12. April 2019

9 Fragen an Jan Ehret zu KINKY Galore in Freiburg

Heute Abend steigt wieder die legendäre KINKY Galore by und mit Jan Ehret in Freiburg. Wir haben den DJ vorab zu einem Interview getroffen.

StadtBESTEN: Was ist das Konzept von KINKY Galore?

Jan Ehret: Das Genre von KINKY Galore nennt sich Sex Positive. Früher gab es klassische Fetisch-Partys, die waren aber meistens sehr hart und nicht wirklich ästhetisch. So wird unsere Veranstaltung nicht – der künstlerische und ästhetische Faktor ist mir sehr wichtig. Es wird zwar einen Bereich geben, wo sich die Gäste, wenn sie möchten, vergnügen können. Hauptsächlich geht es aber darum, aufgeschlossene und gleichgesinnte Menschen kennenzulernen. Das Oberthema ist Hedonismus – einfach das Leben genießen und frei leben, was gerade hier in Freiburg extrem gut ankommt. 

 

StadtBESTEN: Was versprichst du dir von der Party?

Jan Ehret: Wir erwarten einen vollen Club. Es haben sich Gäste aus Südfrankreich angemeldet. Auch Leute aus Luzern, Frankfurt, Bern, Zürich und Stuttgart werden kommen.

 

StadtBESTEN: Was kannst du Gästen an die Hand geben, die noch nie auf einer KINKY Party waren und für die der heutige Abend eine Premiere sein wird?

Jan Ehret: Viele haben erstmal Angst. Diesen Personen sage ich immer: Schau es dir einfach mal an. Es gibt ein riesengroßen Loch in der Wand – das nennt man Tür – wo man ja einfach auch wieder gehen kann. *lacht* Im Endeffekt ist es eine Party mit sexy angezogenen und offenen Leuten. Die Frauenquote ist immer unglaublich hoch, wir steuern das nicht bewusst, es passiert einfach so. Selbst in Berlin kommen mehr Frauen als Männer. Bei jeder Party stehe ich selbst an der Tür und begrüße die Leute persönlich mit einem kleinen Welcomedrink. Die Meisten sind ja auch aufgeregt, deswegen ist für mich der persönliche Kontakt sehr, sehr wichtig.

 

StadtBESTEN: Möchtest du mit deinen Partys mit irgendwelchen Vorurteilen aufräumen?

Jan Ehret: Ich könnte zwar mit gewissen Vorurteilen aufräumen, aber ich sehe mich nicht auf der Mission, Leute von irgendetwas überzeugen zu müssen. Es gibt immer diejenigen, die sagen: Was ist das denn für eine Party? Warum kostet die jetzt 15 Euro Eintritt? Aber wenn es jemand schmuddlig oder kacke findet, ist es ja auch okay – dann kann man ja auch daheim bleiben und einen Abend auf der Couch verbringen. Deswegen sehe ich es eher entspannt und sage: Entweder du kommst oder du kommst nicht. Mir ist es wichtig, dass die Leute nicht das Gefühl haben, dass man an ihnen zerrt, wie das bei normalen Veranstaltungen auch mal Fall ist, sondern dass  sich wirklich aktiv bemühen müssen, reinzukommen. Deswegen kommen sie auch mit einem ganz anderen Gefühl zu uns. Und wenn du das richtige Publikum hast, kann der Abend nur gut werden.

 

StadtBESTEN: KINKY Party in Freiburg – kann unser beschauliches Freiburg mit Berlin mithalten?

Jan Ehret: Ja, total! Ich spiele mega gerne in Freiburg, einfach weil es meine Heimat ist und auch immer viele Freunde und Bekannte kommen. Für mich ist es wie ein Heimspiel und es macht mir mindestens genauso viel Spaß wie in Berlin. Von den Leuten ist es einfach extrem geil, weil alle so unfassbar dankbar sind, dass sie mal wieder ausgelassen feiern können. Bei den letzten Veranstaltungen hat, glaube ich, niemand den Raum verlassen, ohne sich nicht nochmal persönlich für den Abend bedankt zu haben.

 

StadtBESTEN: Was war dein abgefahrenstes Erlebnis bei einer KINKY-Party in Freiburg?

Jan Ehret: *lacht* Es gab schon ganz viele besondere Erlebnisse, die meisten davon sind sexueller Natur. Aber ich muss natürlich Diskretion wahren. Die Fotos auf meiner Seite geben einen ganz guten Eindruck darüber, welche Atmosphäre bei den Partys herrscht. Die Leute vergnügen sich hier schon, aber das ist nur ein kleiner Teil.

 

Foto-Credit: StadtBESTEN

 

StadtBESTEN: Wieviel Jan Ehret steckt in der KINKY Party?

Jan Ehret: Es gibt „Jan Ehret privat“ und „Jan Ehret – die Kunstfigur“. Jan Ehret mit dem roten Strich im Gesicht ist die Kunstfigur, die sich aber natürlich schon sehr von meiner Privatperson unterscheidet. Ich führe ein ziemliches Doppelleben. An den Wochenenden lege ich in den verschiedensten Städten auf. Und von Montag bis Freitag bin ich wirklich nur Familiendaddy. Dann muss auch ich morgens um sechs Uhr aufstehen und Windeln wechseln. Und die älteren Kinder sagen mir drei mal am Tag wie peinlich ich bin – das grounded mich dann auch wieder ganz gut.

 

StadtBESTEN: Wie ist deine Meinung zur Partyszene in Freiburg generell?

Jan Ehret: Es ist extrem schade, wie sich die Partyszene in Freiburg entwickelt. Mein Weggang aus Freiburg hat vielleicht auch ein bisschen dazu beigetragen. Viele denken vielleicht, dass es sich um ein Freiburg-spezifisches Phänomen handelt. Aber Clubsterben ist tatsächlich ein Trend, den man in ganz Deutschland beobachten kann.

 

StadtBESTEN: Wie erklärst du dir diese Entwicklung? 

Jan Ehret: Ich denke, dass es vor allem etwas mit Social Media zu tun hat. Wenn man früher jemanden kennenlernen wollte, musste man in einen Club gehen. Heute schmeißt man Tinder an. Aber natürlich kommen viele verschiedene Faktoren zusammen: Als wir noch das Kamikaze hatten, konnten wir beobachten, dass teilweise ganze Subkulturen aussterben. Gegen Ende meiner Zeit in der Schmitz Katze hatten die Leute zwar Bock auf gute Musik, aber waren einfach nicht bereit, dafür Geld auszugeben. Ob der DJ Solomun oder Hans Wurst hieß, war eigentlich egal, solange es nicht zu viel kostete. Dazu kommt, dass die Bookings immer teurer werden, unter anderem wegen der Amerikaner, die gemerkt haben, dass deutscher Techno auch geil ist. Und die Mieten sind einfach krass hoch. Als Clubbetreiber muss man sich die ganze Zeit den Arsch aufreißen und überall sparen – dafür braucht man eine echt große Motivation. Die Leute sind eher bereit, ihr Geld für große Events auszugeben, nicht für das wöchentliche Clubfeiern.

 

Wir danken Jan Ehret für das Gespräch und wünschen allen Gästen eine unvergessliche Party!

 

Weitere Infos zur Veranstaltung findet ihr hier!

Foto-Credit: StadtBESTEN