13. August 2019

9 Fragen an die HSG Damenmannschaft „Red Sparrows“

Letzte Woche durften wir die "Red Sparrows" bei ihrem Training in der Gerhard-Graf Sporthalle in Freiburg besuchen. Die Frauen Handballmannschaft des HSG Freiburg wurde letzte Saison Meister und schaffte somit den Aufstieg in die 2. Handball-Bundesliga. Ab September tourt die Mannschaft durch ganz Deutschland, mit dem Ziel des Klassenerhalts. Wir haben für euch bei Kapitänin Carolin Spinner und der sportlichen Leitung Gisela Schorlitz zu den neuen Herausforderung nachgefragt.

StadtBESTEN: Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg in die 2. Bundesliga! Was glaubt ihr denn, was euch zum Aufstieg verholfen hat?

Carolin Spinner: Insgesamt spielen 17 Mädels in unserem Kader und durch diese Breite hatten wir viele Wechselmöglichkeiten im Team. Außerdem haben wir letztes Jahr eine überragende Abwehr gestellt, was dann am Ende wahrscheinlich auch der Schlüssel zum Erfolg war.

Gisela Schoritz: Der Zusammenhalt im Team ist einfach überragend! Jeder kämpft für den anderen – wenn einer einen Fehler macht, haut sich der andere rein. Zudem hatten wir letzte Saison auch sehr wenig mit Verletzungen zu kämpfen. 

 

StadtBESTEN: Wer sind eure größten Supporter?

Gisela Schoritz: Wir blühen richtig auf, wenn die Halle bei einem Spiel voll ist. Unsere Fangemeinschaft und vor allem auch die Footballer „Sacristans“ aus Freiburg unterstützen uns jedes mal – das ist ganz cool! Dann natürlich auch Leute aus dem eigenen Verein, Familie und Freunde, die uns anfeuern. Wenn die Halle voll ist, ist das einfach das Größte! Im Laufe der letzten Saison, als es um Platz eins ging, wurden die Ränge immer voller – das hat echt Spaß gemacht.

 

Co-Trainer Markus Lais beim Training mit den „Red Sparrows“. Foto-Credit: StadtBESTEN

 

StadtBESTEN: Wie lange spielt ihr schon Handball und habt ihr schon immer in dieser Konstellation gespielt?

Carolin Spinner: Ich habe mit dem Handball angefangen, als ich zehn Jahre alt war. Ich spiele also seit zwölf Jahren. Die meisten haben aber schon etwas früher angefangen. Mit der Mannschaft spielen wir jetzt schon die dritte Saison zusammen, was man auch vor allem letztes Jahr gemerkt hat. Die letzten zwei Jahre hatten wir wenig Abgänge. Davor war es oft so, dass es aufgrund des Studiums meistens viele Wechsel im Team gab.

Gisela Schoritz: Dadurch, dass die Region Freiburg im Umkreis von 50 Kilometern liegt, kommen viele Spielerinnen nicht direkt aus Freiburg. Wir haben auch eine Spielerin, die aus Österreich kommt und hier studiert. Den weitesten Weg hat eine Spielerin aus Basel.

 

StadtBESTEN: Was war euer tollstes Teamerlebnis ?

Carolin Spinner: Definitiv der Aufstieg letztes Jahr, das war auf jeden Fall das Highlight! Nach dem drittletzten Spiel stand schon fest, dass wir Meister werden. Da wir bei einem Auswärtsspiel Meister wurden, war das letzte Heimspiel etwas Besonderes. Da konnten wir nochmal vor dem Heimpublikum zeigen, dass wir es auch echt verdient haben, da oben zu stehen. Die Stimmung in der Halle war mega und alle haben mit uns zusammen gefeiert.

Gisela Schoritz: Der Aufstieg wurde bestimmt fünf mal gefeiert. *lacht*

 

StadtBESTEN: Was hat Handball, was andere Sportarten nicht haben und wann sollte man damit anfangen, wenn man erfolgreich werden will? 

Gisela Schoritz: Ein gutes Alter, um mit dem Handballspielen anzufangen, ist normalerweise das Grundschulalter mit circa sechs Jahren. Es gibt aber auch Minimannschaften, bei welchen man schon mit fünf Jahren anfangen kann.

Carolin Spinner: Beim Handball gibt es sehr viel Action und es wird nie langweilig! Es fallen viele Tore und es gibt immer viel zu sehen. Bei allen Handballspielen sind außerdem total viel Emotionen dabei, was man auch in der Halle immer spürt. Bei den Spielen, selbst in den unteren Ligen, egal ob es die Kreisklasse oder die Bundesliga ist – die Stimmung ist einfach mega und es macht super viel Spaß zuzuschauen!

 

Beim Training in der Gerhard-Graf Sporthalle. Foto-Credit: StadtBESTEN

 

StadtBESTEN: Was ist euer Ziel für die kommende Saison und wie bereitet ihr euch darauf vor?

Gisela Schoritz: Wir haben pro Woche sechs Trainingseinheiten à circa zwei Stunden. Es ist ein sehr großer Unterschied zur letzten Saison und Neuland für uns. Im Grunde sind wir ein absoluter „Underdog“, ich behaupte der größte Underdog der letzen Jahre in der Liga – sowohl finanziell, als auch personell. Wir haben zwar einen schönen breiten Kader und eine gute Qualität, aber zum Beispiel keine eingekauften, ausländischen Spielerinnen. Wir leben einfach vom Zusammenhalt und davon, dass die Spielerinnen wahninnig viel trainieren und ganz viel Herzblut reinstecken. Deswegen macht das auch Spaß! Und deswegen kann uns eigentlich auch gar nichts Schlimmes passieren. Selbst wenn etwas schiefgeht, gehen wir da positiv raus. Wir erwarten nur, dass jeder einfach sein Bestes gibt – alles andere ist Bonus. Vom Organisatorischen her gibt es ganz viel für die Geschäftsstelle zu tun. Auflagen müssen erfüllt werden, die Spielerinnen brauchen Verträge. Klar, wir bräuchten nach wie vor noch ein paar Sponsoren, deswegen sind wir in die Sponsorensuche eingebunden. Und die Mädels trainieren ohne Ende und achten darauf, dass sie gesund bleiben. Man muss jetzt einfach alles etwas professioneller machen.

Carolin Spinner: Ziel ist auf jeden Fall der Klassenerhalt. Da gibt es natürlich viele Vorbereitungen, größtenteils auch von offizieller Seite. Gerade organisatorisch verändert sich viel. Wir haben zudem den Trainingsumfang gesteigert. Aber da haben wir alle Bock drauf! *lacht* Man weiß, dass die Saison jetzt bald losgeht und man das Ziel vor Augen hat. Jedem von uns ist bewusst, um was es geht, dass wir fit sein müssen und dass es ein krasser Unterschied zum letzten Jahr ist. Mir geht es so, dass man es auch für die Mannschaft tut, dass man zusammen trainiert und Spaß im Team hat. Jeder kann sich auf den anderen verlassen. Wenn ich alleine trainieren müsste, hätte ich wahrscheinlich größere Probleme mich zu motivieren. Selbst wenn es manchmal eine Überwindung ist, herzukommen, gerade nach einem langen anstrengenden Tag, freut man sich dann doch, wenn man dann wieder zusammen trainiert.

 

StadtBESTEN: Während der kommenden Saison tourt ihr durch ganz Deutschland. Wie viele Spiele habt ihr und wie vereinbart ihr das mit eurem Privatleben?

Gisela Schoritz: Die Saison startet am 7. September 2019 und geht bis Ende Mai 2020. Das heißt 30 Spiele in der Saison. Da organisiert man schon alles drumherum.

Carolin Spinner: Das sind acht Spiele mehr als letztes Jahr. Die Spiele finden immer am Wochenende, das heißt, dass man nicht mehr viel Freizeit übrig hat, neben dem Beruf oder dem Studium. Das bedeutet natürlich gute Planung und auch die Bereitschaft zu haben, etwas für das Team zu tun. Aber es ist eigentlich auch ganz cool, durch ganz Deutschland zu fahren. Dann kann man sich auch noch überlegen ein oder zwei Tage länger in einer Stadt zu bleiben, wenn man eh schon dort ist und wenn es sich gerade anbietet. *lacht*

 

Foto-Credit: StadtBESTEN

 

StadtBESTEN: Wie wird der Handball in Freiburg gefördert? Würdet ihr euch mehr Unterstützung wünschen?

Gisela Schoritz: Freiburg ist eine Sportstadt und wir bekommen auch etwas Unterstützung von der Stadt. Das ist wirklich hilfreich und darüber sind wir auch froh, sonst wäre das Ganze wahrscheinlich auch gar nicht machbar. Ansonsten ist es in Freiburg etwas schwierig Sponsoren zu finden, da wir viele Dienstleister-Unternehmen haben und das Mittelständische ein bisschen fehlt. Obwohl wir wirklich ein guter Werbepartner sind, denn durch den Aufstieg repräsentieren wir Freiburg in ganz Deutschland. Außerdem sind wir sympathisch, regional und präsent in der Presse. Bei allen Spielen haben wir viele Zuschauer – die meisten die bei einem unserer Spiele waren, kommen wieder. Unser größter Wunsch für die Saison ist auch, dass bei jedem Spiel die Halle voll ist, dass darüber berichtet wird und die Leute sehen: „Wow, die freuen sich, wenn wir kommen!“ Momentan lassen wir auch Dauerkarten drucken. Leider gibt es in Freiburg derzeit leider keine Sporthalle, in welcher die Zuschauer von beiden Seiten mitfiebern können und in welche bei tollen Gegnern auch mal 1.000 Leute reinpassen würden. Mittelfristig wäre es toll, wenn sich da etwas ergeben würde. Zudem sind die Kapazitäten der Halle sehr eng, da pro Trainingseinheit je zwei Teams in der Halle trainieren – das ist manchmal schon schwierig.

 

StadtBESTEN: Warum sind Frauensportarten weniger „populär“ als Männersportarten? 

Carolin Spinner: Ich glaube, dass Männersport immer als ein bisschen athletischer und vielleicht auch schneller betrachtet wird. Viele sagen, deswegen ist Frauenfußball langweilig, andere sagen, dass die Frauen zumindest schön spielen, da es nicht nur um Schnelligkeit geht.

Gisela Schoritz: Vielleicht auch ein bisschen aus der Tradition heraus. Männersport gibt es gefühlt schon immer. Die Frauen ziehen jetzt halt nach. Technisch spielen wir auf einem richtig hohem Niveau, aber die Athletik ist natürlich weniger als bei den Männern. Man merkt zwischen dem Frauen- und Männerhandball im Grunde schon einen großen Unterschied. Bei den Männern steht das Körperliche mehr im Fokus, aber technisch sind wir mindestens genauso gut – was natürlich auch schön zum Anschauen ist.

 

Wir bedanken uns bei Carolin und Gisela von den „Red Sparrows“ für das angenehme Interview und drücken der Mannschaft die Daumen für die kommende Saison in der 2. Handball-Bundesliga!

 

Jeden zweiten Samstag um 20 Uhr kann man den „Red Sparrows“ in der Gerhard-Graf Sporthalle in Freiburg bei ihren Spielen zuschauen! Weitere Informationen zu den Spielen und zu der Mannschaft findet ihr auf ihrer Website und auf ihrem Instagram-Account.

Foto-Credit Titelbild: StadtBESTEN