16. August 2019

18 Fragen an zwei der größten Influencerinnen aus Freiburg

Sie sind in Freiburg geboren und aufgewachsen - Auf Instagram haben sie gemeinsam mehr als 600.000 Abonnenten! Wir haben die 15-jährige Schülerin Valerie und ihre fünf Jahre älterer Schwester Jacqueline in unser Office eingeladen und ihnen einige Fragen zu ihrem spannenden Leben als Influencerinnen gestellt.

 StadtBESTEN: Wann habt ihr mit Instagram angefangen?

Valli: Ich hatte mit 13 Jahren mal einen Account, auf dem ich hauptsächlich Videos veröffentlicht habe. Auf diesem Account hatte ich mir eine kleine Reichweite von 11.000 Abonnenten aufgebaut. Dieser wurde aber 2017 gehackt. Wir hatten damals noch versucht den Account wiederzubekommen, es hat aber nicht geklappt. Dann habe ich nochmal neu angefangen auf einem neuen, meinem jetzigen Account.

Jacqi: Instagram habe ich mir damals mit ca. 14 Jahren heruntergeladen. Dort habe ich schon früh angefangen, aus Spaß Bilder von Essen und meinem Lifestyle zu posten. Meine Reichweite war damals bei ca. 2.000 Abonnenten und ich hatte sogar schon kleinere Kooperationen. Mit der Zeit habe ich aber den Spaß daran verloren und mir einen privaten Account erstellt. Mit 17 habe ich diesen Account dann aber wieder öffentlich gemacht und mit 18 habe ich regelmäßig Fitnessbilder gepostet, nachdem ich mich im Fitnessstudio angemeldet hatte. Also ich würde sagen, 2017 hat bei mir alles so richtig begonnen.

 

StadtBESTEN: @Valli, hast du es von Beginn angestrebt, eine erfolgreiche Influencerin zu werden? 

Valli: Nein, absolut nicht. Ich habe einfach angefangen, regelmäßig Videos zu posten, weil es mir damals schon sehr viel Spaß gemacht hat. Natürlich habe ich die großen Influencer sehr bewundert und Stück für Stück hat sich meine Reichweite vergrößert. Ich freue mich jetzt natürlich sehr darüber.

 

StadtBESTEN: Wer sind eure Zielgruppen und was macht eure Kanäle aus?

Valli: Meine Zielgruppe sind die 13-, 14-, 15-Jährigen. Auf meinem Kanal findet man eigentlich alles. Ich hatte mal Comedy-Videos, dann hatte ich Schmink-Videos – also ich poste eigentlich alles, was mir Spaß macht.

Jacqi: Viele von Vallis Abonnenten gehören auch zu meinen Followern, es sind aber auch viele in meinem Alter bis Mitte 20 dabei. Ich konzentriere mich hauptsächlich auf Fitness, Ernährung und Motivation. Fitness ist ein Teil von meinem Leben und ich mache das mittlerweile auch beruflich als Trainerin. Das was man selber liebt und gerne macht, ist am einfachsten zu Teilen.

 

StadtBESTEN: Habt ihr eigene Vorbilder auf Instagram?

Valli: Auf Instagram habe ich keine bestimmten Vorbilder. Ich lasse mich in meinem Leben gerne von meinen Schwestern inspirieren und diese würde ich auch als meine Vorbilder bezeichnen.

Jacqi: Als ich mit meinem Account angefangen habe, da hatte ich keine direkten Vorbilder, aber Accounts, von denen ich mich habe inspirieren lassen. Ich schaue mir gerne Fitnessvideos von anderen Fitnessbloggern an, die ihre Übungen zeigen.

 

StadtBESTEN: @Valli du gehst ja noch zur Schule und @Jacqi du studierst – Wie schafft ihr es, das mit Instagram zu vereinbaren und wieviel Zeit investiert ihr dafür? 

Valli: Natürlich steht die Schule im Vordergrund, gerade weil es für mich jetzt in die Kursstufe, also in die 11. Klasse geht. Meistens bin ich dann abends auf Instagram unterwegs oder mal zwischendurch. Ich versuche natürlich schon auch jeden Tag etwas zu produzieren. Meistens mache ich das dann aber am Wochenende und produziere für die Woche vor. Oft passiert es mir aber auch, dass ich mal kurz bei Instagram reinschaue und dann für die nächste Stunde nichts anderes mache. Dabei erwische ich mich leider selbst sehr häufig. Ich glaube, das kennen sehr viele.

Jacqi: Ich mache ja ein Fernstudium im Bereich Fitnessökonomie und bekomme mein Lernmaterial zu mir nachhause geschickt. Gleichzeitig arbeite ich aber montags bis donnerstags auch in einem Fitnessstudio, wo ich nicht viel Zeit für Instagram habe. Deshalb kümmere ich mich dann immer freitags und am Wochenende um meinen Account. Ich habe also auch meine festen Tage, an denen ich shoote.

 

StadtBESTEN: Was bewegt euch dazu, täglich aktiv zu sein und euer Leben mit eurer Communtity zu teilen?

Valli: Natürlich die Community, weil ohne die Communtity diese Reichweite garnicht möglich wäre. Sie motivieren einen und schreiben liebe Kommentare. Man erreicht auch super schnell ganz viele Menschen, sobald man bei etwas Hilfe braucht. Das motiviert uns schon sehr. Auch zu sehen, wieviele Menschen hinter einem stehen, ist für uns beide ein sehr tolles Gefühl!

 

Foto-Credit: Instagram: vallixpauline

 

StadtBESTEN: Bekommt ihr oft „Hate-Kommentare“ und wie geht ihr damit um?

Valli: Ich weiß schon immer, bei welchen Bildern oder Videos es „Hate“ geben wird. Bei manchen Bildern fallen mir aber die Dinge, die kritisiert werden, vorher garnicht auf. Zum Beispiel wird es oft kritisiert, wenn ich ein kürzeres Oberteil trage, dass es viel zu freizügig sei. Manchmal schreiben aber Menschen auch einfach „Du bist so hässlich“ unter meine Bilder, da kann ich aber leider nichts machen *lacht*. Anfangs haben mich solche Kommentare schon sehr verletzt und ich habe mir sehr viel daraus gemacht und überlegt, ob ich etwas ändern muss. Letztendlich aber hat mich das nur viel stärker gemacht und mittlerweile weiß ich, dass es Menschen gibt, die sich extra die Zeit nehmen, mir etwas Gemeines zu schreiben. Das erschreckt mich dann mehr, als der Kommentar selbst. Ich lösche auch keine Kommentare, weil ich der Meinung bin, dass man eben im Internet nichts ändern sollte, was andere gepostet oder geschrieben haben. Viele sagen auch immer „Influencer müssen damit leben, dass sie Hate-Kommentare bekommen“. Ich stelle mir dabei aber die Frage „Warum?“. Wir sind doch auch nur normale Menschen, also warum müssen wir dann damit leben und andere nicht?

Jacqi: Ich hatte ganz zu Beginn angefangen, negative und fiese Kommentare zu löschen und diese Leute zu blockieren, weil ich keine Klicks von Menschen bekommen wollte, die mich gar nicht mögen. Ich wollte anfangs auch die negativen Kommentare von meinem Account fern halten, denn wenn es nichts Negatives gibt, dann traut sich auch erstmal keiner, damit anzufangen. Mittlerweile habe ich aber gelernt, damit umzugehen, jedoch bekomme ich generell nicht viel Hate. Wenn, dann auch meistens von Fake-Accounts, die einfach grundlos haten.

 

StadtBESTEN: @Jacqi du postest ja schon auch mal etwas freizügigere Bilder im Bikini. Haben die Menschen daraufhin negative Kommentare geschrieben?

Jacqi: Als ich damit angefangen habe, waren es tatsächlich nur Leute, die mich aus der Schule oder aus der Umgebung kannten, die negative Kommentare geschrieben haben. Aber von meiner Community oder meinen Freunden habe ich nie negative Reaktionen diesbezüglich bekommen. Gerade in der Fitnessbranche zeigst du gerne deinen Körper, weil du daran arbeitest und deinen Körper liebst. Mittlerweile wird das bei mir auch als normal angesehen. Es fiel mir auch nie schwer, diese Bilder zu posten, denn es war meine Entscheidung und ich poste nichts, bei dem ich mir nicht zu 100% sicher bin.

 

StadtBESTEN: Wie gehen die Menschen, die euch schon vorher kannten, mit euch um?  

Jacqi: Bei Freunden hat sich nichts geändert, denn du bist immer noch du selbst. Manchmal melden sich aber auch plötzlich Menschen, mit denen man sehr lange keinen Kontakt mehr hatte. Da stellen wir uns dann schon die Frage, ob sie sich denn auch melden würden, wenn wir nicht diese Reichweite hätten. Manchmal haben wir das Gefühl, man würde uns nur auf unsere Reichweite reduzieren, was sehr schade ist. Es gibt auch Leute, die früher, als wir noch weniger Abonnenten hatten, Hate-Kommentare hinterlassen haben. Mittlerweile sprechen einen genau diese Personen an, als wäre nie etwas gewesen. Ab und zu gibt es dann unter Freunden oder der Familie auch mal das Thema „Leg doch bitte mal das Handy zur Seite“. Man selbst nimmt das gar nicht mehr so wahr, dass man sein Handy eigentlich rund um die Uhr bei sich trägt und ständig darauf schaut. Aber besonders unsere Eltern legen großen Wert darauf, dass das Handy gerade beim Essen nicht am Tisch ist und auch, wenn man sich miteinander unterhält.

 

StadtBESTEN: @Valli, wissen deine Lehrer, dass du auf Instagram sehr bekannt bist und wenn ja, wurdest du schonmal darauf angesprochen?

Valli: Ich weiß nicht, wer genau von meinen Lehrern das weiß, aber es wissen auf jeden Fall einige. Ich kann mir vorstellen, dass im Lehrerzimmer auch darüber gesprochen wird. Ich wurde auch schon vereinzelt darauf angesprochen, aber bisher kamen nur positive Reaktionen. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass ich dadurch anders behandelt werde. Ich bin eine Schülerin, wie alle anderen auch.

 

StadtBESTEN: @Valli, wie agierst du als Vorbild für deine jüngeren Fans? 

Valli: Ich glaube man sollte einfach immer man selbst bleiben, denn wenn man sich so zeigt, wie man wirklich ist, kann man als Vorbild nichts falsch machen. Natürlich muss ich aufpassen, was ich mache, um keinen schlechten Einfluss auf die Jüngeren zu haben. Ich gehe einfach meinen Weg.

 

StadtBESTEN: Wie viel Privatsphäre habt ihr noch?

Jacqi: Es kommt darauf an, wo man ist. In Freiburg werden wir schon oft erkannt und wir freuen uns auch, wenn die Leute auf uns zukommen und man sich austauschen kann. Es ist auch schön, die Reaktionen der Follower zu sehen, wenn sie auf uns treffen. Manche haben sogar schon geweint vor Freude, da weiß man dann gar nicht, wie man reagieren soll. Auf größeren Veranstaltungen, wo viele Menschen unserer Zielgruppen sind, ist es dann schon schwieriger, unerkannt zu bleiben, was uns aber auch überhaupt nicht stört! Ab und zu gibt es dann dann die Situationen, dass die Leute einen erkennen, und versuchen, heimlich Fotos zu machen, anstatt einen anzusprechen. Das kann dann schon mal ziemlich unangenehm sein. Wir freuen uns immer, die Follower zu treffen und die Gesichter dahinter zu sehen.

 

StadtBRESTEN: Wurde eure Privatsphäre auch schonmal in irgendeiner Weise verletzt?

Valli: Ja leider mussten wir auch schon die Erfahrung machen, dass Leute vor unserer Haustüre standen. Manche haben sogar geklingelt und nach uns gefragt. Sowas geht dann auch einfach zu weit, denn das ist unser Zuhause, wo wir mit unserer Familie wohnen. Meine Handynummer wurde auch schonmal weitergegeben. Da muss man natürlich sehr aufpassen. Ich musste die Nummer aber zum Glück noch nicht wechseln. Die Personen habe ich damals dann darauf hingewiesen, dass das nicht geht und sie meine Privatsphäre doch bitte respektieren sollen. Seitdem ist das auch nicht mehr vorgefallen.

 

StadtBESTEN: Wie gehen eure Eltern damit um, dass ihr in der Öffentlichkeit steht? 

Jacqi: Sie unterstützen uns auf jeden Fall und weisen uns auch auf mögliche Gefahren hin. Für unsere Eltern ist es trotz allem wichtig, dass die Schule und das Studium noch an erster Stelle stehen und solange wir das nicht vernachlässigen, akzeptieren sie, dass wir auf Instagram so aktiv sind, unterstützen und helfen uns dabei auch mal.

 

Foto-Credit: Instagram: jacqxiii

 

StadtBESTEN: Es gibt bestimmt viele Anfragen für Werbung. Wie entscheidet ihr darüber und wie oft macht ihr Werbung?

Valli: Also ich möchte keinen Werbeaccount haben. Wenn ich ab und zu mal Werbung mache, dann auch nur für die Dinge, die ich selbst unterstütze. Aber grundsätzlich mache ich auf meinem Account nicht viel Werbung. Ich möchte auch anders als meine Schwester, keine festen Werbepartner haben, weil ich mich auf keinen Fall von jemandem abhängig machen möchte.

Jacqi: Ich habe mittlerweile eine Managerin, die meine E-Mails empfängt und schonmal eine Vorauswahl trifft. Mittlerweile versuchen wir auch feste Partner zu bekommen, dass ich quasi fixe Kooperationspartner habe, mit denen ich kooperiere. Dabei ist es mir aber sehr wichtig, dass ich hinter diesen Produkten stehe und davon selbst überzeugt bin. Für kein Geld der Welt, würde ich Produkte weiterempfehlen, die mir selbst nicht gefallen.

 

StadtBESTEN: @Valli, aber ist es nicht verlockend, sich auf einen Deal einzulassen, wenn man ein gutes Angebot bekommt, was vielleicht auch zum Account passt? 

Valli: Es sollte einfach zu deinem Account passen, aber ich kann nicht authentisch bleiben, wenn ich dauerhaft bezahlte Werbung poste. Das bin nicht ich und wenn es zu viele Anfragen sind, dann lehne ich die auch ab. Meine Eltern unterstützen mich da auch, weil ich selbst noch gar nicht geschäftsfähig bin. Ich mache grundsätzlich lieber meinen eigenen Content, auf den ich Lust habe und bei Werbeverträgen muss man eben das posten, was der Kunde möchte. Das entspricht aber nicht immer dem, was ich auf meinem Account teilen möchte.

 

StadtBESTEN: Könnt ihr euch vorstellen hauptberuflich als Influencer zu arbeiten?

Valli: Viele machen ja ihr Hobby zu ihrem Beruf. Für mich ist Instagram mein Hobby und ich weiß nicht, was in der Zukunft noch alles kommt. Ich möchte jetzt erstmal mein Abitur machen und dann weitersehen. Vielleicht werde ich danach studieren, aber das weiß ich jetzt noch nicht. Wir wissen ja auch alle nicht, wie es mit den Sozialen Netzwerken in der Zukunft aussehen wird.

Jacqi: Ich möchte auch natürlich erstmal fertigstudieren. Vorstellen kann ich mir, dass ich mich irgendwann mal selbstständig machen werde, zumindest ist das mein Wunsch. Ob es letztendlich eine Karriere als Influencerin sein wird, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Ich möchte auf jeden Fall den Fokus in Fitnessbranche behalten.

 

StadtBESTEN: Welche drei Tipps könnt ihr geben, was man beachten sollte, wenn man auf Instagram erfolgreich werden möchte?

  1. Man sollte immer authentisch bleiben und sich selbst vor allem treu bleiben.
  2. Man sollte immer aktiv bleiben, denn dadurch bekommt man mehr Reichweite.
  3. Spaß ist das Wichtigste! Solange es einem Spaß macht, bleibt man auch authentisch und verliert nie die Motivation.

 

Foto-Credit: StadtBESTEN

 

Wir bedanken uns herzlich bei Valli und Jacqi für das tolle Interview und wünschen den Beiden für die Zukunft alles Gute!

 

Foto-Credit Titelbild: StadtBESTEN