2. Juli 2019

9 Fragen an eine Freiburger Bademeisterin

Retter in Not und Alleskönner? Ohne sie läuft nichts!
Wir haben eine Bademeisterin des Lorettobads in Freiburg zu ihrem Beruf und ihren Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag in einem Freiburger Freibad befragt.

StadtBESTEN: Frau Schmidt was gehört zu Ihren Aufgabenbereichen?

Frau Schmidt: Zu den typischen Aufgaben eines Bademeisters gehört natürlich die Beaufsichtigung der Badegäste, sprich der klassische Aufsichtsdienst. Wir achten darauf, dass die Haus- und Badeordnung eingehalten wird, um so einen reibungslosen Badebetrieb zu gewährleisten. Zudem gehören die Überwachung der technischen Anlagen und der Wasserqualität, sowie die tägliche Durchführung von Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten dazu, ebenso wie die Pflege und Wartung der Einrichtungen und der Gebäude, sowie deren Freiflächen und Grünanlagen. Da es bei uns auch nicht ohne „Bürokram“ geht, gehören Verwaltungsarbeiten mit zum täglichen Geschehen. Auch die Durchführung von Aqua- und/oder Schwimmkursen ist bei uns immer mehr im Kommen.

 

StadtBESTEN: Warum sind Sie Bademeisterin geworden und was finden Sie an diesem Job am besten? 

Frau Schmidt: Mein Traumjob war es zu Beginn nicht, wenn ich ehrlich bin. Auf meinem Plan stand ursprünglich Fotolaborantin. Durch die damals beginnende Digitalisierung geriet mein der aber schnell ins Wanken und ich musste mich neu orientieren. Was nun? Damals war ich im Schwimmverein und dachte dann: „Hey Tina, Wasser ist dein Element, da fühlst du dich wohl. Such dir eine Ausbildung im Schwimmbad.“ So habe ich den Beruf des Schwimmmeistergehilfen für mich entdeckt.

Was ich am besten find in meinem Job? Es ist das ganze Paket! Ich könnte mir keinen anderen Job vorstellen, den ich bis zur Rente machen wollte. Es ist von allem was dabei: Zeit in der Technik für Filterspülungen, Chlor messen und Reparaturarbeiten. Büroarbeiten wie Bestellungen, Stundennachweise schreiben oder Personalplanung. Kassendienst, Aufsichtsdienst, Reinigungsarbeiten, Kundenkontakt. Das passt prima für mich!

 

StadtBESTEN: Retter in der Not! Kann man sich das vorstellen wie bei Baywatch? Wie oft müssen Sie jemanden aus dem Wasser ziehen?

Frau Schmidt: Ich stelle es mir gerade vor. Tief ausgeschnittener Badeanzug, Rettungsboje unter den Arm geklemmt und in Zeitlupe zum Verletzen rennen. Herzallerliebst (lach). Zum Glück kommen solche Rettungsaktionen bei uns nicht so häufig vor. In dieser Saison gab es bisher – toi toi toi – keinen Rettungseinsatz.

 

StadtBESTEN: Was ist der häufigste Einsatz den Sie haben?

Frau Schmidt: Was immer geht sind Pflaster, Bienenstiche und Fundsachen.

 

StadtBESTEN: Was machen Sie außerhalb der Freibadsaison?

Frau Schmidt: Außerhalb der Freibadsaison haben wir zuerst den Herbst, der mächtig viel Laub mit sich bringt. Die Bänke brauchen einen neuen Anstrich? Die Holzfassade eventuell auch?

Im Winter, wenn es dann richtig kalt ist, mache ich auch gerne Vertretung in einem Hallenbad. Im Frühjahr beginnen dann schon die Revisionsarbeiten mit verschiedenen Firmen und das Aufrüsten beginnt dann auch schon wieder im Februar/März.

 

StadtBESTEN: Wie sehen Sie aktuell den Stand von Bademeistern? 

Frau Schmidt: Des einen Freund des andern Feind… In der heutigen Zeit, in der immer weniger Menschen schwimmen können, denke ich, wichtiger den je!

 

StadtBESTEN: Als strenger Spielverderber? Wie werden Sie von den Freiburger Badegästen gesehen?

Frau Schmidt: Da ich in der Verantwortung stehe und einen geregelten Badebetrieb gewährleisten möchte, kann es schon sein, dass ich von den einen oder anderen Badegästen als Spaßbremse betrachtet werde.

 

StadtBESTEN: Welches Verhalten nervt Sie an den Badegästen am meisten?

Frau Schmidt:

Nur ein paar Beispiele für „Bademeister-Aufreger“:

Badegäste, die zehn Minuten nach Kassenschluss noch rein wollen: „Ich wollte doch nur zwei Bahnen schwimmen.“

Badegäste, die vor dem Schwimmen nicht duschen mit dem Argument „Ich habe doch zuhause geduscht“.

Badegäste mit Unterwäsche unter der Badekleidung, mit der Aussage „Die habe ich heute frisch angezogen.“

Badegäste, die im Kinderbereich rauchen.

Eltern, deren Kinder „groß“ ins Becken gemacht haben und sich nicht beim Bademeister melden.

„Der Bademeister letzte Woche hat mir das aber erlaubt.“

 

StadtBESTEN: Wünschen Sie sich nicht auch manchmal einfach ins Becken springen zu können? Oder sogar schon mal gemacht?

Frau Schmidt: Bei den momentan herrschenden Temperaturen, habe ich da auf jeden Fall schon drüber nachgedacht. Gemacht habe ich es aber nicht. Weiße Shirts und Wasser sind eher unpraktisch, gerade als Frau. Ich springe nur rein, wenn ich muss oder vor beziehungsweise nach der Arbeit.

Vielen Dank für diesen Einblick! Auf eine gute Freibadsaison!

 

 

Foto-Credit Titelbild: Freiburger Stadtbau GmbH