deutschlandtour begeben, um Fotoshootings zu machen. Unter anderem war ich in Hamburg, Düsseldorf, Bremen und Berlin, um dort einige Models zu fotografieren. So habe ich dann auch mein „Thema“ gefunden und zwischendurch auch hin und wieder Bilder von mir selbst hochgeladen. Da kam in den Kommentaren dann immer öfter die Frage nach dem „wer bist denn jetzt eigentlich du unter den ganzen Bildern?“ und so kam es dann Ende letzten Jahres wieder dazu, dass ich hauptsächlich Bilder von mir hoch lade. Ich stand schon immer gerne im Mittelpunkt und habe mich sehr für Mode interessiert – dass sich mein Kanal so entwickelt hat, kam einfach mit der Zeit.

Redaktionelle Anmerkung: Wir haben unterstehend eine Auswahl an Fotos, die Tobi schon gemacht hat. 

 

StadtBESTEN: Du bist in Lenzkirch im Schwarzwald aufgewachsen – wie viel Schwarzwälder steckt in dir?

Tobi Schabazki: Das ist eine ziemlich gute Frage! Meine Familie stammt zur Hälfte aus dem Schwarzwald und dadurch wird teilweise auch viel alemannisch geschwätzt (lacht). Ich musste aber schnell lernen, Hochdeutsch zu reden. Die Familie, mit der ich in meiner Kindheit gemeinsam mit meinen Eltern auch viel Zeit verbracht habe, spricht zum Beispiel nur reines Hochdeutsch.  Wenn ich da badisch geredet habe, wurde ich nicht immer verstanden. Ich fühle mich auf jeden Fall heimatverbunden: Es lebt sich hier gut, die Luft ist toll, man hat seine Ruhe. Die Fotoshootings passieren in der Regel in Großstädten und dann komme ich zurück aufs Land und habe dort meine Ruhe. Das ist schon toll! Wenn ich mich beschreiben müsste, würde ich wahrscheinlich nicht direkt sagen „Ich bin Deutscher“ oder „Ich bin Lenzkircher“, sondern einfach „Ich bin Schwarzwälder!“ (lacht).

 

Tobi Schabazki beim Fotoshooting in Saas-Fee in der Schweiz.

Tobi Schabazki genießt die Luft und die Ruhe in seiner Heimat, dem Schwarzwald. Auch in Saas-Fee fühlt er sich wie Zuhause. Foto-Credit: Max Isele

 

StadtBESTEN: Beeinflusst dich das  „Influencer-Dasein“ im Alltag? Nimmt es viel Zeit in Anspruch? 

Tobi Schabazki: Ich mache momentan viele verschiedene Projekte auf einen Schlag – wirklich viel Zeit für anderes ist da nicht. Aber schlussendlich ist das, was ich mache, ja auch Freizeit. Viele meiner Freunde beneiden mich und fragen dann „wie kommst du denn jetzt nach London und was machst du in Hamburg?“ und es macht ja auch wirklich viel Spaß. So gesehen ist es jetzt nicht wie ein klassischer Job. Natürlich nimmt es viel Zeit in Anspruch und ich denke, viele wissen das auch gar nicht. Aber ich überlege mir dann schon „was könnte gut ankommen?“ oder „mit welchen Models oder Unternehmen möchte ich mal zusammenarbeiten?“. Auch muss man Konzepte entwickeln und sich überlegen, wie das funktionieren könnte. Ich versuche auch, viel mit den Leuten auf Instagram zu interagieren und mich in den Kommentaren auszutauschen.

 

StadtBESTEN: Apropos, wer ist denn deine Zielgruppe auf Instagram? Was macht deinen Kanal aus? 

Tobi Schabazki: Ich bin da im Moment wieder in einer Findungsphase. Ich poste natürlich von mir und stelle Outfits zusammen, die ich dann präsentiere. Die „Hauptzielgruppe“ ist laut Instagram vor allem männlich und circa zwischen 18 und 34 Jahre alt. Ich habe eine ziemlich große Community in Brasilien, Amerika, dem vereinigten Königreich und Mexiko. Deutschland ist so gesehen gar nicht unbedingt die Zielgruppe. Das liegt sicher auch daran, dass ich einen großen Fokus auf die Schwulencommunity lege. Die versuche ich momentan auch wieder mehr einzubeziehen, weil ich mich jetzt eine ganze Zeit lang fast ausschließlich auf Fashion konzentriert habe. Die LGBTQ*-Community ist zwar eine verhältnismäßig kleine Community, aber dafür ist sie weltweit vernetzt, das ist wirklich schön.

*LGBTQ steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer.

 

Tobi Schabazki am CSD 2018. Bunte Fahnen, bunte Kostüme - und er mittendrin.

Tobi Schabazki wirkt auch am Christopher Street Day in Freiburg mit – vor und hinter der Kamera. Foto-Credit: Tobi Schabazki

 

Beim CSD 2018 lautet das Motto der Dragqueens: "Ausgrenzung und Diskriminierung haben in unserer Gesellschaft keinen Platz". Tobi Schabazki hält diese Aussage fest.

Vor allem die Dragqueens bereichern den CSD, findet Tobi Schabazki. Darum erst einmal Kamera zücken, Foto machen und den Tag mit der Truppe feiern. Foto-Credit: Tobi Schabazki

 

StadtBESTEN: Du hast die LGBTQ-Community bereits angesprochen – hast du das Gefühl, die Gesellschaft ist dem Thema gegenüber tolerant genug?

Tobi Schabazki: Da denke ich natürlich zuerst an mein Privatleben und als ich mein Coming Out hatte, waren meine Eltern erstmal total geschockt. Meine Mutter sagt bis heute noch sowas wie „…wenn deine Freundin mal kocht, lädst du uns zum Essen ein“ und dann schaue ich sie nur einmal kurz an und schon verbessert sie sich ganz schnell „…dein Freund“. Das ist tatsächlich noch nicht so ganz im Kopf verankert. Ich denke auch, dass das ganze Thema für viele Menschen noch immer nicht „normal“ ist.

Bei meinem Coming-Out habe ich mir gar keine Gedanken darüber gemacht. Ich habe mich schon gefragt, wieso ich mich viel eher zu einem Mann hingezogen fühle, obwohl ich doch eigentlich Mädchen gut finden sollte. Aber dann dachte ich mir „vielleicht ist das ja gar nichts Schlimmes – schlussendlich ist es doch auch nur ein Mensch“. Allerdings habe ich mich auch schon mit Menschen konfrontiert gesehen, die mein Coming-Out nicht willkommen geheißen haben oder Dinge gesagt haben wie „das ist doch eine Krankheit“, „dafür kommt man in die Hölle“ – diese Gedanken sind für mich natürlich total überholt. Inzwischen lache ich über so etwas!

 

StadtBESTEN: Welche Visionen hast du? In Bezug auf deinen Kanal, aber auch darüber hinaus?

Tobi Schabazki: Ich finde von Kampagnen kann man nie genug bekommen – man hat ein Projekt und am Ende ein fertiges Resultat, das jeder sehen kann. Natürlich kommt man bei diesen Projekten auch viel rum und lernt Leute kennen, mit denen man dann vielleicht auch langfristig Kontakte knüpft. Das ist für mich auch ein Stück weit der Sinn des Lebens. Ich will viel von der Welt sehen und viele Leute kennenlernen. Auch neben den Kampagnen habe ich mir fest vorgenommen, gewisse Ziele zu erreichen bei denen ich sagen kann „Ja, das bin ich!“. Das sind keine konkreten Pläne, da lasse ich mich im Moment noch ein bisschen treiben. Was auf jeden Fall schön wäre: Irgendwann eine Art Vorbildfunktion für die LGBTQ-Communtiy zu übernehmen. Ich denke in puncto Toleranz sind wir gesellschaftlich noch nicht unbedingt im 21. Jahrhundert angelangt. Da ist auf jeden Fall noch einiges möglich!

 

StadtBESTEN: Was ist dein Tipp? Wie bleibt man als „Influencer“ authentisch? 

Tobi Schabazki: Ich bezeichne mich in erste Linie gar nicht als Influencer. Das klingt für mich direkt nach einer Person, die einfach nur viele Abonnenten hat. Viele nutzen das dann, um Werbung für alles Mögliche zu machen – das finde ich persönlich sehr unecht. Da geht es dann hauptsächlich um Geld und nicht mehr um die Community. Ich habe auch schon Kampagnen gemacht, aber die waren sorgfältig ausgewählt und ich habe mich vorher gefragt „gefällt mir das wirklich?“. Schlussendlich ging es bei allen Kampagnen um Mode, die mir gefällt. Sprich: Ein zeitloser, klassischer Stil, den ich gerne auch mit etwas lässigeren Teilen und schönen Accessoires kombiniere. Das ist etwas, wo ich wirklich dahinterstehen kann und mich authentisch fühle.

 

Das sind die Models für die bevorstehende Fashion Kampagne: Felix Meyer und Tobi Schabazki. Foto-Credit: Max Isele

Tobi Schabazki und Felix Meyer (links) für eine Fashion Kampagne am Buckingham Palace in London. Foto-Credit: Max Isele

 

Für die Marke Bromwick hat Tobi Schabazki 2018 gemodelt.

Tobi Schabazki für die hochwertige Uhrenmarke Bromwick. Foto-Credit: Max Isele

 

StadtBESTEN: Hast du ein Vorbild oder eine Person, die dich inspiriert?

Tobi Schabazki: (Überlegt kurz) Ich lasse mich gerne inspirieren und nehme viel von anderen Menschen mit, aber ein Vorbild habe ich nicht direkt. Allerdings gibt es einige Menschen, die ich kennengelernt habe und die viel in meinem Leben verändert bzw. es positiv beeinflusst haben. Da gehört für mich auf jeden Fall auch Max Isele dazu, ohne den zum Beispiel auch mein Instagram-Kanal nicht so aussehen würde, wie jetzt. Wir arbeiten viel zusammen an Kampagnen und verstehen uns auch darüber hinaus sehr gut. Genauso ist das mit Sebastian Kabis, der mir schon oft geholfen hat, die Kampagnen umzusetzen. Das ist schon toll, wenn man Leute hat, die einen so unterstützen und mit deren Hilfe man eben immer wieder gepusht wird. Genauso bin ich vielen Leuten aus der „Gay“-Community dankbar – dafür, dass sie authentisch sind und dazu stehen, wer sie sind.

 

StadtBESTEN: Ein Ausblick in die Zukunft – Was sind deine Pläne für die nächste Zeit?

Tobi Schabazki: Ich bin selbst gespannt, wo ich in fünf Jahren stehe. Ich könnte mir durchaus auch vorstellen, mal mit ein paar Freiburger Modehäusern zusammenzuarbeiten oder auch mit anderen Influencern und Bloggern aus Freiburg. Auch mit einer Gruppe aus der Gay-Community kann ich mir gut vorstellen, etwas auf die Beine zu stellen. Sei es einen Podcast zu machen oder einen Blog zu schreiben. Aber nicht nur im Raum Freiburg kann ich mir Kooperationen vorstellen, sondern auch auf nationaler und internationaler Ebene wie bisher auch. Ich denke, an Ideen mangelt es mir nicht. Die Zeit für die Umsetzung ist natürlich begrenzt. Ich bin auf jeden Fall offen und freue mich auf alles, was kommt!

 

Wir bedanken uns bei Tobi Schabazki für das tolle Gespräch und sind gespannt, was wir zukünftig von ihm hören werden!

 

Foto-Credit Titelbild: Max Isele